18.12.2020, 10:33 Uhr

Forschungs-, Lehr- und Begegnungsort Zentrum für Erinnerungskultur an der Universität Regensburg gegründet

Bildcollage zum Zentrum für Erinnerungskultur – links das Außengelände der KZ-Gedenkstätte Flossenbürg (Bild: KZ-Gedenkstätte Flossenbürg/Thomas Dashuber); in der Mitte Studierende an der Universität Regensburg (Foto: Daniel Braun); rechts das Sammelgebäude der Universität Regensburg (Foto: Universität Regensburg, Antonia Pröls).Bildcollage zum Zentrum für Erinnerungskultur – links das Außengelände der KZ-Gedenkstätte Flossenbürg (Bild: KZ-Gedenkstätte Flossenbürg/Thomas Dashuber); in der Mitte Studierende an der Universität Regensburg (Foto: Daniel Braun); rechts das Sammelgebäude der Universität Regensburg (Foto: Universität Regensburg, Antonia Pröls).

Die Universität Regensburg hat ein neuartiges Zentrum für Erinnerungskultur gegründet. Das Zentrum, das seine Arbeit Anfang 2021 aufnehmen wird, basiert auf der Intensivierung der langjährigen erfolgreichen Zusammenarbeit der Universität Regensburg mit der KZ-Gedenkstätte Flossenbürg, die 2018 durch die Unterzeichnung einer Kooperationsvereinbarung institutionalisiert wurde.

Regensburg. Im Januar 2020 hatte der Bayerische Ministerrat das Zentrum für Erinnerungskultur in sein Gesamtkonzept zur Erinnerungsarbeit an die Opfer des Nationalsozialismus sowie zum Kampf gegen Rassismus und Antisemitismus aufgenommen.

Ziel des Zentrums für Erinnerungskultur (ZE) ist es, Arbeitsfelder der Erinnerungsarbeit aus interdisziplinärer Perspektive weiter zu erforschen, Vermittlungsaufgaben im Bereich des Wissenstransfers zu übernehmen und die Überparteilichkeit der Erinnerungsarbeit zu festigen. Als diskursiver und offener Denk- und Gestaltungsraum wird das Zentrum von zwei Säulen getragen: Von der Universität Regensburg als wissenschaftlichem und vom konkreten historischen Ort Flossenbürg mit seinem Steinbruch und der zum Teil erhalten gebliebenen Architektur des NS-Konzentrationslagers. Thematisch liegt ein Schwerpunkt des Zentrums in der Auseinandersetzung mit der NS-Zeit; darüber hinaus wird das ZE jedoch auch weiter zurückliegende Entwicklungen und geschichtspolitische Strukturen in den Blick nehmen und nach epochenübergreifenden, intertemporalen Perspektiven suchen. Zentrale Aufgabe des Zentrums, das sich als Schnittstelle zwischen Theorie und Praxis begreift, ist der Wissenstransfer: Neben der Öffentlichkeitsarbeit und der Zusammenarbeit mit Gedenk- und Welterbestätten, Dokumentationszentren und Museen strebt das Zentrum für Erinnerungskultur auch eine Einbindung der Lehramtsausbildung an.

„Innerhalb kürzester Zeit ist es uns gelungen, die Vision eines Zentrums für Erinnerungskultur Wirklichkeit werden zu lassen“, stellt Prof. Dr. Udo Hebel, Präsident der Universität Regensburg, erfreut fest und erklärt weiter: „Seine Ausgestaltung als kooperative und multidisziplinäre Einrichtung ist exemplarisch für unsere offene, an inner- wie außeruniversitärem Austausch orientierte wissenschaftliche Gemeinschaft. Gerade in diesen Zeiten stehen wir als Universität in der Verantwortung, deutlich unsere Stimme gegen Rechtspopulismus, Rassismus, Diskriminierung und besonders auch gegen Geschichtsvergessenheit und Erinnerungsleugnung zu erheben“, so Präsident Hebel weiter.

Institutionell kann das Zentrum für Erinnerungskultur an der Universität an den interdisziplinären Master-Studiengang „Public History und Kulturvermittlung“ anknüpfen, der seit 2018 geschichts- und kulturwissenschaftliche Perspektiven mit Akzenten der Informationswissenschaft und der Digital Humanities verbindet. Die analytischen Zugänge sind inter- und multidisziplinär und damit offen für Fragestellungen unterschiedlicher Disziplinen wie etwa Rechtswissenschaft, Medizingeschichte und -ethik oder Psychologie. Die gesamtuniversitäre Bedeutung des Zentrums für Erinnerungskultur spiegelt sich in dessen hochschulrechtlicher Gestaltung als zentrale, fakultätsübergreifende Einrichtung der Universität. In das Direktorium des Zentrums für Erinnerungskultur hat die Universitätsleitung Prof. Dr. Bernhard Löffler, Inhaber des Lehrstuhls für Bayerische Landesgeschichte, und Prof. Dr. Jörg Skriebeleit, Leiter der KZ-Gedenkstätte Flossenbürg und Honorarprofessor an der Universität Regensburg, bestellt. In der Startphase kann das Zentrum für Erinnerungskultur bereits auf konkreten, teilweise drittmittelfinanzierten Projekten aufbauen. Kooperationsvorhaben mit namhaften Stiftungen sind in Vorbereitung.

Die feierliche Eröffnung des Zentrums für Erinnerungskultur ist für das Frühjahr 2021 – im zeitlichen Kontext zum 23. April, dem Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Flossenbürg – geplant.


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