23.10.2017, 18:31 Uhr zuletzt aktualisiert vor

Die Polizei kann auch Facebook und Co. Social Media bei der Polizei: So nutzt sie Facebook und Twitter

Fabian Bernhardt ist Mitarbeiter für Social Media beim Polizeipräsidium in Rosenheim. (Foto:Polizei)Fabian Bernhardt ist Mitarbeiter für Social Media beim Polizeipräsidium in Rosenheim. (Foto:Polizei)

Das Polizeipräsidium in Rosenheim betreibt eine eigene Abteilung für Soziale Netzwerke

OBERBAYERN Das Polizeipräsidium Oberbayern Süd, unter anderem auch zuständig für die Landkreise Altötting, Mühldorf, Chiemgau und BGL, nutzt sehr intensiv die Sozialen Netzwerke. Warum das für eine moderne Polizeiarbeit so wichtig ist, erfahren wir von Fabian Bernhardt vom Social Media-Büro des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd in Rosenheim.

Herr Bernhardt, seit wann existiert die Social Media-Abteilung beim Polizeipräsidium in Rosenheim?

Seit Juli 2015. Als eines der ersten bayerischen Polizeipräsidien haben wir in Rosenheim mit Auftritten in Social Media wie Facebook und Twitter begonnen. Wir haben diese für den G7-Gipfel in Garmisch gestartet, und nachdem wir hier sehr gute Erfahrungen gemacht haben, weitergeführt. Wir verzeichnen einen stetigen Nutzerzuwachs und blicken stolz auf eine sehr gute Entwicklung. Aktuell haben wir rund 30.000 Follower bei Twitter und 27.500 Facebookfans.

Wie groß ist das Social Media-Team?

Wir sind drei Teil- und Vollzeitkräfte und werden gelegentlich von einem Grafiker/Mediendesigner unterstützt.

War die Asylproblematik und die damit verbundene Kritik an der mangelnden Transparenz seitens der Polizei (und der Medien) ein Grund dafür, die Social Media-Auftritte weiterzuführen?

Damals war die Asylproblematik noch nicht so gravierend und deshalb auch nicht der maßgebliche Punkt. Man wollte primär für die Gefahrenabwehr und für größere Einsätze ein zusätzliches Instrument haben, die Bevölkerung zu warnen und zu informieren – direkt und ungefiltert. Darüber hinaus gibt es natürlich andere Aspekte wie etwa Zeugenaufrufe.

Lassen Sie mich noch mal nachhaken. Es gab ja sehr starke Kritik an der Polizei und auch den Medien. Man habe bewusst Informationen über Taten von Asylbewerbern zurückgehalten. Wir als Wochenblatt haben davon wenig gespürt, weil wir auch mit dem Thema „Asyl“ sehr offensiv umgegangen sind. Wie war das beim Polizeipräsidium Oberbayern Süd?

Die Politik unseres Hauses und der Pressestelle ist, sehr offensiv mit der Asylthematik umzugehen. Wir haben hier keinen Wandel durchgemacht, sondern schon immer sachlich und transparent berichtet, wenn es etwas zu berichten gab - ohne jede Vorverurteilung und Stigmatisierung. Die Zahl unserer Social Media-Nutzer ist ja während der Flüchtlingswelle angewachsen und wir haben schon einige sehr schwierige Fälle erlebt, mit denen wir umgehen mussten.

Im September 2015 wurde von Medienseite über Twitter berichtet, dass die Polizei am Grenzübergang Freilassing Warnschüsse auf Flüchtlinge abgeben würde. Diese Meldung hat natürlich eine ziemliche Dimension angenommen, mit bösen Kommentaren auf Facebook, das war aber schlichtweg eine Falschmeldung. Wir nutzen unsere Social Media-Kanäle auch dafür, sehr schnell und zielgerichtet gegen solche Falschmeldungen vorzugehen. Das ist uns in diesem Fall auch gelungen.

