25.02.2020, 13:46 Uhr

Hohes Aggressionspotential Polizei will Verbot von Hochprozentigem bei Fachingsveranstaltungen beantragen

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Am Faschingswochenende, 22. und 23. Februar, fanden im nördlichen Landkreis Pfaffenhofen vier Faschingsumzüge statt. Am Samstag in Münchsmünster, am Sonntag gleichzeitig in Vohburg und Baar-Ebenhausen sowie am Rosenmontag noch ein Umzug in Geisenfeld. Allesamt mussten von der Polizeiinpektion Geisenfeld betreut werden. Die Umzüge selbst verliefen jeweils ohne größere Vorfälle.

Geisenfeld. Probleme bereiteten die Anschlussveranstaltungen, bei denen einige Jugendliche und Heranwachsende durch übermäßigen Alkoholkonsum negativ auffielen. In einem Fall wurde sogar der Dienststellenleiter verbal von einem 17-Jährigen angegangen. Der Jugendliche, dessen Vater angeblich hochrangiger Polizist bei der Bundespolizei sei, „belehrte“ den Ersten Hauptkommissar wie er einen Faschingseinsatz zu führen hätte.

Bei der Veranstaltung in Münchsmünster wurden gleich zehn Vorfälle registriert, darunter fünf Körperverletzungsdelikte. Bereits unmittelbar nach dem Umzug kam es zu einer Auseinandersetzung, bei der ein 42-Jähriger und ein 29-Jähriger zunächst verbal aneinander gerieten. Im Zuge des Streits verpasste der 49-Jährige dem Jüngeren eine Kopfnuss. Beide Beteiligten waren alkoholisiert. Dem 42-jährigen Bundeswehrsoldaten wurde ein Platzverweis erteilt. Nur knapp eine Stunde später gegen 16.50 Uhr kam es zur nächsten Körperverletzung. Ein Gemeindemitarbeiter säuberte mit einem Laubbläser den Marienplatz, weshalb es mit einer Personengruppe zum Streit kam. Ein 44-Jähriger versuchte zu schlichten, woraufhin er von fünf Personen der Gruppe zu Boden gebracht und geschlagen wurde. Die Täter konnten flüchten. Wiederum eine knappe Stunde später folgte die nächste Auseinandersetzung zwischen einem 29-Jährigen und einem 23-Jährigen, bei der der Ältere den Jüngeren massiv in den Würgegriff nahm. Obwohl hier eine Besatzung des Sanitätsdienstes dazwischen ging, verpasste der Täter dem am Boden liegenden Geschädigten noch einen wuchtigen Faustschlag ins Gesicht. Beide Beteiligten waren mit 1,9 und 1,44 Promille jeweils stark alkoholisiert. Fünf Minuten später mussten die Beamten die nächste Straftat aufnehmen. Ein 15- und ein 16-Jähriger hatten einen 19-Jährigen um Zigaretten angebettelt. Nachdem dieser verweigerte, verpassten die beiden Jugendlichen dem 19-jährigen Faustschläge ins Gesicht. Der Geschädigte musste schwerverletzt in ein Klinikum eingeliefert werden. Alle drei Beteiligten standen unter Alkoholeinfluss. Gegen 18.15 Uhr folgte schließlich noch eine letztes Aggressionsdelikt. Hier versetzte ein unbekannter Täter im Barzelt einem mit 2,14 Promille stark unter Alkoholeinfluss stehenden 22-Jährigen einen Kopfstoß. Der 22-Jährige musste vor Ort vom Sanitätsdienst behandelt werden. Neben diesen Rohheitsdelikten waren noch weitere Einsätze für die Polizei erforderlich. Unter anderem musste der zuvor genannte 42-jährige Bundeswehrsoldat in Sicherheitsgewahrsam genommen werden, da er dem ausgesprochenen Betretungsverbot nicht nachkam und auf der Veranstaltung erneut für Stress sorgte. Der Mann wurde schließlich in einer Zelle einer Polizeiinspektion arrestiert. In der Tassiolostraße warf ein Unbekannter eine Bierflasche gegen die Heckscheibe eines geparkten Pkw, wodurch die Scheibe zerbracht. Die Bierflasche konnte im Fahrzeuginnern sichergestellt werden. An einem abgestellten Streifenfahrzeug der Polizei wurde durch einen unbekannten Täter ein Hakenkreuz aufgemalt.

