15.11.2020, 15:06 Uhr

Aktionen in Straubing Feministisches Kollektiv macht gegen häusliche Gewalt mobil


Am Samstag machte das feministische Kollektiv (kurz: FemKo) Straubing auf den Anstieg häuslicher Gewalt während der Corona Pandemie und die Hilfsangebote aufmerksam.

Straubing. Es wurde ein Banner an die Schlossbrücke der Straubinger Innenstadt gehängt, viele selbstgebastelte Schilder in der Stadt verteilt, Sticker der Hilfsorganisationen verteilt und die Hilfetelefonnummer mit Kreide auf dem Boden aufgemalt. Auch der Bruder Straubinger wurde mit einen Schild ausgestattet.

In Zeiten der Coronapandemie ist der sicherste Ort das eigene Zuhause. Für viele Frauen ist das eigene Zuhause allerdings der gefährlichste Ort überhaupt.

Bereits vor Aufkommen des Virus und der Schutzmaßnahmen der Landesregierung hatte jede vierte Frau häusliche Gewalt durch ihren früheren oder aktuellen Beziehungspartner erlebt. Täglich versucht ein Mann seine Partnerin bzw. Ex-Partnerin zu ermorden. An jedem dritten Tag wird eine Frau von ihrem Partner oder Ex-Partner umgebracht.

Frauen erfahren während der Corona-Krise mehr häusliche Gewalt – vor allem dann, wenn die Familien in Quarantäne müssen oder akute finanzielle Sorgen haben, fanden Wissenschaftler der Technischen Universität München und des RWI Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung heraus. Rund drei Prozent der Frauen in Deutschland werden in der Zeit der strengen Kontaktbeschränkungen zu Hause Opfer körperlicher Gewalt. Weitere 3,6 Prozent werden von ihrem Partner vergewaltigt. In 6,5 Prozent aller Haushalte sind Kinder Gewalt ausgesetzt. Diese Studie der TU München und dem RWI Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung ist die erste große repräsentative Umfrage zu häuslicher Gewalt während der Corona-Pandemie. Nur ein sehr kleiner Teil der betroffenen Frauen nutzt Hilfsangebote.

Neben tatsächlich ausgeübter körperlicher und sexueller Gewalt fühlen sich außerdem 3,8 Prozent der Frauen von ihrem Partner bedroht. Viele Frauen dürfen ihr Haus nicht ohne seine Erlaubnis verlassen oder der Partner reguliert die Kontakte der Frauen mit anderen Personen, auch digitale Kontakte etwa über Messenger-Dienste.

„Werden die Fälle häuslicher Gewalt wie zu erwarten in nächster Zeit steigen, werden viele Frauen mit ihren Kindern wegen Überfüllung keinen Schutz in einem Frauenhaus finden können“, so die Aktivistinnen.

Das feministische Kollektiv Straubing fordert deswegen gezielte Maßnahmen zur Unterstützung für Frauen, welche von häuslicher Gewalt betroffen sind und für die Frauenhäuser. "Zusätzlich fordern wir die Staatsregierung und die Kommunen auf, bei Überfüllung der Frauenhäuser leerstehende Wohnungen und Hotelzimmer den Frauen kostenfrei zu Verfügung zu stellen und Frauenhäuser zu systemrelevanten Einrichtungen mit besonderem Bedarf an Zusatzpersonal und Schutzausrüstung und Testpriorität beim Coronavirus zu erklären", so die Aktivistinnen. "Wir brauchen zusätzlich Notbetreuungen für Kinder, die nicht nur Eltern in systemrelevanten Berufen zur Verfügung stünden und psychologische Beratungen und Therapien, die auch online angeboten werden." ergänzte das feministische Kollektiv Straubing, „Die Sorgen und Ängste gewaltbetroffener Frauen ernst zu nehmen und ihnen Mut zu geben diese Verhältnisse nicht hinzunehmen, sollte nach wie vor eine Hauptaufgabe unserer Gesellschaft sein. Wir fordern Schutz, Prävention und keine Verharmlosung!“.


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