05.06.2019, 14:11 Uhr

Aus dem Gerichtssaal Mit glühender Zigarette verbrannt, Finger umgeknickt und bedroht

In einer SMS-Nachricht, die vor Gericht teilweise vorgelesen wurde, beleidigte der 36-Jährige seine damalige Verlobte als „Schlampe“ und drohte sie aufzuschlitzen. (Foto: 123rf)In einer SMS-Nachricht, die vor Gericht teilweise vorgelesen wurde, beleidigte der 36-Jährige seine damalige Verlobte als „Schlampe“ und drohte sie aufzuschlitzen. (Foto: 123rf)

Der Ex-Verlobte des Opfers, ein Türke aus Waldkraiburg, musste sich dafür vor Gericht verantworten.

MÜHLDORF/WALDKRAIBURG „Wir lieben uns immer noch“, erklärt der 36-jährige mit gesenktem Kopf auf der Anklagebank. „Ich habe ihren Namen eintätowiert und sie meinen.“ Dabei war es die ehemalige Verlobte, die den türkischstämmigen Waldkraiburger vor Gericht brachte. Die 24-jährige Friseurin aus Altötting hatte ihn bei der Polizei angezeigt. Zwar hatte sie später versucht, die Strafanzeige wieder zurückzuziehen, das war jedoch nicht mehr möglich.

Zwei Wochen vor der Verhandlung vor dem Mühldorfer Amtsgericht waren die beiden noch ein Paar. Inzwischen herrscht Funkstille. Im Zeugenstand sagte die 24-Jährige: „Ich glaube ich lasse den Kontakt zu ihm besser sein ...“

Für drei Vorfälle musste sich der 36-Jährige, der in einer Camouflage-Bomberjacke und Jeans zu seiner Verhandlung erschien, verantworten. Im Frühjahr 2017 hatte er seine Freundin in einem Streit mit einer glühenden Zigarette an der Schulter berührt, wodurch eine leichte Brandnarbe zurückblieb. Ein Jahr später hatte er ihr, ebenfalls im Streit, den Daumen umgeknickt und sie dabei so schwer verletzt, dass sie eine Schiene tragen musste. Im September 2018 hatte er der 24-Jährigen schließlich eine SMS geschickt, in der er sie massiv bedrohte.

Eine Schulklasse, die der Verhandlung beiwohnte, lauschte gespannt der Übersetzung der SMS, die Richter Francisco Sauter Orengo zum Teil im Gerichtssaal vorlas. Die Wortwahl des Angeklagten war in der Nachricht alles andere als fein. Er hatte seine Verlobte als „Schlampe“ bezeichnet und angekündigt, sie und andere Familienmitglieder „aufzuschlitzen“. Natürlich fehlte auch die klassische Gangsta-Rapper-Drohung nicht, ihre Mutter zu f***en. Das alles schwor der Türke in seiner SMS mehrfach auf den Koran.

Dem Angeklagten war die Verlesung im Gerichtssaal sichtlich unangenehm. Mit Blick auf die Schulklasse im Zuschauerraum sagte er: „Ich bin jetzt 36 und da hinten sitzen lauter Kinder. Das ist mir peinlich.“ Glück für ihn, dass seine Ex-Verlobte keinen Belastungseifer zeigte und die Sache mit der Zigarette sogar als „Unfall“ darstellte. Bei ihrer Vernehmung durch die Polizei hatte das noch anders geklungen. Mit Blick auf die beiden übrigen Tatvorwürfe stellte das Gericht diesen Anklagepunkt ein. Für das Umknicken des Daumens und die Bedrohung per SMS verurteilte Richter Sauter Orengo den 36-Jährigen zu einer Haftstrafe von acht Monaten, die er zur Bewährung aussetzte. Darüber hinaus muss der Waldkraiburger 1.000 Euro an die Caritas zahlen.

Die Staatsanwältin hatte eine achtmonatige Haftstrafe ohne Bewährung gefordert - auch im Hinblick auf die Vorstrafen des Türken. 2013 war er wegen versuchter gefährlicher Körperverletzung und Erpressung sowie mehr als hundert Betäubungsmittelvergehen zu einem Jahr und zwei Monaten Haft auf Bewährung verurteilt worden. Die Anklagevertreterin hielt ihm aber zugute, dass er die dreijährige Bewährungszeit durchgestanden habe, ohne erneut straffällig zu werden. „Ihre Ex-Verlobte hat in der Beziehung so einiges mitgemacht“, las Richter Sauter Orengo in seiner Urteilsbegründung dem Waldkraiburger die Leviten. „Bei der Sache mit der Zigarette hat sie sich sogar ins Zeug gelegt, und diese relativiert.“

Er glaube aber, so der Richter, dass die Gerichtsverhandlung bei dem Verurteilten Eindruck hinterlassen habe und er tatsächlich Reue zeige.

Er entließ den 36-Jährigen mit der Warnung: „Das ist Ihre letzte Chance. Wenn in den nächsten drei Jahren Bewährungszeit irgendetwas passiert, ist es vorbei.“

Die Ex-Verlobte hatte im Zeugenstand hinsichtlich der körperlichen Übergriffe und der Bedrohung gesagt: „Er dachte wahrscheinlich, dass er die Macht dazu hat. Ich will, dass er versteht, dass so etwas nicht geht.“ Glaubt man dem Verurteilten, dann hat er das verstanden ...


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