25.10.2019, 15:36 Uhr

Detektivarbeit Fragen über Fragen im Fall „Bayern-Ei“ – Sachverständiger des Bundesinstituts für Risikobewertung klärt auf

Anwalt Sebastian Gaßmann aus Passau und Anwalt Dr. Ulrich Ziegert aus München stehen dem Angeklagten zur Seite. (Foto: Ursula Hildebrand)Anwalt Sebastian Gaßmann aus Passau und Anwalt Dr. Ulrich Ziegert aus München stehen dem Angeklagten zur Seite. (Foto: Ursula Hildebrand)

Am Freitag, 25. Oktober, ging es vor dem Landgericht Regensburg im Fall „Bayern-Ei“ mit einer ausführlichen Befragung eines Sachverständigen weiter. Dr. Istvan Szabo, Leiter des Nationalen Referenzlabors für Salmonella (NRL für Salmonella) des Bundesinstituts für Risikobewertung, bekam dazu im Voraus vom Gericht einen Fragenkatalog. Neben Beratungsaufgaben, Forschungsprojekten und Methodenvalidierung beschäftigt sich der Tierarzt für Mikrobiologie hauptsächlich mit Salmonellen. Am Verhandlungstag ging es darum, generelle Fragen zu Salmonellen für das Gericht verständlich zu erklären.

REGENSBURG Die erste Frage des Richters zielte auf die Gefahr von Salmonellen für Menschen ab. Der Sachverständige bestätigte, dass alle Arten von Salmonellen für den Menschen gefährlich sein können und führte Zahlen des Robert-Koch-Instituts für Erkrankungen an Menschen auf.

Im weiteren Verlauf wurden die verschiedenen Wege, auf denen Salmonellen in Legehennenbetriebe gelangen können, sowie die Verbreitungsmöglichkeiten detailliert klargestellt. Szabo erklärte auch, welche Bedingungen für eine Vermehrung von Salmonellen günstig sind und unter welchen Voraussetzungen sich Salmonellen zwar nicht vermehren – aber überleben. Beispielsweise können Salmonellen in einem trockenen Gewürz jahrelang überleben, denn eine gewisse Feuchtigkeit ist selbst hier vorhanden. Neben der Feuchtigkeit ist eine Temperatur um die 37 Grad notwendig, damit alle 20 Minuten eine Zellteilung stattfindet. Diese Körpertemperatur ist bei Geflügel mindestens vorhanden.

Verbreitet werden Salmonellen zum Beispiel über Staub, der in der Luft fliegt, oder über Schuhe. Während sich Staub kaum vermeiden lässt, wäre für das Schuhproblem eine Schleuse denkbar, in der man sich vollständig entkleiden und waschen beziehungsweise desinfizieren müsste und aus der man in den Stall nur mit neuer, stallspezifischer Kleidung und Mundschutz sowie Kopfbedeckung eintreten dürfte.

Szabo betonte, dass es durchaus „unauffällige“ Betriebe gibt, die seit Jahren oder Jahrzehnten keine Salmonellen haben – dass er es in seiner Arbeit aber täglich mit einer richtigen „Detektivarbeit“ zu tun habe. Die Komplexität des Salmonellenthemas wurde allen Anwesenden durch seine Berichte und Antworten auf den Fragekatalog durchaus bewusst.

Der Prozess wird am Dienstag, 5. November, um 9.30 Uhr fortgesetzt, dann wird ein Sachverständiger aus der Infektiologie aussagen.


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