19.10.2020, 14:02 Uhr

Endabnahme Rekultivierung des früheren Wackersdorfer Braunkohle-Südreviers

Tobias Bauernfeind, Holger Wilmsmann, Christian Böckl, Jörg Engel, Markus Horn, Andreas Stake, Mike Sedlak, Paul Zant und Karl Hermle. Foto: Jan KiverTobias Bauernfeind, Holger Wilmsmann, Christian Böckl, Jörg Engel, Markus Horn, Andreas Stake, Mike Sedlak, Paul Zant und Karl Hermle. Foto: Jan Kiver

Die Rekultivierungsarbeiten von Uniper im rund fünf Hektar großen nördlichen Bauabschnitt 02 des Westfelds zwischen Wackersdorf und Steinberg unterhalb des Geotops sind beendet.

Wackersdorf. Nach der offiziellen Endabnahme erklärte Andreas Stake, Gesamtprojektleiter von Uniper für das Projekt Oberpfälzer Seenland zur Rekultivierung des ehemaligen südlichen Wackersdorfer Braunkohle-Tagebaus, zufrieden: „Wir freuen uns, dass wir in der Firma Kassecker einen Partner hatten, der das anspruchsvolle Rekultivierungsprojekt nicht nur in einer ausgezeichneten Qualität, sondern auch innerhalb des Budgetrahmens und rund drei Monate früher als geplant umgesetzt hat.“ Auch das ausgefeilte Arbeitssicherheitskonzept für alle vor Ort Tätigen, an dem die Firma Kassecker entscheidend mitgewirkt hat, habe sich voll und ganz bewährt, sodass es während der gesamten Bautätigkeit auf dem Gelände keinen einzigen Arbeitsunfall gegeben habe und auch keinen Ausfall durch die Sars-CoV-2-Pandemie“, so Stake weiter.

In rund 15 Netto-Arbeitsmonaten (ohne Winterpause zwischen November 2019 und März 2020) schufen die beteiligten Baufirmen in rund 50.000 Arbeitsstunden mit modernsten Arbeitsgeräten rund um die mit gut 30 Metern tiefste Stelle des Westfeldgeländes eine grüne Hügellandschaft samt wieder hergestelltem Irlacher See. Dabei wurden die ehemals intensiv industriell und bergmännisch genutzten Flächen abgedichtet und die Oberfläche durch einen in Schichten angelegten Aufbau des Rekultivierungsbodens neu gestaltet mit dem Ziel, der Region ökologisch wertvolle Landschaften zurückgeben zu können. Der wieder erstandene Irlacher See dient als Sickerwassersammler. Diese Wässer werden mit Hilfe der vier hochmodernen, neuen Saugpumpen in die Wasseraufbereitungsanlage gepumpt und von dort entsprechend den behördlichen Vorgaben gereinigt in den Knappensee weitergeleitet. In einem vom Umweltconsultingbüro Base Technologies initiierten Forschungsprojekt wird erprobt, diese energieintensive, chemische Wasseraufbereitung langfristig durch ein energiesparendes und CO2-vermeidendes, biologisch passives Reinigungsverfahren zu ersetzen.

Für den Aufbau der Abdichtung und Modellierung des Bauabschnitts 02 wurde zu Beginn mit 50.000 Kubikmeter Material eine Befahrungsschicht unterhalb der Dichtungsebene angelegt. Als Ausgleichsschicht für die Dichtungsmatten wurden 6.000 Kubikmeter Material verbaut. Darüber kamen auf 35.000 Quadratmeter sogenannte geosynthetische Ton-Dichtungsbahnen aus Bentonit. Dieser geotextile Verbundstoff hat sich als natürliche Abdichtung gegen Flüssigkeiten wegen seiner schnellen und sicheren Dichtwirkung durch die sehr gute Quellfähigkeit bewährt. Ein Zentimeter der Dichtungsbahn aus Bentonit (einem vulkanischen Tonmineral) ersetzt eine herkömmliche Tonabdichtung mit einer Stärke von rund einem halben Meter. Über die dichtende Matte wurden in bis zu 1,2 Meter Stärke verschiedene Bodenschichten, wie rund 4.000 Kubikmeter mineralische Sand-Schutzschicht, 8.000 Kubikmeter Wurzelhemmschicht und 40.000 Kubikmeter Bewuchsschicht (Oberpfälzer Mutterboden) aufgetragen.

