24.09.2018, 18:06 Uhr

Gefälschte Aufenthaltskarte: Wenn der Gefängnispfarrer hilft...

Bundespolizisten am Münchner Airport überprüfen täglich die Dokumente von gut 44.000 Passagieren. Immer wieder versuchen Reisende, die Beamten mit gefälschten Dokumenten hinters Licht zu führen. (Foto: Bundespolizei)Bundespolizisten am Münchner Airport überprüfen täglich die Dokumente von gut 44.000 Passagieren. Immer wieder versuchen Reisende, die Beamten mit gefälschten Dokumenten hinters Licht zu führen. (Foto: Bundespolizei)

... hilft das hinsichtlich eines Aufenthalts in Europa auch nicht weiter!

FLUGHAFEN Was macht man, wenn man aus dem Gefängnis entlassen und danach das Land verlassen will? Ein 39-Jähriger aus dem Kongo zumindest bat den Gefängnispfarrer in Kinshasa um Hilfe. Der vermeintliche Kirchenmann wiederum hatte seinem Schützling hier offenbar eine gefälschte holländische Aufenthaltskarte verkauft. Damit hat sich der Ausreisewillige mithilfe eines Schleusers auf den Weg nach Belgien gemacht. Am späten Donnerstagabend, 20. September, beendeten Bundespolizisten die Reise des Afrikaners bei seiner Ankunft aus Casablanca am Münchner Flughafen frühzeitig. Die Beamten stellten bei der Kontrolle des Mannes fest, dass sein kongolesischer Reisepass zwar echt war, der Aufenthaltstitel aus den Niederlanden aber eine komplette Fälschung.

Nach einer Nacht in Obhut der Bundespolizisten erklärte der Afrikaner den Beamten bei der Vernehmung am Freitag, 21. September, dass er in Kinshasa vier Monate im Gefängnis gesessen war, weil er an einer von den Katholiken im Land organisierten Demonstration teilgenommen habe. Im Gefängnis habe ihn auch immer wieder ein Pfarrer besucht. Dieser habe ihn nach seiner Entlassung bei seinem Vorhaben, das Land zu verlassen, insofern unterstützt, dass er ihm gegen ein Entgelt von 500 US-Dollar den in München vorgelegten niederländischen Aufenthaltstitel verkauft habe. Dass dieser gefälscht sei, habe er nicht gewusst. Die Aufenthaltskarte in der Tasche habe er sich mithilfe eines Schleusers, bezahlt von seinem in Kanada lebenden Bruder, auf den Weg nach Europa gemacht. Gegen eine weitere Zahlung von 3.000 US-Dollar habe der unbekannte Landsmann seine Reise von Kinshasa mit dem Boot ins benachbarte Brazzaville und von dort weiter mit dem Flugzeug ins marokkanische Casablanca organisiert. Dort habe er dann mit Ziel Belgien das Flugzeug nach München bestiegen. Von der bayerischen Landeshauptstadt aus sollte es schließlich mit dem Zug nach Brüssel gehen. Dafür habe ihm der Schleuser, dessen Kontaktdaten er selbst nicht habe, die Bahntickets schicken wollen, sobald er diese in München benötige.

Im Erdinger Moos angekommen haben Bundespolizisten den 39-Jährigen aus dem Verkehr gezogen, nachdem er ihnen bei der grenzpolizeilichen Einreisekontrolle die gefälschte niederländische Aufenthaltskarte vorgelegt hatte.

Auf die Frage der Ermittler, warum er nach Brüssel wollte, erklärte der Kongolese, er wolle eigentlich nur in Belgien leben. Wenn das nicht möglich sei, würde er auch in Deutschland bleiben.

Diesen Wunsch konnten ihm die Bundespolizisten nicht erfüllen. Sie nahmen dem Afrikaner den gefälschten Ausweis ab und zeigten ihn wegen des Verdachts der Urkundenfälschung, unerlaubter Einreise und unerlaubten Aufenthalts an und schickten ihn mit dem nächstmöglichen Flug am Samstagabend,22. September, zurück nach Casablanca.