08.06.2018, 12:14 Uhr

Landgericht Regensburg Haarsträubende Geschichte über einen Schlägertrupp, etwas schwarze Magie und verschwundene 600.000 Euro

(Foto: vb)(Foto: vb)

Wo sind nur die 600.000 Euro geblieben? Ein 56-jähriger Unternehmer aus Regensburg steht seit Mittwoch, 6. Juni, wegen Untreue vor dem Regensburger Landgericht. Er soll eine Bekannte um mehr als eine halbe Million Euro betrogen haben. Vor Gericht erzählte er eine haarsträubende Geschichte.

REGENSBURG Anfang 2014 hatte der Angeklagte angeblich den Plan, ein Verwaltungsgebäude in Regensburg zu einer Komaklinik umzubauen. Seiner Bekannten soll er vorgeschlagen haben, in sein Projekt zu investieren. Im September 2014 soll diese Bekannte schließlich eine Vollmacht unterzeichnet und 600.000 Euro investiert haben. Nachdem das Projekt aber im Dezember 2014 gescheitert war, soll der Angeklagte das Geld jedoch nicht, wie vereinbart, an die Investorin zurückgezahlt haben. Die Investorin soll dadurch einen Vermögensschaden von 600.000 Euro erlitten haben. So zumindest lauten die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft.

„Sie erzählt Lügengeschichten!“

Nach der Anklageverlesung äußerte sich der 56-Jährige durch seinen Anwalt. Laut seinen Aussagen hatte sich die Investorin regelrecht aufgedrängt und schließlich 600.000 Euro in das Projekt investiert. Nachdem sie sich der schwarzen Magie zuwandte und Hühner schlachtete, wollte sich der 56-Jährige sowohl privat als auch geschäftlich von ihr distanzieren. Wieder überredete sie ihn, als Investorin weitermachen zu dürfen. Nachdem die Verwirklichung der Komaklinik aber nicht so einfach gelang, ließ sie den 56-Jährigen auf offener Straße zusammenschlagen und zeigte ihn an. Ein Arrestantrag gegen den 56-Jährigen wurde gestellt. Sein damaliger Anwalt soll ihm geraten haben, das Geld abzuheben, bevor die Konten aufgrund des Arrestantrags eingefroren werden würden. Der 56-Jährige hob 436.000 Euro ab und versteckte das Bargeld während einer Reise durch Europa in seinem Wohnwagen. Irgendwann auf der Reise soll ihm das Geld schließlich von Unbekannten gestohlen worden sein. Was mit dem restlichen Geld geschehen ist, blieb trotz seiner Ausführungen weitestgehend unklar. Einen Teil davon hatte er angeblich für das gescheiterte Komaklinik-Projekt und einen anderen Teil für seinen privaten Lebensunterhalt verwendet. „Wenn ich das Geld hätte, würde ich es zurückzahlen“, beteuerte der 56-Jährige vor Gericht.

Die Staatsanwaltschaft tat sich ganz offensichtlich schwer, der Geschichte des Angeklagten Glauben zu schenken. Ähnlich erging es wohl auch der Geschädigten. Die Versionen der beiden Beteiligten wollten nämlich so gar nicht zueinander passen. „Sie erzählt Lügengeschichten“, behauptete der Angeklagte. Die Geschädigte wiederum beteuerte: „Nein, nein, nein, da stimmt gar nichts“, und bezog sich damit auf die Version des Angeklagten. Ein Urteil im Prozess gegen den 56-jährigen Unternehmer wird voraussichtlich am Dienstag, 12. Juni, erwartet. Insgesamt sind vier Verhandlungstage angesetzt.


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