23.10.2019, 16:36 Uhr

Abkühlung trifft die Industrie IHK informiert – Konjunktur in der Region trübt sich ein

(Foto: IHK)(Foto: IHK)

Das Konjunkturklima kühlt ab und das trifft vor allem die regionale Industrie, meldet die IHK Regensburg für Oberpfalz/Kelheim in ihrem Konjunkturbericht Herbst. „Der weltwirtschaftliche Abschwung schwächt die gesamte Industrie. Dienstleister, Handel und Tourismus halten die regionale Konjunktur noch in Gang“, kommentiert IHK-Präsident Michael Matt die Ergebnisse der Umfrage bei 320 Unternehmen aller Branchen und Größen.

REGENSBURG/STRAUBING Insgesamt überwiegen zwar die positiven Antworten der Umfrageteilnehmer um 20 Prozent gegenüber den negativen Beurteilungen zur Geschäftslage. Die Unternehmen befürchten jedoch eine sinkende Nachfrage bei den Endverbrauchern. „Um eine gesamtwirtschaftliche Abwärtsspirale zu vermeiden, muss die Politik nachsteuern, indem sie bessere Rahmenbedingungen für die Unternehmen und Anreize für Investitionen schafft“, so Matt. Denn solange internationale Handelskonflikte den Außenhandel erschweren, rücke der Binnenmarkt in den Fokus der Firmen. „Die Politik sollte auf allen Entscheidungsebenen den Firmen entgegenkommen“, so Matt. Vor dem Hintergrund der Kommunalwahl 2020 betont er, dass auch auf Städte- und Gemeindeebene viele Stellschrauben für aktive Wirtschaftspolitik gestellt werden können.

Die Unternehmen erhoffen sich hierzulande mehr staatliche Maßnahmen im Infrastrukturbereich sowie gesetzliche Vereinfachungen. Der aktuelle Entwurf der Bundesregierung zum sogenannten Bürokratieentlastungsgesetz III ist aus Sicht der regionalen Wirtschaft ein guter Ansatz, gehe jedoch nicht weit genug. Sinnvoll wäre es zum Beispiel, die Aufbewahrungsfristen für Papierunterlagen zu verkürzen, weil weniger Aktenablage Bürokratiekosten spare.

Exportzahlen sinken

Die amtliche Statistik weist bis August einen Rückgang des Exportumsatzes um 13 Prozent auf. Die IHK-Umfrage bestätigt diese Zahl. 47 Prozent der Industrieunternehmen in der Oberpfalz und dem Landkreis Kelheim erhielten in den letzten sechs Monaten weniger Auslandsaufträge. Negativ entwickle sich nicht nur das Geschäft mit China und Nordamerika. „Am deutlichsten spürbar ist der Auftragseinbruch mit Ländern in der Eurozone“, stellt IHK-Präsident Matt besorgt fest. Erstmals seit 2013 liegen hier die saldierten Angaben zur Auftragslage mit minus 39 Prozentpunkten wieder im negativen Bereich. Darin spiegelten sich das verlangsamte Wachstum und die niedrige Inflationsrate im Euroraum wider. Und es führe dazu, dass in Erwartung von weiter sinkenden Preisen und lockerer Geldpolitik durch die EZB Anschaffungen hinausgezögert werden. So kommt selbst im regionalen Bauwesen der Motor ins Stottern. Zwar bleibt die Nachfrage im Wohnungsbau hoch, wegen der sinkenden Auftragszahlen im Wirtschaftsbau aber fällt die übliche Herbstabkühlung auf den Baustellen stärker als in den Vorjahren aus.

Innovative Produkte steuern dagegen

Der Auftragsbestand aus dem Inland ging in der Investitionsgüterindustrie bei 38 Prozent der Befragten zurück. Hinzu kommt, dass geplante bauliche Investitionen durch langwierige Genehmigungsverfahren erschwert werden. Allerdings setzen insgesamt 32 Prozent der Firmen auf Produktinnovationen, zehn Prozentpunkte mehr als im Vorjahr. „Das ist ein weiteres Indiz für eine Verlangsamung der Konjunktur, denn in weniger auftragsstarken Zeiten steigen die Forschungs- und Entwicklungstätigkeiten der Unternehmen“, beobachtet IHK-Präsident Matt.

„Für 2020 zeichnet sich nach derzeitigen Erkenntnissen eine Flaute ab. Deshalb investieren wir in innovative Produkte und Technologien jenseits von Automotive, zum Beispiel bei der Medizintechnik“, bestätigt Bernd Eberhardt von der Rodinger Kunststofftechnik GmbH (RKT), einem Spezialisten für den Bau von hochpräzisen Spritzgussformen. Als eigenständige Tochter des international aufgestellten Alfmeier-Konzerns erwirtschaftet RKT noch rund 25 Prozent ihres Umsatzes im Automotive-Bereich. Die Unsicherheiten bei den Automobilherstellern und ihren Zulieferern bekommt auch RKT zu spüren.

Nach neun Jahren erstmals ins Minus

Erstmals seit der Euro-Schuldenkrise vor neun Jahren liegen die Geschäftserwartungen in der Industrie im Inlands- und Auslandsgeschäft im negativen Bereich. Aufgrund der Entwicklungen in Saudi-Arabien erwarten die Betriebe steigende Ölpreise. Ansonsten erschweren volatile Rohstoffpreise die Preisplanungen. Der Handel zeigt sich optimistisch, während sich die Stimmung in den übrigen Branchen aus saisonalen Gründen oder in Erwartung der nachgelagerten Effekte durch den Rückgang in der Industrie trübt. Nicht allen unternehmensnahen Dienstleistern geht es so gut wie der Selbstdenker AG in Regensburg: „Die IT-Projekte unserer Kunden sind in der Regel langfristig ausgelegt und wir müssen hier nicht konjunkturell auf Sicht fahren“, sagt Unternehmer Stephan Fürnrohr.

Weniger Zeitarbeit, Beschäftigung bleibt insgesamt stabil

Die Anpassungsprozesse am Markt spiegeln sich zum Großteil in den abnehmenden Zahlen in der Zeitarbeitsbranche wider. Von den 25 Prozent der Industrieunternehmen, die planen ihre Beschäftigtenzahl zu verringern, lösen Dreiviertel dies über natürliche Fluktuation, etwa indem Verträge durch Renteneintritt auslaufen und Stellen dann nicht nachbesetzt werden. Auf dem gesamten regionalen Arbeitsmarkt gleichen sich die positiven und negativen Beschäftigtenpläne derzeit aus.


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