13.03.2019, 17:19 Uhr

Hoher Besuch Evangelische Polizeiseelsorger tagen beim Fortbildungsinstitut der Bayerischen Polizei

(Foto: BPFI)(Foto: BPFI)

Den hohen Stellenwert von Freiheit und Verantwortung in der Gesellschaft und von der Polizeiseelsorge bei der Bayerischen Polizei betonten am gestrigen Dienstag Landesbischof Prof. Dr. Heinrich Bedford-Strohm und Bayerns Innenminister Joachim Herrmann bei der bundesweiten Konferenz der evangelischen Polizeipfarrer (KEPP) im Haus der Kultur. Gastgeber und Organisator ist das Fortbildungsinstitut der Bayerischen Polizei (BPFI). Landrat Georg Grabner sagte beim Empfang zum Punkt Menschlichkeit im Berchtesgadener Land: „Wenn’s drauf ankommt, halten die Menschen zusammen.“

AINRING Die Polizeiseelsorger aus ganz Deutschland treffen sich jährlich zu dieser einwöchigen Konferenz zum Austausch. Heuer war Bayern mit der Ausrichtung an der Reihe und die Wahl der Polizeiseelsorge fiel auf das BPFI als renommierte Veranstalter. Institutsleiter Leitender Polizeidirektor Johann Peter Holzner zeigte sich darüber hoch erfreut und nennt dies eine „große Ehre“. Der Einladung waren zahlreiche hochrangige Führungsbeamte aus der gesamten Bayerischen Polizei und dem Innenministerium gefolgt, ebenso Polizeibeamte, deren freiwillige Aufgabe es ist, die Polizeiseelsorger zu unterstützen. Neben evangelischen Pfarrerinnen und Pfarrer aus ganz Bayern und aus Österreich waren auch Dekan Peter Bertram aus Traunstein, die örtlichen Pfarrer Werner Buckel und Wernher Biehn unter den Gästen. Für die Katholische Kirche sprach Polizeiseelsorger Andreas Simbeck ein Grußwort und hob die gute Zusammenarbeit in Bayern hervor.

Der Landrat war gefragt zur Bewältigung der Flüchtlingslage, die im Jahr 2015 ihren Höhepunkt erreicht hatte. Grabner schilderte, wie quasi über Nacht viele flüchtende Menschen einreisen wollten, wie Tag und Nacht unzählige Frauen, Kinder und Männer an der Saalachbrücke in Salzburg an der Grenze zu Bayern warteten. „Für uns stand fest: Wir wollten die Menschen menschenwürdig behandeln, unabhängig davon, ob sie rechtmäßig da waren oder nicht“, erinnerte er sich. „Ich kann heute voller Dankbarkeit und Stolz sagen: das haben wir gut hingekriegt.“ Lobend hob er die große Zahl an ehrenamtlich engagierten Menschen im Berchtesgadener Land hervor. Erst vor kurzem habe er einen Helferempfang gegeben für all jene, die bei der Schneekatastrophe zu Beginn des Jahres kräftig anpackten. „Was wäre unsere Heimat, wenn es alle diese Menschen nicht gäbe.“

Innenminister Joachim Herrmann ging in seinem Grußwort näher auf die Polizeiseelsorge und die psychischen Belastungen ein, die mit dem Polizeidienst bei schlimmen Ereignissen verbunden sind. Zwei evangelische und zwei katholische hauptamtliche Seelsorger seien bei der Bayerischen Polizei beschäftigt. Die Aufgaben reichten vom berufsethischen Unterricht über Einkehrtage und Gottesdienste bis hin zur persönlichen seelsorgerischen Betreuung. „Unsere Einsatzkräfte stoßen bei lebensbedrohlichen Einsatzlagen nicht selten an die Grenzen ihrer körperlichen und seelischen Leistungsfähigkeit“, so der Minister. Gewalttätige Übergriffe auf Polizeibeamte, Ermittlungsverfahren in der Bekämpfung der Kinderpornographie oder die Sichtung von Gewaltvideos nannte er als weitere Beispiele. Auch im alltäglichen Streifendienst seien Beamte mit Unglücksfällen, Gewalt und Tod konfrontiert. Die Beamten würden in der Ausbildung professionell darauf vorbereit. Das Verbundnetz an psychosozialer Versorgung helfe in Kreisen, ebenso die bayerischen Polizeiseelsorger.

Leitender Polizeidirektor Hubert Müller, Abteilungsführer der II. Bereitschaftspolizeiabteilung (BPA) Eichstätt und damit eines Ausbildungsstandorts, ging in seinen Ausführungen auf die Polizeiethik und die Persönlichkeitsbildung ein, die eine von drei Säulen der Polizeiausbildung sei. In vielen verschiedenen „hochkomplexen Trainingssituationen“ gehe es darum, Empathie, Einfühlungsvermögen und Kommunikation zu zeigen. „Es gibt Gewissensentscheidungen.“ Das gesprochene Wort sei die schärfste Waffe der Polizei, fuhr Müller fort. 90 Prozent der Kontakte mit Bürgern könnten verbal gelöst werden. Die Bayerische Polizei nannte er eine Bürgerpolizei. Umfragen von renommierten Unternehmen belegten regelmäßig sehr hohe Vertrauenswerte. Dies sei wichtig für die Arbeit der Strafverfolgung der Polizei. „Was wären wir ohne die Bürger?“, fragte der Abteilungsführer und wies auf die Hinweise aus der Bevölkerung hin.

Landesbischof Prof. Dr. Heinrich Bedford-Strohm war in Begleitung von Oberkirchenrat Detlev Bierbaum gekommen, Leiter der Abteilung „Gesellschaftsbezogene Dienste München“, der durch das Programm führte und dem Team des BPFI für die professionelle Betreuung der Tagung dankte. Ebenso dankte er dem Klarinettenquartett des Polizeiorchesters Bayern für die musikalische Umrahmung unter der Leitung des Pidingers Peter Seufert.

Der Landesbischof hielt eine engagierte Rede über „Freiheit und Verantwortung in den gesellschaftlichen Herausforderungen heute“. Er sprach über die „Kostbarkeit des Rechts“ und darüber, dass Recht und Ordnung im „Dienste der Liebe und des Schutzes der Schwachen“ stehen müssen. Er hob die enge Verbindung zur Bayerischen Bereitschaftspolizei hervor, die für die Aus- und Fortbildung der gesamten Bayerischen Polizei verantwortlich ist. Nachhaltig beeindruckt habe ihn beispielsweise ein Besuch in der II. BPA, wo er auf Einladung von Polizeipräsident Wolfgang Sommer Einblicke in die polizeiethische Ausbildung bekommen habe.


0 Kommentare