12.12.2018, 19:06 Uhr

Hoffen auf Klarheit Export-Unternehmen aus der Region setzen weiterhin auf Großbritannien

(Foto: 123rf.com)(Foto: 123rf.com)

Am Mittwochabend, 12. Dezember, muss sich Großbritanniens Premierministerin Theresa May einem Misstrauensvotum stellen – eine weitere Episode im Brexit-Drama mit ungewissem Ausgang.

MAINBURG Das Vereinigte Königreich verlangt seinen internationalen Handelspartnern viel Geduld ab. Das geht auch an Ostbayerns Exportwirtschaft nicht spurlos vorbei. „Die andauernde Hängepartie beim Brexit schadet nicht nur Großbritanniens Wirtschaft sondern erschwert auch die Planungen der Firmen aus der Oberpfalz und dem Landkreis Kelheim für den Markt in UK“, beobachtet der stellvertretende Abteilungsleiter International der IHK Regensburg für Oberpfalz / Kelheim Markus Huber. 266 regionale Unternehmen aus Industrie-, Handel und Dienstleistungen pflegen Geschäftsbeziehungen auf die Insel. Der Schwerpunkt liegt im Export und da in den Branchen Maschinenbau, Metallerzeugnisse und elektronische Bauelemente. „Noch immer steht ein ungeordneter Brexit im Raum. Für die Exportwirtschaft wäre er das schlimmste Szenario“, so Huber. Unter www.ihk-regensburg.de/brexit informiert die IHK Unternehmen laufend zum Brexit und bietet praktische Handlungsempfehlungen und Checklisten.

Exit beim Export?

Nicht nur den Briten, auch Ostbayerns Exporteuren stellt sich die Frage „Leave or remain?“. Der Spezialschuh-Hersteller Haix aus Mainburg im Landkreis Kelheim hat entschieden, weiterhin in UK zu investieren und seine Werbeaktivitäten nicht zurückgefahren. „Der englische Außendienst hat vor kurzem die Verkaufsplanung für 2019 um mehr als 20 Prozent erhöht“, berichtet Unternehmer Ewald Haimerl. „Wenn die Regierung May scheitert, wird entweder der Brexit ausgesetzt oder es kommt nochmal zur Abstimmung Brexit ja oder nein“, glaubt er. Der Handelsnation Großbritannien wird aus seiner Sicht in jedem Fall an guten Geschäftsbeziehungen gelegen sein. „Wir rechnen weiterhin mit einer relativ stabilen politischen Situation in Großbritannien, so dass plötzliche Normenänderungen oder Importbeschränkungen eher unwahrscheinlich sind. Deshalb bleibt der Markt weiterhin planbar und attraktiv.“ Seine Kunden in UK müssten sich jedoch nach einem Brexit auf teurere Produkte einstellen, so wie das in anderen EU-Drittstaaten wie der Schweiz oder Norwegen auch der Fall sei.

Vertraglich absichern

Das Mutterland der Eisenbahn ist gegenwärtig einer der Hauptzielmärkte der AKW A+V Protec Rail GmbH aus Hirschau im Landkreis Amberg-Sulzbach. Das Unternehmen stellt Kleinkläranlagen für das Abwassersystem in Schienenfahrzeugen her. „Die englische Bahn wird rundumerneuert. Es gibt bei den Bahnbetreibern gerade viele Ausschreibungen“, sagt Exportchefin Dorit Zitzelsberger. Um sich bewerben zu können, hat die Firma investiert und dabei auch das Förderprogramm „Go International“ der IHKs in Anspruch genommen – etwa für eine Bezuschussung der Zulassung und Zertifizierung sowie eine Fachmesseteilnahme auf der Insel. Seit dem Brexit-Referendum freut sie sich über eine positive Geschäftsentwicklung. „Wir hatten schon das Gefühl, die Briten wollen noch schnell ihre Geschäfte abschließen.“ Dennoch glaubt sie auch an gute Geschäfte nach einem Brexit. Für alle Eventualitäten müsse man sich natürlich absichern. Verträge werden in Euro geschlossen, unvorhergesehene Mehrzahlungen beim Zoll vertraglich der britischen Seite zugerechnet. Um Schwierigkeiten im Warenverkehr vorzubeugen, wird AKW A+V Protec Rail künftig in UK mit einem Servicepartner zusammenarbeiten und ein Lager vorhalten. Man wisse ja nie, was wirklich kommt.

Handelsvolumen schrumpft

Nicht für jedes Unternehmen wird Großbritannien als EU-Drittland attraktiv bleiben. Der Brexit wird zu hohen Kosten für die Unternehmen führen, heißt es vom Deutschen Industrie- und Handelskammertag DIHK. Die Experten schätzen mit bis zu zehn Millionen zusätzlichen Zollanmeldungen und über 200 Millionen Euro Zusatzkosten für Zollformalitäten. Das Vereinigte Königreich ist aktuell Deutschlands fünftwichtigster Handelspartner und der fünftwichtigste Exportmarkt Deutschlands, 2016 war es noch der drittwichtigste. Der Handel deutscher Unternehmen mit UK nimmt weiter ab. Seit Januar 2018 sind die Ausfuhren nach UK im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um fast vier Prozent zurückgegangen. Etwa 750.000 Arbeitsplätze in Deutschland hängen vom Export nach Großbritannien ab.


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