23.06.2020, 14:40 Uhr

Pandemie Ambergs Landrat Richard Reisinger zieht Corona-Bilanz – „Zahnrädchen haben ineinander gegriffen“

Sie leiteten den Maschinenraum während der Hochphase der Coronapandemie: Abteilungsleiterin Laura Hofmann, Rainer Schmid (Sachbearbeiter Katastrophenschutz), Landrat Richard Reisinger und Gesundheitsamt-Leiter Dr. Roland Brey. Foto: Christine HolledererSie leiteten den Maschinenraum während der Hochphase der Coronapandemie: Abteilungsleiterin Laura Hofmann, Rainer Schmid (Sachbearbeiter Katastrophenschutz), Landrat Richard Reisinger und Gesundheitsamt-Leiter Dr. Roland Brey. Foto: Christine Hollederer

Die vorläufige Hochphase der Corona-Pandemie ist vorüber. Deshalb hatte Ministerpräsident Dr. Markus Söder vergangene Woche das Ende des K-Falls für ganz Bayern ausgerufen. Damit endete auch die Arbeit der Führungsgruppe Katastrophenschutz (FüGK) am Landratsamt Amberg-Sulzbach. Anlass für Landrat Richard Reisinger Bilanz zu ziehen und Danke zu sagen.

Landkreis Amberg-Sulzbach. An diesem Tag begann „eine neue Zeitrechnung“ am Landratsamt Amberg-Sulzbach. Der erste Fall einer Infektion mit dem Coronavirus wurde im Landkreis bestätigt. Eine Frau hatte sich damals vermutlich beim Skifahren in Südtirol mit dem Virus angesteckt. Ab diesem Tag sollten drei Monate folgen, in denen das Leben für Landrat Richard Reisinger, seine Mitarbeiter und die ganze Bevölkerung nahezu komplett auf den Kopf gestellt wurde.

„Relativ schnell nach der ersten Infektion im Landkreis war klar, dass es zum Teil schmerzliche Einschnitte in unserem Alltag geben wird“, erinnert sich der Landkreischef an die Anfänge. Erste spürbare Auswirkungen waren die Absagen der Sportlerehrung, die für 13. März geplant gewesen wäre, und des Seniorennachmittags, der planmäßig am 20. März über die Bühne hätte gehen sollen. Als „konsequent und absolut richtig“ sieht Reisinger heute mit Abstand seine Entscheidungen. „Das wären Veranstaltungen mit mehreren hundert Menschen gewesen, zum Teil Risikogruppen, da hätten wir bei uns im Landkreis womöglich einen Hotspot hervorgerufen, wenn wir das durchgezogen hätten“, ist sich Reisinger sicher.

Auch so war der Katastrophenfall eine „echte Bewährungsprobe, die unsere FüGK mit Abteilungsleiterin Laura Hofmann an der Spitze ausgezeichnet gemeistert hat“, schickt der Landkreischef sein Lob an die Leiterin, aber auch an die vielen Mitarbeiter, die im Hintergrund äußerst engagiert agiert haben.

Allen voran das Gesundheitsamt, bei dem die Telefone an sieben Tagen in der Woche nicht mehr still standen. „Das war alles andere als Routinebetrieb“, weiß Reisinger das Wirken von Gesundheitsamtsleiter Dr. Roland Brey und dessen Team zu schätzen. Um die Arbeit bewältigen zu können, wurde zusätzliches Personal vom Landratsamt abgestellt, später richtete das Bayerische Gesundheitsministerium Contact Tracing Teams zur Rückverfolgung von Infektionsketten ein.

Auch externe Fachberater von Technischem Hilfswerk (THW), Bayerischem Roten Kreuz (BRK), Arbeiter-Samariter-Bund (ASB), Bundeswehr, Polizei und Feuerwehr oder der Ärztliche Leiter der FüGK Dr. Marc Bigalke und Versorgungsarzt Dr. Michael Scherer hätten viele Stunden am Landratsamt verbracht und einen großen Anteil an der guten Bewältigung dieser Herausforderung gehabt, so Reisinger.

Auch ein Bürgertelefon wurde zeitnah installiert, um Anliegen und Fragen der Bürgerinnen und Bürger zu beantworten. Bis Pfingsten war das Bürgertelefon in Betrieb, mehr als 1.600 Anrufe gingen in diesem Zeitraum ein. Vor allem im Umfeld von Pressekonferenzen der Bayerischen Staatsregierung hatte die Bevölkerung den Drang das Bürgertelefon, das zum Teil mit 3 Mitarbeitern des Landratsamtes besetzt war, zu kontaktieren. „Da haben die Menschen schon während der Pressekonferenz bei uns angerufen und wollten mehr wissen, obwohl wir selbst keinen Wissensvorsprung gegenüber der Bevölkerung hatten“, erinnert sich Reisinger.

