10.04.2018, 13:56 Uhr

Sex vor Webcam Kinderschänder aus Unterneukirchen muss fünfeinhalb Jahre in den Knast

(Foto: rv)(Foto: rv)

Er hat drei philippinische Kinder via Webcam missbraucht. Das Gericht verurteilte den Angeklagten zu fünfeinhalb Jahren Gefängnis.

ALTÖTTING/TRAUNSTEIN. „Die Mutter brauchte das Geld für ihre Kinder, sei es für die Schule, den Arzt oder für Kleidung“, rechtfertigt sich der stämmige Unterneukirchner auf der Anklagebank. Aus polizeilichen Ermittlungen ergab sich, dass der 48-Jährige einer Philipina insgesamt über 3.000 Euro für „Live-Sex-Show“ mit ihren Kindern überwies, die er sich per Videochat ansah. Die drei minderjährigen Jungen und Mädchen waren zu Beginn der virtuellen Treffen vier bis acht Jahre alt. „Geld gegen Videos. Da ich etwas dafür bezahlte, fühlte ich mich in diesem Moment nicht schlecht und konnte so mein Gewissen beruhigen“, erklärt der verheiratete Maler- und Lackierermeister, während er unruhig seine Lesebrille in den Händen hält. Im Nachhinein bereue er seine Taten zutiefst.

Die Staatsanwaltschaft Traunstein warf ihm Anstiftung zum schweren sexuellen Missbrauch an Kindern vor. Drei Jahre lang hat der gebürtige Altöttinger mit der Philipina gechattet und von ihr verlangt, ihre Kinder vor der Webcam zu positionieren, während sie an sich sexuelle Praktiken nach seinen Wünschen durchführen mussten. Der Vorsitzende Richter am Landgericht verurteilte ihn zu fünfeinhalb Jahren Gefängnis.

Das Urteil gegen den bereits wegen Kinderpornografie und sexuellen Missbrauchs vorbestraften 48-Jährigen ist der erste Fall am Landgericht Traunstein, der das Thema „Webcam-Child-Sex-Tourism“ behandelt.

Live-Videos seien nur ein Fake gewesen

Auf die Frage des Vorsitzenden Richters, ob sich die Vorfälle denn tatsächlich so ereignet hätten, gesteht der vorbestrafte Beschuldigte mit gedämpfter Stimme: „Ja, es hat sich leider tatsächlich so zugetragen. Ich konnte der Versuchung nicht widerstehen. Ich brauchte diesen Kick, andere haben eine Spielsucht, ich habe eben das.“ Im nächsten Satz behauptete der 48-Jährige jedoch, dass die Live-Videos nur ein „Fake“ gewesen seien. „Und damit gaben Sie sich zufrieden? Das ist doch jetzt überhaupt nicht plausibel, was Sie da erzählen!“, entrüstet sich die Staatsanwältin. „Nein, für mich hat das in diesem Moment gereicht“, entgegnet der Handwerker. Er spricht leise und abgehackt.

Internationaler Kampf gegen „Webcam Child Sex Tourism“

Die Spur des Angeklagten verfolgten die Zuständigen des BKA in Zusammenarbeit mit dem US-amerikanischen Bundesbehörde FBI bis in den Landkreis Altötting. Der Chatverlauf sei eindeutig und weise ohne Zweifel auf „Webcam Child Sex Tourism“ hin, bestätigt der zuständige BKA-Beamte im Zeugenstand. Es habe sich nicht um „Fake-Videos“ gehandelt, sondern um schweren Kindesmissbrauch, bestätigt der Leiter der Ermittlungen. „Webcam-Child-Sex-Tourism“ ist ein in den letzten Jahren immer häufiger werdendes Phänomen. Genaue Zahlen gibt es bislang nicht, Experten vermuten eine hohe Dunkelziffer. Es ist zu befürchten, dass diese Art des Missbrauchs ein neuer Trend im Netz werden könnte.


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