26.10.2020, 23:57 Uhr

Netzausbau IHK-Ausschuss appelliert für sichere und wettbewerbsfähige Energieversorgung

Diskutierten gemeinsam mit den Mitgliedern des IHK-Ausschusses Industrie, Umwelt, Energie und Technologie über die Zukunft der Energieversorgung und internationale Lieferketten: Ausschussvorsitzender Stephan K. Fischer, IHK-Abteilungsleiterin International Dominique Mommers und IHK-Abteilungsleiter Standortpolitik Thomas Genosko.  Foto: Robert BaumhofDiskutierten gemeinsam mit den Mitgliedern des IHK-Ausschusses Industrie, Umwelt, Energie und Technologie über die Zukunft der Energieversorgung und internationale Lieferketten: Ausschussvorsitzender Stephan K. Fischer, IHK-Abteilungsleiterin International Dominique Mommers und IHK-Abteilungsleiter Standortpolitik Thomas Genosko. Foto: Robert Baumhof

Auch wenn die Auswirkungen der Corona-Pandemie das aktuelle Tagesgeschehen prägen, stand auf der Herbstsitzung des Ausschusses Industrie, Umwelt, Energie und Technologie der IHK Regensburg für Oberpfalz/Kelheim ein wichtiges Standortthema im Vordergrund: die künftige Energieversorgung.

Regensburg. Der IHK-Bezirk ist die Region mit der höchsten Industriedichte in ganz Bayern. „Ein zukunftsorientiertes, leistungsfähiges Energiesystem bedeutet gerade für die Industrieunternehmen, dass die Energieversorgung und die Spannungsqualität gesichert sind“, betonte IHK-Ausschussvorsitzender Stephan K. Fischer. Schon eine Sekunde Stromunterbrechung könne eine ganze Produktion lahmlegen und hohen finanziellen Schaden anrichten. Ebenso seien für die stark im internationalen Wettbewerb stehenden produzierenden Betriebe konkurrenzfähige Energiepreise ein entscheidender Standortfaktor.

Energieversorgung sichern

Prof. Dr. Oliver Brückl, Stromnetzexperte der OTH Regensburg, nahm die Versorgungssicherheit und Spannungsqualität heute und morgen unter die Lupe. Er zeigte, dass es im vergangenen Jahr aufgrund enorm hoher Leistungsdefizite in Deutschland zu kritischen Situationen bei der Stromversorgung kam. Damals konnte ein Blackout noch abgewendet werden. Mit dem Ausscheiden von Großkraftwerken im Zuge der Energiewende komme es nun auch zu zunehmenden Problemen bei der Spannungshaltung. Darüber hinaus steuert Bayern in den kommenden Jahren auf eine Energieversorgungslücke zu. „Der Netzausbau ist daher zwingend erforderlich. Denn Deutschland und Bayern werden Strom – ebenso wie andere Regionen – untereinander austauschen müssen“, so Brückl. Zudem sei ein gemeinsamer europäischer Energiemarkt der effizienteste Weg, um die Energiewende kostengünstig umsetzen und dabei die Versorgungssicherheit und Spannungsqualität zu gewährleisten.

Europäischen Strombinnenmarkt vollenden

Evamaria Lutz und Marcel Karp vom „Bürgerdialog Stromnetz“ gaben einen Überblick über die Netzausbauvorhaben im IHK-Bezirk: den Süd-Ost-Link, den Ostbayernring und die Juraleitung. Wichtig sei, die Öffentlichkeit und Träger öffentlicher Belange bei den Planungsverfahren frühzeitig zu beteiligen, um die Akzeptanz der Projekte zu erhöhen. Auch für sie steht fest, dass der Netzausbau im Zuge des Umstiegs auf Erneuerbare Energien notwendig sei. Zudem gebe es europarechtliche Verpflichtungen, die eingehalten werden müssen.

Prof. Dr. Hans-Peter Rabl von der OTH Regensburg präsentierte im Anschluss verschiedene alternative Antriebstechnologien und Kraftstoffe für die Mobilität der Zukunft. Darunter fallen beispielsweise Elektro-Autos, Brennstoffzellen-Autos, aber auch Autos mit Verbrennungsmotoren und E-Kraftstoffen. Damit diese neuen, klimafreundlicheren Technologien in der Breite erfolgreich eingesetzt werden können, bedarf es ebenfalls eines Ausbaus der entsprechenden Infrastrukturen. Dazu zählt auch das Stromnetz.

Zweiten Lockdown verhindern

Einen weiteren Schwerpunkt der Sitzung bildeten internationale Lieferketten. Dominique Mommers, Abteilungsleiterin International bei der IHK, erläuterte, wie die Geschäfte der Unternehmen in der Oberpfalz und im Landkreis Kelheim davon abhingen. In einer Umfrage gaben rund ein Drittel der teilnehmenden Unternehmen im IHK-Bezirk an, durch die Corona-Krise Herausforderungen beim Thema zu haben. „Corona hat teilweise ein Nachjustieren der Lieferketten erfordert“, so Mommers. Viele Unternehmen würden nun Maßnahmen planen und umsetzen, um die Widerstandsfähigkeit ihrer Lieferketten zu stärken. Insgesamt betrachtet stünde aber der durch die Pandemie verursachte Nachfragerückgang in vielen Branchen stärker im Fokus als Schwierigkeiten bei Lieferungen. Einig waren sich die Ausschussmitglieder, dass sich viele Unternehmen einen erneuten Lockdown nicht leisten können.


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