Insgesamt mussten aus der Region rund 240.000 Tonnen Rekultivierungsböden per Lkw antransportiert werden. Die Transportwege konnten im Sinne von Klimaschutz und Ressourcenschonung kurzgehalten werden. Die Böden wurden vor dem Einbau entsprechend der behördlichen Auflagen systematisch geprüft und gegebenenfalls zusätzlich aufbereitet. Zur Abdichtung der neben den Befahrwegen verlaufenden Gräben wurden 7.000 Quadratmeter Kunststoffdichtungsbahnen verlegt und mit Wasserbausteinen gesichert. Die Böschungen des wieder erstandenen Irlacher Sees sind ebenfalls mit rund 12.000 Tonnen Wasserbausteinen gesichert worden.

Die Rekultivierungsflächen des Westfeld-Bauabschnitts 02 wurden inzwischen begrünt und entwickeln sich schneller als erwartet zu einem naturschutzfachlich wertvollen Magerrasen, durchsetzt mit Totholz- und Steininseln. „Unsere Leute konnten täglich beobachten, wie gut das Gebiet nach und nach von Flora und Fauna angenommen wird“, so Paul Zant, Gesamtprojektleiter der Firma Kassecker für den Rekultivierungsabschnitt rund um den Irlacher See. Rund zehn Millionen Euro investierte Uniper allein in diesen zweiten Rekultivierungsabschnitt. Neben diversen regionalen Zulieferfirmen waren durchschnittlich rund 20 Mitarbeiter von Kassecker, Uniper sowie den Gutachter-, Planungs- und Überwachungsbüros mit den Arbeiten vor Ort beschäftigt. Auch der eingesetzte Maschinenpark, zur Qualitätskontrolle großteils satellitengesteuert, war beeindruckend: mehrere Radlader in unterschiedlichen Gewichtsklassen für den Massenumschlag und zur Bodenaufbereitung, Kettenbagger mit diversen Anbauwerkzeugen, ein kalibrierter Walzenzug mit GPS-überwachter Verdichtungskontrolle, eine „Schneekanone“ und Traktoren mit Wassertanks zur Befeuchtung und Staubbindung sowie die bei Großbaustellen obligatorische Reifenwaschanlage für die Transportfahrzeuge.

Mit der Beendigung der technisch sehr anspruchsvollen Arbeiten im Bauabschnitt 02 folgt in den kommenden Wintermonaten intensive Büroarbeit. Die Planungen für den flächenmäßig mit rund 30 Hektar sechs Mal so großen Bauabschnitt 03 (Westfeld-Damm) im Südosten des Westfelds laufen auf Hochtouren. In etwa der Hälfte (16 Hektar) des weitgehend ebenen Geländes des Westfeld-Damms und dem dort liegenden Westfeld-Bunker wurden während der Betriebszeit des Kraftwerks Schwandorf-Dachelhofen (1930 bis 2002) der im Kraftwerk benötigte Brennstoff Braunkohle gelagert. Der derzeitige Untergrund des Damms und das Material im gut 10 Meter tiefen, 20 Meter breiten und 300 Meter langen Bunker besteht aus Abraum des Braunkohle-Tagebaus (zur Verfüllung der Tagebaugrube), Bauschutt- und Abbruchmaterial sowie Kraftwerksasche. Bis zuletzt diente das Areal auch als Lagerplatz für die Böden und Baumaterialien zu den seit 2009 laufenden Rekultivierungsmaßnahmen. Sobald die behördlichen Genehmigungen erteilt sind, sollen die Arbeiten auf dem letzten Rekultivierungsabschnitt 03 im Frühjahr kommenden Jahres beginnen. Für die Bauzeit sind rund zwei Jahre geplant. Das Investitionsbudget ist derzeit mit 12 Millionen Euro angesetzt.

Ab Januar 2021 wird auch das Waldumbauprogramm fortgesetzt, mit dem Uniper auf seinen Waldflächen den von der Bayerischen Staatsregierung angestrebten ökologischen Umbau der Wälder in einen klimarobusteren Mischwald vorantreibt. Alle Maßnahmen wurden und werden unter Hinzuziehung externer Fachleute und unabhängiger Gutachter von Uniper geplant und von den zuständigen Behörden intensiv geprüft, sodass schließlich die benötigten Genehmigungen erteilt werden können.


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