30.11.2017, 12:24 Uhr

Haftstrafen Eltern brachten Sohn mit Brandverletzungen tagelang nicht zum Arzt!

Kind angezündet. Foto: vb (Foto: vb)Kind angezündet. Foto: vb (Foto: vb)

Im Fall des Waldmünchner Ehepaares, das den eigenen Sohn nach einer schweren Brandverletzung nicht zu einem Arzt brachte, sind nun die Urteile gefällt worden. Beide müssen ins Gefängnis.

WALDMÜNCHEN Ein Ehepaar aus Waldmünchen stand wegen versuchten Mordes an ihrem eigenen, damals fünf Jahre alten Sohn vor dem Landgericht Regensburg. Am heutigen Donnerstag, 30. November, fiel nach 13 Verhandlungstagen das Urteil im Prozess gegen die 37-jährige Mutter und den ebenfalls 37-jährigen Vater.

Der Vater des Jungen wurde nun zu einer Haftstrafe von fünf Jahren verurteilt, seine Frau, die Mutter des Kindes, zu einer Haftstrafe von drei Jahren und neun Monaten. Zudem muss das Paar 30.000 Euro Schmerzensgeld zahlen und für künftige Schäden des eigenen Sohnes aufkommen.

Als der Fall im Oktober 2016 bekannt wurde, war das Entsetzen in der Bevölkerung groß. Im Internet wurde eine regelrechte Hetzjagd auf die Mutter des Kindes veranstaltet. Man solle mit der Frau dasselbe tun, was sie ihrem Kind angetan hat, hieß es zum Beispiel. Doch was war vorgefallen an jenem Tattag, dem 30. September 2016?

Laut Staatsanwaltschaft soll der Angeklagte mehrere Gegenstände aus einem fremden Auto gestohlen haben. Kurze Zeit später soll seine Frau versucht haben, das Diebesgut im eigenen Garten und mit der Hilfe zweier Benzinkanister zu verbrennen. Im Garten sollen sich zur selben Zeit auch drei ihrer fünf gemeinsamen Kinder aufgehalten haben. Dabei soll brennendes Benzin auf den damals fünfjährigen Sohn des Ehepaares gespritzt sein. Der Junge wurde dadurch in Brand gesetzt. Die 37-Jährige soll daraufhin die Flammen am Körper des Kindes mit einer Jacke erstickt haben. Anstatt ihren Sohn, der Verbrennungen dritten Grades erlitten hatte, sofort ärztlich versorgen zu lassen, sollen die Eltern ihn vier Tage lang sich selbst überlassen haben. Erst eine Tankstellenpächterin wurde auf den schwer verletzten Jungen aufmerksam, als seine Eltern mit ihn in die Tankstelle kamen, und informierte das Jugendamt und die Polizei.

Die Mutter des Jungen ist seitdem im Bezirkskrankenhaus untergebracht. Sie soll an Schizophrenie leiden. Der Vater saß seitdem in der Justizvollzugsanstalt. Die fünf Kinder sind in einer Pflegefamilie untergekommen.

Eine Polizeibeamtin erzählte im Zeugenstand von „katastrophalen Wohnverhältnissen“. Für die Kinder gab es keine Spielsachen im Haus und in den Betten fehlten die Matratzen. Das passt auch zu den Aussagen der Kinder. Diese berichteten vom Drogenkonsum und den sexuellen Aktivitäten ihrer Eltern.

Nun entschied das Gericht über den Fall.


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