25.04.2018, 16:11 Uhr

Türkische Familien bitten um Asyl Fluchtziel: Deutschland!

Bundespolizisten am Flughafen München kontrollieren täglich Reisedokumente von rund 44.000 Passagieren. Immer öfter kommen aber auch Passagiere von selbst auf die Beamten zu und bitten um Asyl. (Foto: Bundespolizei)Bundespolizisten am Flughafen München kontrollieren täglich Reisedokumente von rund 44.000 Passagieren. Immer öfter kommen aber auch Passagiere von selbst auf die Beamten zu und bitten um Asyl. (Foto: Bundespolizei)

Zufluchtssuche vor zunehmenden staatlichen Repressalien

FLUGHAFEN Sie waren Lehrer in der Türkei, jetzt sind sie laut eigener Aussagen auf der Flucht vor staatlichen Repressalien. Zwei türkische Lehrerfamilien wollten zum einen über München nach Kiew, zum anderen in die USA fliegen. In München angekommen sprachen die Familienväter am Dienstag, 24. April, bei den Einreisekontrollen eweils einen Bundespolizisten an und baten um Asyl in Deutschland.

Die beiden dreiköpfigen Familien reisten völlig unabhängig voneinander mit dem gleichen Ziel – Schutz vor der Staatsmacht in ihrem Heimatland.

Am frühen Morgen sprach ein 30-Jähriger in Begleitung seiner 27-jährigen Ehefrau und des zwei Jahre alten Sohnes einen Bundesbeamten bei der Einreisekontrolle an. Er händigte ihm ihre türkischen Reisepässe sowie Flugtickets von Singapur über München nach Charlotte aus. Gültige Visa für Deutschland hatte die dreiköpfige Familie nicht. Der Mann erzählte von Repressalien durch die Behörden seines Heimatlandes und von Angst um das Leben seiner Familie.

Er sei Lehrer. Seit acht Jahren unterrichte er Türkisch in Bangladesch, wo er jetzt seinen Aufenthalt hatte verlängern wollen. Das wäre aber nur mit einem neuen türkischen Nationalpass möglich gewesen. Diesen habe ihm die Botschaft seines Heimatstaates aber verweigert. Man werfe ihm Nähe zur Gülen-Bewegung vor. Ohne Aufenthaltsgenehmigung habe er daraufhin mit seiner Familie Bangladesch verlassen und eigentlich zurück in die Türkei reisen müssen. Dorthin wolle er aber nicht zurück, denn er habe Angst um seine Freiheit und sein Leben. Drei seiner Freunde seien bereits verhaftet worden – und das nur, weil sie Lehrer sind. In Deutschland wolle er für seine Familie und sich Asyl beantragen, weil er in einem Rechtsstaat leben wolle.

Am Abend stand wiederum ein 36-jähriger Türke zusammen mit seiner sechs Jahre jüngeren Ehefrau und seinem einjährigen Sohn vor den Grenzkontrollschaltern der Bundespolizei und erzählte eine fast identische Geschichte. Auch er erklärte den Beamten, er sei Lehrer in der Türkei gewesen. Er sei außerdem Kurde. Auch er gab an, dass er durch die Regierung seines Landes verfolgt werde. Er erzählte ebenfalls, die Familie sei aus Angst vor Haft und Folter geflohen, erst bereits vor vier Jahren in den Irak und jetzt nach Deutschland. Momentan werden dem 36-Jährigen zufolge viele kurdische Abgeordnete, Journalisten, Studenten und eben auch Lehrer ins Gefängnis gesteckt. Ihm selbst drohten zwölf Jahre Haft. Auch er erklärte, er wolle mit seiner Familie in einem demokratischen Rechtsstaat leben, in dem die Menschenrechte gelten.

Auch diese drei Personen nutzten annähernd die gleiche Weise, um nach Deutschland zu gelangen und hier Asyl zu beantragen. Sie buchten einen Flug über München, in ihrem Fall von Casablanca nach Kiew, um die Gelegenheit beim Umstieg im Erdinger Moos für ein Schutzersuchen zu nutzen.

Aufgrund ihrer Schutzersuchen übergaben die Bundespolizisten die beiden Familien nach Abschluss der polizeilichen Maßnahmen dem Bundesamt für Migration und Flüchtlinge. Dessen Mitarbeiter haben nun über die Asylanträge zu entscheiden.