Weniger spektakulär ging es aus polizeilicher Sicht in Vohburg zu. Die Beamten verzeichneten hier lediglich eine Körperverletzung. Ein 35-Jähriger legte sich mit einer Gruppe von jungen Frauen an. Als diese ihn wegschubsten, schlug er einer 18-Jährigen mit dem Handrücken ins Gesicht. Dem 35-Jährigen wurde ein Platzverweis erteilt, die Geschädigte musste vom Sanitätsdienst behandelt werden. Die Polizeibeamten stellten aber auch bei dieser Veranstaltung eine Vielzahl von übermäßig alkoholisierten Jugendlichen und Heranwachsenden fest. Während des Faschingsumzuges kam zu einem Vorfall mit einem offenbar altersbedingt verwirrten 86-jähriger Pkw-Fahrer. Nur glücklichen Umständen war es zu verdanken, dass es hier nicht zu einem größeren Unfall kam. Der Mann steuerte auf den Faschingsumzug zu und hielt offenbar nur an, da der der Umzug letztlich durch ein Schwerfahrzeug des Bauhofs Vohburg abgesichert wurde.

Wenngleich nicht im Ausmaß von Münchsmünster, so musste die Polizei auch bei der Faschingsveranstaltung in Baar-Ebenhausen drei Körperverletzungsdelikte aufnehmen. Beim Faschingstreiben in der Geisenfelder Straße verpasste eine 19-Jährige einer 21-Jährigen und einer 25-Jährigen jeweils einen Fußtritt ins Gesicht. Beide Geschädigten erlitten leichte Schnittverletzungen im Gesicht; alle Beteiligten waren alkoholisiert. Gegen 20.15 Uhr wurde auf dem Dorfplatz ein 16-Jähriger von einer Gruppe Jugendlicher geschlagen. Bei der Schlägerei hatte er mehrere Faustschläge gegen den Kopf bekommen und musste mit Verdacht einer Augenhöhlenfraktur ins Klinikum eingeliefert werden. Die fünf Beschuldigten im Alter von 15 bis 18 Jahren sind namentlich bekannt. Offenbar von derselben Gruppe wurde ein 17-Jähriger angegangen. Dieser wurde auf wegen seiner erlittenen Verletzungen im Klinikum Ingolstadt vorstellig. Der Tathergang hier ist noch unklar. Anfängliche Gerüchte über eine Messerstecherei haben sich bisher nicht bestätigt. Neben zahlreichen weiteren übermäßig alkoholisierten Jugendlichen und Heranwachsenden fiel insbesondere eine 19-Jährige aus dem Ruder. Diese musste sich aufgrund der Alkoholisierung mehrmals übergeben und war teilweise auch nicht mehr ansprechbar. Eine Behandlung vor Ort durch den Notarzt war erforderlich. Die junge Frau wurde schließlich ihrem Vater übergeben.

Die Veranstaltung in Geisenfeld am Rosenmontag verlief weitestgehend in geordneten Bahnen. Unmittelbar nach dem Umzug musste eine Streifenbesatzung einen Streit schlichten, nachdem eine 58-jährige Frau einige Faschingsbesucher beim Urinieren von hinten fotografiert hatte. Bei einem weiteren Streit kam es schließlich zu einer Körperverletzung: Ein 16-Jähriger wurde von einem Unbekannten mit der Faust ins Gesicht geschlagen. Der Täter konnte unerkannt flüchten. Schließlich wurde gegen 18.40 Uhr noch ein 27-Jähriger von einer Streifenbesatzung mit einem Verkehrsschild unter dem Arm festgestellt. Offenbar hatte er sich einen Spaß erlaubt. Dennoch wird in diesem Fall der Staatsanwaltschaft ein ersuchter Diebstahl vorgelegt.

Von allen eingesetzten Einsatzkräften wurde über eine steigende Anzahl von übermäßig alkoholisierten Jugendlichen und Heranwachsenden berichtet. Auffallend sei vor allem eine aggressive Grundstimmung bei den Alkoholisierten. Diese dürfte aus Sicht der Polizei weitestgehend auf hochprozentigen Alkohol zurückzuführen sein. Die Polizeiinspektion Geisenfeld wird deshalb für die nächste Faschingssaison bei den Genehmigungsbehörden ein Verbot von Hochprozentigem beantragen.

Desweiteren waren nicht nur von den Einsatzkräften, sondern auch von Seiten der Bevölkerung zahlreiche negative Stimmen hinsichtlich der überdimensionierten Lautstärke einzelner Faschingswägen zu vernehmen. Vereinzelte Gruppen drehen ihre Musikanlagen, für die regelmäßig Stromaggregate mitgeführt werden, ohrenbetäubend laut. Auch hier wird die Polizei versuchen, für die Zukunft eine vernünftige Lösung anzustreben.


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