„Ich bin stolz auf mein Team und die externen Helfer. Das waren viele kleine Zahnrädchen, die ineinandergegriffen und die große Maschine zum Laufen gebracht haben“, so der Landrat im Gespräch. Zahlen belegen dies: Insgesamt waren rund 80 Menschen in der FüGK und am Gesundheitsamt während des Katastrophenfalls beschäftigt, zum Teil rund um die Uhr. Einsatzzeit: weit mehr als 10.000 Stunden. „Meine Mitarbeiter und unsere externen Fachberater haben sich in den vergangenen drei Monaten für unsere Landkreisbevölkerung mächtig ins Zeug gelegt und sind zum Teil bis an die Grenzen ihrer Leistungsfähigkeit gegangen“, lobte Reisinger das herausragende Engagement seiner Mitarbeiter. Hier schließt Reisinger ausdrücklich auch die Mitarbeiter des Kommunalunternehmens Krankenhäuser des Landkreises Amberg-Sulzbach ein. Wir haben in der Vergangenheit immer die Bedeutung unserer Krankenhäuser hervorgehoben. Wie wichtig kleinere Krankenhäuser im ländlichen Raum sind, hat sich nun in der Krise gezeigt. „Unser St. Anna Krankenhaus in Sulzbach-Rosenberg und die St. Johannes Klinik in Auerbach waren wichtige Mosaiksteine im großen Ganzen“, so Reisinger.

Aber auch die Bevölkerung habe ihren Teil zum Gelingen beigetragen. Im Hintergrund wurden Masken genäht, bildeten sich private Nachbarschaftshilfen oder ähnliches. Da habe sich gezeigt, dass das soziale Miteinander im Landkreis Amberg-Sulzbach funktioniert, so der Landkreischef. „Eine humanitäre Gesellschaft lebt vom sozialen Miteinander und beweist ihre innere Qualität in der Fürsorge für die Ärmsten und Schwächsten.“

Seit Pfingstsonntag, 31. Mai gab es im Landkreis Amberg-Sulzbach nun keine Neuinfektionen mehr. Stand heute (23. Juni) haben sich seit Anfang März 496 Menschen mit dem Coronavirus infiziert, 53 Menschen starben am oder mit dem Coronavirus.

Damit sich die Situation trotz der zahlreichen Lockerungen nicht wieder verschlechtert, ruft Landrat Richard Reisinger die Bevölkerung weiter zur Vernunft auf. „Wir haben es selbst in der Hand“, so der Landkreischef. Auch nach weiteren Lockerungen von Seiten der Bayerischen Staatsregierung heiße es in den kommenden Wochen und Monaten Abstand halten, Mund-Nasen-Masken tragen und auf die Hygiene zu achten, um die Zahl der Infektionen möglichst gering zu halten.

Ministerpräsident Dr. Markus Söder rechnet dennoch nach neuesten Medienberichten mit einer zweiten Welle der Coronapandemie. In diesem Fall würde die Führungsgruppe Katastrophenschutz am Landratsamt Amberg-Sulzbach wieder ihre Arbeit aufnehmen, jede Mitarbeiterin und jeder Mitarbeiter das Beste geben, sodass auch dann die vielen kleinen Zahnrädchen ineinandergreifen und den Landkreis am Laufen halten würden.

Große Herausforderung

Im Seniorenheim Hirschau erkrankten 111 Bewohner und Mitarbeiter, 21 Bewohner starben am oder mit dem Coronavirus. „Leider haben sich dort die große Ansteckungsfähigkeit des Virus und das hohe Risiko für ältere Menschen mit Vorerkrankungen bestätigt“, erklärt Gesundheitsamtsleiter Dr. Roland Brey. Um die Situation vor Ort in den Griff zu bekommen, wurde das Heim in zwei Stationen untergliedert, aufgeteilt in infizierte und nicht-infizierte Bewohner sowie Mitarbeiter.

Große Spende

Die Firma Conrad Electronic spendete 10.000 Schutzmasken für Senioren- und Pflegeheime im Landkreis. CEO Werner Conrad übergab vor Ostern 10.000 FFP2- und Mund-Nasen-Schutz-Masken an den Landkreischef. Die Masken waren für das Personal in Heimen bestimmt. „Als fest in der Region verwurzeltes Familienunternehmen ist es uns ein besonderes Anliegen, hier vor Ort unseren Beitrag zu leisten, die Krise gemeinsam zu bewältigen. Gerade die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Senioren- und Pflegeheimen wachsen in dieser Zeit über sich hinaus und können jede Unterstützung gebrauchen. Ich bin glücklich, dass wir mit dieser Spende zum Schutz von pflegebedürftigen Menschen und der sie betreuenden Personen beitragen können “, betonte Werner Conrad im April beim Übergabetermin im Landratsamt.

Große Nachfrage

Die Regierung der Oberpfalz hat das Soforthilfeprogramm des Bayerischen Wirtschaftsministeriums für Unternehmen abgewickelt. Mehr als 22.000 Anträge wurden bis Ende Mai entschieden. Auch bei der Wirtschaftsförderung des Landkreises Amberg-Sulzbach war die Nachfrage nach Unterstützung enorm.


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