16.04.2020, 09:28 Uhr

Tankstellenüberfall in Velden Der Räuber mit der Scream-Maske

Bei dem Überfall trug der Täter eine Maske wie diese. Foto: Alberto Giacomazzi/123rf.comBei dem Überfall trug der Täter eine Maske wie diese. Foto: Alberto Giacomazzi/123rf.com

„Fortsetzung folgt ...“ hieß es am Ende des Prozesses um besonders schwere räuberische Erpressung am Landgericht Landshut am Mittwoch. Der Angeklagte, ein 23-jähriger Mann aus dem Landkreis Landshut, wird beschuldigt, am 19. Januar dieses Jahres eine Tankstelle in Velden überfallen zu haben.

Landshut. Doch laut Verteidiger Dr. Thomas Krimmel soll sein Mandant drogenabhängig sein: „Sein ganzes Leben hat sich nur darum gekreist, sich wieder Drogen zu beschaffen.“ Dies gehe jedoch laut Vorsitzendem Richter Ralph Reiter nicht aus den Akten hervor. Dem soll jetzt nachgegangen werden. Aus diesem Grund wurde die Hauptverhandlung ausgesetzt, um unter anderem ein Gutachten zur Schuldfähigkeit und zum Drogenkonsum einzuholen.

Laut Anklageschrift betrat der 23-jährige Altenpflegehelfer am Tatabend gegen 21.35 Uhr maskiert mir einer „Scream-Maske“ und in dunkler Kleidung die Tankstelle, bewaffnet mit einem Küchenmesser. Damit soll er die junge Kassiererin bedroht und mit den Worten „Give me all your money!" aufgefordert haben, das Geld aus der Kasse herauszurücken, die ihm schließlich 565 Euro daraus übergab. Anschließend flüchtete er. Die Polizei startete eine groß angelegte Fahndung mit Polizeihubschrauber. Kurze Zeit später wurde der Angeklagte am Marktplatz in Velden aufgrund seiner Verkleidung festgenommen, wie der Kriminalbeamte erzählte. So habe sich der 23-Jährige zwar nach der Tat umgezogen, aber im gleichen Stil wie beim mutmaßlichen Überfall. Bei der Durchsuchung seiner Wohnung fanden die Beamten schließlich Maske, Kleidung, Messer und die Beute. Bei dessen polizeilichen Vernehmung habe der 23-Jährige angegeben, er würde keinen Alkohol und Drogen konsumieren.

Ganz anders hörte sich das dann allerdings beim Prozess an: Wie sein Verteidiger erklärte, ist sein Mandant seit vier Jahren drogensüchtig, was sich extrem steigerte. Dadurch habe er seine Arbeit verloren und Geldprobleme bekommen. Sowohl seine Mutter als auch eine Bekannte könnten dessen Sucht bestätigen und Krimmel forderte, die beiden als Zeuginnen zu vernehmen.

Auch der Angeklagte erzählte freizügig: „Was ich vom Dealer bekommen habe, habe ich genommen“. So habe er angeblich folgende Drogen konsumiert: Speed, Gras, Pep, Ecstasy, Spice, Tramadol und Kokain, davon täglich zwischen zwei bis drei Gramm. Diese Aufzählung sorgte bei einigen Prozessbeteiligten für Stirnrunzeln. „Davon befindet sich in den Akten gar nichts, und in diese Richtung ist auch nicht ermittelt worden“, bemerkte der Vorsitzende Richter und fügte hinzu, dass es keine Anhaltspunkte dafür gibt, dass der 23-Jährige bei Tatbegehung unter Drogeneinfluss stand. Der Polizeibeamte erklärte, dass bei der Wohnungsdurchsuchung auch nicht auf Drogenmissbrauch hin gesucht worden sei. Nur eine gefundene Bong sei vor Ort in einem Sack zerdeppert“ worden.

„Behaupten kann man viel, man muss es aber nicht glauben“, sagte der Vorsitzende Richter an den Angeklagten gerichtet. Jetzt müsse man genauer „verifizieren“. Dazu hat der Angeklagte eine freiwillige Haarprobe abgegeben, da nachermittelt werden müsse, was die Drogenproblematik anbelangt.

Zudem steht der junge Mann unter Verdacht, einen weiteren Tankstellenüberfall Anfang 2019 begangen zu haben, aufgrund der ähnlichen Maskierung und Vorgehensweise. Laut Gericht liegt eine DNA-Probe vom Tatort vor, die mit der DNA des Angeklagten verglichen werden soll. Zum Abgleich dürfe nun dessen entnommene Haarprobe verwendet werden.

In ein paar Wochen soll es weitergehen, unter anderem mit den Gutachten und diversen Vernehmungen. − mr –


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