17.12.2020, 10:13 Uhr

Bildung 500.000 Euro – ein schönes Weihnachtsgeschenk für den deutsch-tschechischen Jugendaustausch

Das Koordinierungszentrum Tandem fördert den Jugendaustausch zwischen jungen Menschen aus Deutschland und Tschechien. Foto: Vaclav SvabDas Koordinierungszentrum Tandem fördert den Jugendaustausch zwischen jungen Menschen aus Deutschland und Tschechien. Foto: Vaclav Svab

Mit einer Erhöhung der Bundesmittel um eine halbe Millionen Euro für das Jahr 2021 hat sich der Deutsche Bundestag deutlich für die deutsch-tschechische Jugendarbeit bekannt.

Regensburg. Das Koordinierungszentrum Deutsch-Tschechischer Jugendaustausch „Tandem“ hatte ostbayerische Abgeordnete aus den Koalitionsfraktionen gebeten, sich für die Aufstockung der Fördermittel einzusetzen. Mit den Geldern sollen die Förderlücke im außerschulischen Arbeitsfeld geschlossen sowie die jugendpolitische Zusammenarbeit beider Länder im Lichte des aktuellen Schwerpunktthemas „Jugend gestaltet Zukunft“ ausgebaut werden.

Ein deutsch-tschechisches Mediencamp für Jugendliche, Werkstattgespräche für Fachkräfte der außerschulischen Jugendarbeit und endlich ausreichend Mittel zur Förderung Dritter in der internationalen Jugendbegegnung – die Erhöhung des Finanzrahmens um 500.000 Euro für das Jahr 2021 ermöglicht dem Koordinierungszentrum Deutsch-Tschechischer Jugendaustausch „Tandem“ die Umsetzung von neuen Angeboten der demokratischen und gesellschaftspolitischen Bildung im Kindes- und Jugendalter. Die auf deutscher Seite vom Bund und den Ländern Bayern und Sachsen getragene Einrichtung fördert und organisiert seit ihrer Gründung im Jahr 1997 eine Vielzahl von Kooperations- und Austauschprogrammen für junge Menschen in Deutschland und Tschechien.

Thomas Rudner, Leiter des Koordinierungszentrums mit Sitz in Regensburg, bekräftigte, wie dringend notwendig die nun erfolgte Finanzspritze des Bundes für die deutsch-tschechische Jugendarbeit gewesen sei: „Die aktuelle Corona-Situation hat dem internationalen Jugendaustausch immensen Schaden zugefügt. Wir werden große Anstrengungen unternehmen müssen, neu entstandene Vorbehalte zwischen den Ländern abzubauen.“ Er erklärte weiter: „Auch ohne Corona hatten wir einen Mehrbedarf von einer halben Millionen Euro jährlich, da schon seit Jahren die Summe der beantragten Fördergelder unseren Fördertopf regelmäßig überstieg. Mein Dank gilt daher unseren Unterstützern, die sich maßgeblich für unsere Arbeit im Deutschen Bundestag eingesetzt haben. Wir finden es großartig, dass sich Marianne Schieder und Peter Aumer, Abgeordnete aus den beiden Regierungsfraktionen, für die deutsch-tschechische Jugendarbeit eingebracht haben. Ich sehe das als deutliche Wertschätzung der Träger der jugendpolitischen Zusammenarbeit beider Länder.“

Marianne Schieder, Parlamentarische Geschäftsführerin der SPD-Bundestagsfraktion, hatte sich im Sommer ein Bild von der Arbeit des Regensburger „Tandem“-Büros gemacht. Besonders beeindruckt zeigte sie sich über die länderübergreifende Aufarbeitung des Nationalsozialismus, die „Tandem“ im Rahmen seiner Arbeit unterstützt und befördert. Auch CSU-Bundestagsmitglied Peter Aumer hatte „Tandem“ in den vergangenen Monaten einen Besuch abgestattet. Eine Aufstockung der Fördermittel ist für ihn auch aufgrund der hohen wirtschaftlichen und sozialen Bedeutung des Jugendaustausches für die Grenzregion Ostbayern wichtig.

Die zur Verfügung gestellten Mittel möchte „Tandem“ neben der Förderung von Projekten Dritter für den Ausbau des Schwerpunkts „Jugend gestaltet Zukunft“ nutzen. Dazu plant das Koordinierungszentrum im Jahr 2021 ein dreitägiges deutsch-tschechisches Mediencamp, wo Jugendliche aus beiden Ländern grundlegendes journalistisches Handwerkszeug lernen können, sich hinsichtlich der Berichterstattung über das jeweilige Nachbarland austauschen und sich zu Themen wie „Fake News“ und „Kritisches Denken“ informieren können. Journalistinnen und Journalisten, Pressefotografinnen und -fotografen und Influencerinnen und Influencer sollen außerdem Einblicke in ihre Arbeit geben. Schließlich werden die Jugendlichen noch die Möglichkeit haben, als Jugendreporterinnen und -reporter in deutsch-tschechischen Teams zu selbst gesetzten Themen Reportagen zu verfassen, die anschließend in beiden Ländern veröffentlicht werden sollen.

Zur praxisnahen Weiterentwicklung der Angebote politischer Bildung im deutsch-tschechischen Austausch sollen 2021 zudem deutsch-tschechische Werkstattgespräche für Fachkräfte stattfinden. Hier sollen Trendthemen wie beispielsweise Umweltschutz, Bewältigung der Pandemie, Digitalisierung oder Menschenfeindlichkeit aufgegriffen werden. Ziel der Werkstattgespräche sind die Ermöglichung des fachlichen Austauschs, die Erarbeitung neuer Inhalte und Methoden sowie das Knüpfen neuer Partnerschaften für zukünftige Begegnungen.

Damit folgt „Tandem“ Empfehlungen aus dem kürzlich herausgegebenen 16. Kinder- und Jugendbericht der Bundesregierung. Hier werden Megatrends und Herausforderungen der Demokratie benannt, die für die junge Generation von besonderer Relevanz sind. Beim 10. Deutsch-Tschechischen Jugendtreffen in Berlin im November 2019 erarbeiteten junge Menschen ihrerseits Vorschläge für Beteiligungsmöglichkeiten und grenzübergreifende Projekte für Europa und gegen Rechts. Tandem wird diesen Vorschlägen aus den eigenen Reihen der Jugendlichen besonderes Augenmerk verleihen.


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