17.01.2018, 13:46 Uhr

Betrunkene, Pöbler, Gaffer Gewalt gegen Einsatzkräfte nimmt zu, der Respekt schwindet


Marko Pammer vom BRK-Kreisverband Straubing-Bogen über die zunehmende Gewalt gegen Retter.

STRAUBING Das Thema „Gewalt gegen Retter“ rückt zunehmend in den Fokus der Öffentlichkeit. Der Grund dafür ist leider traurig, denn immer häufiger sehen sich Helfer Beleidigungen, Angriffen und Behinderungen ausgesetzt. Das betrifft neben Polizeibeamten auch Feuerwehrleute, Klinikpersonal oder Helfer der Rettungsdienste. Das Wochenblatt hat dazu mit Marko Pammer vom BRK-Kreisverband Straubing-Bogen gesprochen, wie sich die Situation für die Einsatzkräfte darstellt.

Herr Pammer, wie erleben Sie und ihre Kollegen Gewalt gegen Helfer.

Zunächst muss man sagen, dass wir hier nicht Verhältnisse wie in Großstädten wie Hamburg, Köln oder Berlin haben. Aber auch in unserer Region werden wir zunehmend mit dem Thema konfrontiert. Es kommt vor, dass Kollegen im Dienst angegangen werden. In einem Fall ging das sogar so weit, dass ein Kollege seinen Beruf an den Nagel hing. Gerade im Rettungsdienst geht die Gewalt oft von Patienten aus, die beispielsweise unter starkem Alkoholeinfluss stehen. Ein weit größeres Problem ist aber der schwindende Respekt gegenüber den Helfern.

Wie macht sich das bemerkbar?

Das beginnt bei fehlendem Verständnis für Absperrungen, über die mangelnde Bereitschaft, eine Rettungsgasse zu bilden, bis hin zur Lust am Gaffen. Da hilft es dann auch kaum etwas, einen Platzverweis auszusprechen, denn wenn jemand auf Krawall gebürstet ist, wird er diesem kaum nachkommen. Zudem hätten die Rettungskräfte am Einsatzort weitaus wichtigeres zu tun, als Schaulustige zurückzudrängen. Da ist es dann gut, Verstärkung durch die Polizei zu haben. Aber auch den Ordnungshütern wird leider immer weniger Respekt entgegengebracht.

Gewalt und schwindender Respekt ... Wie werden Einsatzkräfte auf solche Situationen vorbereitet?

Mittlerweile ist der Umgang mit solchen Konfliktsituationen Teil der Ausbildung. Eine große Hilfe ist auch, dass gerade junge Kollegen ihren Dienst zusammen mit erfahrenen Helfern leisten. Die können dann Wissen und Erfahrung weitergeben. Und auch für die oft dramatischen Erlebnisse im Rettungsdienst gibt es mit der Notfallseelsorge heute entsprechende Angebote.

Zusammenfassend kann man sagen: Wir haben das Thema im Blick und es steht auch bei uns im Fokus, auch wenn bei uns die Situation noch nicht so schlimm ist, wie in manchen Großstätten.

Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) brachte das Thema kürzlich mit folgenden Worten auf den Punkt: „Menschen, die anderen Menschen helfen wollen, daran zu hindern, sie anzupöbeln, sie zu bespucken oder gar zu schlagen, das alles zeugt von einer menschenverachtenden Respektlosigkeit.“


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