07.01.2020, 10:07 Uhr

Jede Menge Einsätze Stressige Festtage für die Bergwacht

(Foto: pm/Bergwacht Grafenau)(Foto: pm/Bergwacht Grafenau)

Der Jahreswechsel und die ersten Tage des jungen Jahres verliefen für die Grafenauer Bergretter und den diensthabenden Einsatzleiter des Einsatzleitbereichs Nationalpark, Christian Kerschbaum, äußerst einsatzreich.

GRAFENAU Um 18.57 Uhr ging der erste Alarm durch die Integrierte Leitstelle Passau ein: verletzte Person am Lusenschutzhaus. Fünf Retter rückten aus. Der Winterweg war aber derart vereist, dass ein Weiterkommen samt angehängtem Nachläufer unmöglich wurde. So musste der Nachläufer abgehängt werden und einer der Retter blieb zur Sicherung beim Gerät, damit nicht etwa ein Schlittenfahrer dagegen fährt. Die anderen kämpften sich mit dem Schlitten bis zum Schutzhaus durch. Nach der Erstversorgung der Sprunggelenksverletzung wurde die Patientin dann äußerst vorsichtig mit dem Motorschlitten zur Waldhausreibe transportiert und dem RTW übergeben. Um 21.57 Uhr war Einsatzende.

Das neue Jahr war noch keine halbe Stunde alt, als die nächste Alarmierung durch die ILS Passau zum Lusenschutzhaus zu einem psychischen Notfall erfolgte.

Neun Retter machten sich unverzüglich wieder mit Motorschlitten und Nachläufer auf den Weg. Doch aufgrund des noch mehr vereisten Weges gestaltete sich die Anfahrt auf dem Winterweg zum Lusen so schwierig wie noch nie. Dieses Mal musste der Nachläufer bereits kurz nach der Waldhausreibe abgehängt und zurückgelassen werden, da ein Weiterkommen mit dieser Zusatzlast aussichtslos war. An einem weiteren Steilstück mussten dann einige Bergretter absteigen und zu Fuß mit Steigeisen weitergehen, damit zumindest eine Vorhut möglichst rasch zum Patienten kam. Allerdings war auch für diese Restmannschaft im letzten Steilstück vor dem Lusenschutzhaus dieses Mal Ende, da der Schlitten hängen blieb; von da ab ging es auch für den Rest per Pedes mit Steigeisen weiter.

Zwischenzeitlich hatte sich der Patient im Schutzhaus aber so weit erholt, dass seinem Wunsch, selbst bis zum Motorschlitten abzusteigen, stattgegeben werden konnte; so geleiteten die Retter den Patienten zum Schlitten, mit dem er dann bis zum Parkplatz Aussicht transportiert und dort dem Rettungsdienst übergeben werden konnte. Um 3.44 Uhr waren die Retter dann wieder zu Hause.

Der nächste Alarm durch die ILS Passau erreichte die Grafenauer am Neujahrstag um 15.05 Uhr. Einsatzort war wieder der Lusen. Etwa 150 Meter unterhalb des Schutzhauses war eine Frau gestürzt und hatte sich am Sprunggelenk verletzt. Aufgrund der Erfahrungen der letzten Nacht lief neben den routinemäßigen bodengebundenen Einsatz- und Transportvorbereitungen auch die Anfrage an den Rettungshubschrauber Christoph 15, da dieser mit einer Rettungswinde ausgestattet ist. Da in Straubing zu diesem Zeitpunkt dichter Nebel herrschte, konnte dieser aber nicht starten; Zehn Minuten später lichtete sich der Nebel kurz, sodass der Heli aufsteigen konnte. Er nahm auf seinem Weg zum Lusen den Grafenauer Luftretter Matthias Stockbauer auf und flog weiter. Da bei diesem Einsatz nicht die eigentliche Versorgung des Patienten, sondern die gefährlichen Bodengegebenheiten im Vordergrund standen, wurde zunächst Stockbauer alleine abgewincht, damit er gesichert und mit Steigeisen versehen Notarzt samt Ausrüstung sicher in Empfang nehmen konnte. Während der Versorgung und Vorbereitung dieser Patientin für den Hubschrauberflug teilten Vorbeikommende mit, dass „weiter oben“ noch eine verletzte Frau sei. Während die erste Patientin samt Arzt aufgewincht wurde und der Heli samt Patientin wegen der bereits einbrechenden Dämmerung sofort zu seinem Standort nach Straubing flog, machten sich die bei dieser Versorgung bereits entbehrlichen Retter mit dem Motorschlitten auf den Weg nach oben. Aber bereits nach kurzer Zeit war ein Weiterkommen wegen der Eisbahn erneut nicht mehr möglich. So disponierte man um: der Ehemann der mit Christoph 15 abtransportierten Frau wurde mit dem Schlitten ins Tal gefahren, während die Retter Richtung Schutzhaus stiegen.

