31.07.2018, 16:01 Uhr

Diskussionen um Kulturpreis erwünscht Ulrich Brunner für Schweinezucht und symbiotische Landwirtschaft ausgezeichnet

Bezirkstagspräsident Dr. Olaf Heinrich (l.) und Staatsminister a.D. Helmut Brunner (r.) gratulierten Ulrich Brunner zum Kulturpreis des Bezirks Niederbayern. (Foto: Manuela Lang/Bezirk Niederbayern)Bezirkstagspräsident Dr. Olaf Heinrich (l.) und Staatsminister a.D. Helmut Brunner (r.) gratulierten Ulrich Brunner zum Kulturpreis des Bezirks Niederbayern. (Foto: Manuela Lang/Bezirk Niederbayern)

„Der Kopf ist rund, damit das Denken die Richtung wechseln kann.“: Mit diesem Zitat des französischen Schriftstellers Francis Picabia verwies Helmut Brunner, der ehemalige Landwirtschaftsminister, in seiner Laudatio darauf, dass sich der Bezirk Niederbayern für einen eher ungewöhnlichen Kulturpreisträger 2018 entschieden hat.

ARNSTORF Die Wahl des hauptberuflichen Ofenbauers aus Arnstorf, der auf seinem Privatanwesen eine fast ausgestorbene Schweinerasse züchtet, wurde im Vorfeld kontrovers diskutiert. Bezirkstagspräsident Dr. Olaf Heinrich, der die Preisverleihung am Montagnachmittag im Festsaal des Bezirksklinikums Mainkofen, eröffnete, bewertete diese Diskussion positiv: „Schließlich geht es darum, kulturelle Werte in den Fokus zu rücken.“

Nach Auszeichnungen für den Vorsitzenden des Berufsverbands Bildender Künstler Niederbayern e.V. (Hubert Huber) und den Vorsitzenden des Vereins Bairische Sprache e.V. (Sepp Obermeier) führe der diesjährige Kulturpreis zurück zu den Wurzeln des Kulturbegriffs, so Olaf Heinrich. „Denn ‚Kultur‘ meint dem lateinischen Ursprung des Begriffs ‚cultura‘ nach die Bearbeitung, Pflege und Veredelung von Ackerboden.“ Es sei dem Bezirk ein Anliegen, einen „weiten Kulturbegriff“ zu definieren und ihn auch in die Öffentlichkeit zu tragen.

Ulrich Brunner betreibt auch auf seinem Anwesen in der Gemeinde Arnstorf eine sogenannte „symbiotische Landwirtschaft“. Diese, so hob Laudator Helmut Brunner hervor, fuße auf sehr alten, naturgemäßen Formen der Tierhaltung, bei denen verschiedene Tierarten gemeinsam auf einer Weide zusammenleben und sich gegenseitig ergänzen. Brunner nutze dafür auf seinem Hof die aus Norddeutschland stammende, alte und stark gefährdete Rasse der „Bunten Bentheimer Schweine“, die im Zuge veränderter Verbrauchergewohnheiten hin zu fettarmem Fleisch, das sie aufgrund ihres „ungünstigen Fleisch-Fett-Verhältnisses“ nicht liefern konnten, immer seltener wurden. Verschiedene Tierarten leben auf dem Hof das ganze Jahr über im Freien und beschaffen sich das Futter selbst.

„Das, was Herr Brunner macht, wird sicher nicht zum Leitbild für die gesamte Agrarwirtschaft. Doch er geht seinen eigenen Weg, denkt regional und macht etwas Besonderes“, so Helmut Brunner, der genau diese Eigenschaften auch als Merkmale erfolgreicher Landwirtschaft in Bayern insgesamt sieht. Zudem sei die Landwirtschaft hierzulande äußerst vielfältig, worauf der Kulturpreis 2018 nun ebenso hinweist. „Ich gratuliere dem Bezirk zu seinem Mut zu dieser Entscheidung.“ Schließlich brauche eine Gesellschaft immer „Vordenker, Nachdenker und Querdenker“, schloss er seine Laudatio und gratulierte dem Preisträger.

Ulrich Brunner selbst bedankte sich für die Auszeichnung und betonte auch seinerseits, kein hauptberuflicher Schweinebauer, sondern Ofenbauer zu sein. Dennoch liege ihm die Landwirtschaft seit seiner Kindheit am Herzen und finde es bedauerlich, dass immer mehr Lichter auf den Höfen erlöschen. Insofern sei „seine Art, Landwirtschaft zu betreiben“ sein Beitrag, der ihn täglich mit großer Freude erfülle.

Die unkonventionelle Wahl des Bezirks Niederbayern für seinen Kulturpreisträger 2018 wurde auch von den Gästen positiv gewertet. Die niederbayerische Bezirksbäuerin Irene Waas freute sich, dass diesmal mit dem Kulturpreis ein Landwirt ausgezeichnet wurde. „Wir gratulieren dazu ganz herzlich“, so Waas, die aber auch klarmachte, dass der Preisträger keine klassische Landwirtschaft betreibe. Als sehr erfreulich bezeichnete es Roland Spiller, Leiter des Amts für Ländliche Entwicklung, dass mit dieser Auszeichung der Landwirtschaft insgesamt Wert und Bedeutung beigemessen wird. „Nur durch Wertschätzung kann auch Wertschöpfung entstehen“, so Spiller. Und auch der Geschäftsführer des Bayerischen Wald-Vereins, Georg Pletl, fand es gelungen, dass ein Vertreter der Landwirtschaft in diesem Rahmen ausgezeichnet wurde – zumal es den Fokus darauf richte, wie ein erfolgreicher Unternehmer den wertschätzenden Umgang mit der Natur vorlebt.

Die 6.000 Euro Preisgeld, die er noch mit Privatmitteln aufstocken will, spendet Ulrich Brunner an den a.s.a.m. Klosterverein in Eggenfelden für soziale Projekte. „Dann ist das eine runde Sache“, meinte er zum Schluss.


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