Im November 2015 hatten wir eine Vergewaltigung in Rosenheim, zunächst mit einem unbekannten Täter. Da ist eine Flut von negativen und tendenziösen Kommentaren auf unserer Facebookseite eingegangen – auch aus dem rechten Spektrum. Hier mussten wir moderierend eingreifen, um die Diskussion wieder zu versachlichen und ich denke, das ist uns auch gelungen und wir haben dafür Lob von den Medien erhalten.

Einen größeren Fall hatten wir im Januar 2017. Da hatte eine Facebooknutzerin behauptet, erfahren zu haben, dass in Mühldorf eine junge Frau von einem Asylbewerber brutal vergewaltigt worden sei (nicht zu verwechseln mit dem tatsächlich passierten Fall vom September 2015). Der Fall vom Januar 2017 war – wie in vielen anderen Fällen – erstunken und erlogen und wir sind sehr bestimmt gegen diese Meldung vorgegangen.

Wir haben aktuell einen Fall in Gendorf, in dem eine junge Frau angegeben hat, von drei dunkelhäutigen Tätern vergewaltigt worden zu sein. Es gab dazu keine Presseinfo, aber auf Nachfrage des Wochenblatts erklärte das Präsidium, man glaube dem angeblichen Opfer nicht. Ich schließe draus, dass die generelle Vorgehensweise ist, erst das Ergebnis der Ermittlungen abzuwarten. Das ist ja sinnvoll zur Vermeidung einer Vorverurteilung. Falls sich in einem solchen Fall herausstellt, dass der Vorwurf nicht stimmt, gibt man das dann überhaupt noch an die Öffentlichkeit?

Wenn ein entsprechendes öffentliches Interesse vorhanden ist, und Anfragen von Medien kommen, geben wir unsere bisherigen Infos, die wir weitergeben können, auch weiter. Falls aber noch nichts davon öffentlich bekannt ist, wahren wir die Persönlichkeitsrechte und warten bis die Kollegen von der Kripo den Fall ausermittelt haben. In solchen Fällen müssen Zeugen vernommen werden, gegebenenfalls ärztliche Untersuchungen durchgeführt werden. Wenn zeitgleich in Facebook die Gerüchteküche brodelt, macht uns das das Leben schwer und verunsichert Teile der Bevölkerung. Ob man einen Fall, der sich als erfunden erweist, trotzdem nach Abschluss der Ermittlungen an die Öffentlichkeit gibt, muss im Einzelfall entschieden werden. Wenn eine Straftat vorgetäuscht wird, geben wir aber normalerweise eine Pressemitteilung heraus.

Das klingt, als würde Social Media einen erheblichen Druck auf die Polizei erzeugen, denn wenn ein Vorfall – egal ob wahr oder unwahr – gepostet und geteilt wird, erzeugt das eine Welle in Facebook und Co., die schwer zu kontrollieren ist.

Wir lassen und da nicht unter Druck setzen, aber klar: Die Erwartungshaltung und das Informationsbedürfnis ist natürlich höher, weil so ein Fall viel bekannter wird, durch das Teilen wie Sie gesagt haben. Früher ist so etwas im persönlichen Umfeld, im Ort und am Stammtisch erzählt und diskutiert worden und hat genau die gleichen Stilblüten getrieben aber heutzutage wird es bei Facebook gepostet, mit der Folge, dass man es nicht mehr aus dem Netz bekommt, wenn es einmal drin ist. Es verbreitet sich viral, mitunter deutschlandweit und weltweit. Die Geschichte aus Mühldorf vom Januar 2017 war ein paar Stunden im Netz und hat sich in ganz Deutschland und in Österreich verbreitet. Das hat nie wieder aufgehört, die Meldung kursiert weiterhin im Netz, auch wenn sie von der Urheberin gelöscht wurde.

Raten Sie aus polizeilicher Sicht den Leuten zu mehr Zurückhaltung auf Facebook hinsichtlich der enormen Wirkung, die ein Beitrag entfalten kann?

So ist es. Dem kann ich nichts mehr hinzufügen (lacht).

Weitere Infos:

www.facebook.com/polizeiobs

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