Die Verletzte wurde letztendlich im Schutzhaus „gefunden“. Beim Eintreffen wurde den Rettern von einer weiteren verletzten Person am Gipfel berichtet. Während die einen die Knieverletzung im Schutzhaus versorgten, suchten die anderen nach dem Verletzten - jedoch ohne fündig zu werden.

Einsatzleiter Kerschbaum alarmierte wegen dieser unklaren Situation sicherheitshalber die Kameraden aus Wolfstein samt weiterem Einsatzmaterial für den dritten Verletzten nach.

Noch während man den Akja, der in der Lusenunterkunft gelagert ist, zum Abtransport vorbereitete, trafen weitere Helfer ein, die nochmals den gesamten Gipfelbereich absuchten, aber keine verletzte Person fanden, sodass die weitere Suche schließlich eingestellt wurde.

Die Knieverletzte wurde im Akja zu Fuß vorsichtig ins Tal gebracht, was bei den Bodenverhältnissen recht anstrengend war, sodass man über die allmählich nachkommenden Kollegen sehr froh war, damit man sich abwechseln konnte.

Der Begleiter der Frau wurde von einem Kameraden ins Tal geleitet, da seine Schuhsohlen recht glatt waren und Abstieg in vollkommener Dunkelheit – er hatte keine Lampe dabei - dadurch noch gefährlicher geworden wäre.

Am Wasserloch traf man auf den Motorschlitten, der weitere Bergretter brachte. Zu seiner eigenen Sicherheit wurde der Begleiter mit dem Schlitten nach unten gefahren, während die Retter die Frau mit dem Akja weiterfuhren und an der Waldhausreibe dem Rettungswagen übergaben. Um 19 Uhr war dann auch dieser Einsatz beendet.

Weiter ging es für die Retter am 2. Januar um 13.51 Uhr, wieder auf dem Lusen. Ein Mann war nur wenig unterhalb des Lusenschutzhauses auf dem Winterweg gestürzt und hatte sich dabei am Handgelenk verletzt.

Aufgrund der bereits bekannten Problematik forderte Einsatzleiter Kerschbaum sofort Christoph 15 an. Dieser war nach einem Einsatz am Arber gerade wieder verfügbar, holte in Mitterfirmiansreut die Wolfsteiner Luftretterin Kathrin Kerschbaum ab und flog zum Lusen weiter. Auch dieses Mal wurde zunächst die Bergretterin alleine abgewincht, die nach entsprechenden „Bodenvorbereitungen“ Notarzt und Equipment sicher in Empfang nahm. Die ersten Retter waren zwischenzeitlich, wieder den Rest zu Fuß zurücklegend, eingetroffen.

Während diese Rettungsaktion noch lief, kam die nächste Verletztenmeldung: Handgelenksverletzung am Lusenschutzhaus.

Deshalb richtete man einen Zwischenlandeplatz in Waldhäuser ein, winchte den „ersten“ Patienten zum Heli, flog zum Zwischenlandeplatz und übergab ihn einem RTW. Der mit dem zweiten RTW gekommene Notarzt wurde an Bord genommen und mit zum Lusenschutzhaus geflogen, da die „zweite“ Verletzte Angst vorm Fliegen hatte. Auch diese wurde dann zum Zwischenlandeplatz in Waldhäuser gebracht und mit dem RTW in eine Klinik transportiert.

Auf dem Weg ins Tal wurden die Retter dann aufgehalten, da eine Frau gestürzt war und sich ebenfalls am Handgelenk verletzt hatte. Nach der Erstversorgung wurde sie zusammen mit ihrem Begleiter mit dem Schlitten zur Waldhausreibe und von dort mit dem Bergrettungsfahrzeug zu ihrem Auto gebracht, da sie in Eigenverantwortung einen Arzt aufsuchen wollten.

Am 3. Januar kam der nächste Alarm um 16.43 Uhr wieder zum Winterweg am Lusen. Die Bergretter befanden sich noch in der Anfahrt, als der Einsatz abgeblasen wurde, da der Rettungsdienst die Person ohne Hilfe der Bergwacht erreichen und transportieren konnte.

Am 5. Januar um 14.59 Uhr wurde die Hilfe der Grafenauer Bergwacht erneut benötigt. Ein Mann war am Wolfsgehege auf eisigem Untergrund ausgerutscht und gestürzt. Er hatte sich dabei eine schwere Oberschenkelverletzung zugezogen, weshalb ein Notarzt nachgefordert wurde. Während der Versorgung dieses Verletzten rutschte ein Retter ebenfalls aus und verletzte sich am Handgelenk. Nach der Erstversorgung und Lagerung im Bergesack und der Erstversorgung des eigenen Kameraden wurden beide Patienten im Bergrettungsfahrzeug unter größter Vorsicht zur Böhmstrasse gefahren, wo sie dem dort bereits wartenden RTW samt Notarzt übergeben wurden.


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