17.05.2018, 11:49 Uhr

Bayerns größter LKA-Ermittlungserfolg Wie Landshuter Staatsanwälte der Kokain-Mafia auf die Spur kamen


Mafia hatte 1,8 Tonnen Koks ins Land geschmuggelt

ERDING/LANDSHUT/PASSAU. Die Mitarbeiter des Supermarktes in Passau staunten nicht schlecht, als die Polizei auftauchte. Außer Bananen lagen in angelieferten Obstkisten noch seltsame Päckchen. Schnell stellte sich raus: Es handelt sich um hochwertiges Kokain.

In neun weiteren bayerischen Supermärkten findet die Polizei im September 2017 ebenfalls die Droge, insgesamt 180 Kilo. Jetzt vermeldet der bayerische Innenminister auf einer Pressekonferenz stolz den „größten Ermittlungserfolg in der Geschichte des Bayerischen Landeskriminalamtes“ und einen gelungenen Schlag gegen die albanische Drogen-Mafia. Ein Erfolg, den sich die Staatsanwaltschaft Landshut ans Revers heften kann. Sie war in dem Verfahren federführend.

„Das ist einer der größten Kokainfunde in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland“, sagt Thomas Steinkraus-Koch, Oberstaatsanwalt. Er ist Sprecher einer Behörde, die sich sonst eher mit Superlativen zurückhält. Doch was den Ermittlern hier gelungen ist, das gehört eindeutig nicht zum Alltagsgeschäft.

Klar, dass man da auch ein bisschen stolz ist. Schließlich steckt dahinter ein ungeheurer Aufwand. Steinkraus-Koch spricht von „24-Stunden-Bereitschaften“ in den heißen Phasen der Ermittlungen, von enger Zusammenarbeit mit Landeskriminalamt und Zoll und SEK-Einsätzen. Ein Krimi-Drehbuch könnte nicht spannender sein.

Fünf Staatsanwälte standen an der Spitze einer ganzen Armee von 500 Ermittlern der Polizei und des Zolls. Am Ende gelang der Truppe ein beeindruckender Schlag gegen die organisierte Kriminalität. „Für die Kollegen war das natürlich schon etwas Außergewöhnliches“, so Steinkraus-Koch. Vor allem, als beim Zugriff tatsächlich große Mengen der Drogen und auch Waffen sichergestellt werden, ist für die Strafverfolger so etwas wie ein Sechser im Lotto.

Zuständig ist die Landshuter Staatsanwaltschaft, weil die Spur der Drogenpäckchen in sogenannte „Reifehallen“ für Banen führt. Dort werden die Bananen vor der Auslieferung an Supermärkte mit einem Gas behandelt, damit sie schön gelb werden. Eine dieser Hallen steht in Eitting, im Landkreis Erding – und ist damit im Zuständigkeitsbereich der Landshuter Strafverfolger. „Dort ist Kokain aufgetaucht“, so Steinkraus-Koch. Hier scheitert einer der Einbrüche, die zuvor immer glattgegangen waren.

Schnell ist den Ermittlern klar, warum in Reifehallen eines Großimporteurs in den Monaten zuvor immer wieder eingebrochen worden ist. Die Diebe wollten die Drogen abholen. Wie die Einbrecher wussten, in welche Lager die fraglichen Kisten transportiert wurden, das wird gerade ermittelt. Fest steht: Nach sechs Monaten, in denen rund 1,8 Tonnen importiert worden waren, ging etwas schief – und die Drogen landeten in Supermärkten.

Insgesamt 800 Kilo Koks finden Ermittler, auch mithilfe des Großimporteurs, bevor die Schmuggler zugreifen können.

Fünf Landshuter Staatsanwälte und 500 Ermittler heften sich zudem an die Fersen der Drogenschmuggler. Eine aufwändige Observation beginnt, die Spur führt nach Hamburg.

Am 25. April schlägt die Polizei dann zu. Kurz nach Mitternacht hatten sich Einbrecher Zutritt zu einer Hamburger Reifehalle verschafft. Mit 180 Kilo Kokain fahren die Täter im Anschluss in ihren Autos in Richtung Holland. Weit kommen sie nicht. Ein SEK stoppt die Fahrzeuge bei Duisburg.

Zeitgleich durchsuchen Polizei- und Zolleinheiten Wohnungen in Hamburg und Hannover. Sie finden zwei Revolver, Munition und 30.000 Euro Bargeld. An diesem Tag werden neun Verdächtige festgenommen, drei weitere in den nächsten Tagen. Sie alle gehören offenbar der albanischen Drogen-Mafia an. Der Wert des Kokains, den die Verbrecher ins Land geschafft haben, beträgt laut Staatsanwaltschaft rund 400 Millionen Euro.

Die Arbeit der Ermittler ist aber noch nicht zu Ende. Jetzt soll es den Hintermännern an den Kragen gehen.