13.10.2020, 14:55 Uhr

Biotage auf Hof und Feld Regionaltage des Landkreises machen „Landwirtschaft erlebbar“

Artgerechte Schweinehaltung auf dem Naturlandhof Froschhammer.  Foto: Beate GeierArtgerechte Schweinehaltung auf dem Naturlandhof Froschhammer. Foto: Beate Geier

Am ersten Oktober-Wochenende fanden im Rahmen der Regionaltage des Landkreises Regensburg die Biotage auf Hof und Feld statt. Im Landkreis Regensburg öffneten zahlreiche Höfe ihre Türen.

Landkreis Regensburg. Auch drei solidarische Landwirtschaften, kurz SoLaWis, boten Führungen an. Zahlreiche Bürger des Landkreises überzeugten sich von der Transparenz und Qualität der regionalen Wertschöpfung. „Wir freuen uns sehr, dass die Regionaltage trotz der aktuellen Herausforderungen gut angenommen wurden. Es zeigt, dass wir mit unseren Bestrebungen der Ökomodellregion auf dem richtigen Weg sind. Damit leisten wir einen aktiven Beitrag, um die Wertschätzung der Landwirtschaft in der Bevölkerung weiter zu steigern“, so Landrätin Tanja Schweiger.

Solidarische Landwirtschaft – was heißt das: Es bedeutet eine Verbindung von Landwirt und Verbraucher. Bei der SoLaWi FERNI, Nähe Regenstauf, wurde das Prinzip der solidarischen Landwirtschaft von Sophie Ley und Michael Birkenseer erklärt: „Der Vorteil für die Betreiber ist ein fester Abnehmerkreis, der die Kosten und Risiken mit ihnen teilt.“ Auf die Teilnehmerinnen und Teilnehmer wartet eine reiche Ernte an ökologisch erzeugten Produkten, welche wöchentlich an die vereinbarten Depots verteilt werden. Hierfür zahlt jeder Teilnehmer monatlich einen fixen Betrag. Mithilfe am Feld ist jederzeit möglich und gerne gesehen. Bei der SoLaWi werden primär Gemüse, Kartoffeln und Blumen angebaut. Eine „Eieroption“ von den freilaufenden Hühnern kann zugebucht werden. „Bei dieser Form der Kooperation gewinnen alle: Die Erzeuger haben Planungssicherheit, die Verbraucher bekommen wertvolle regionale Lebensmittel und die Natur profitiert von der ökologischen Bewirtschaftung“, argumentiert Monika Ernst von der Regionalentwicklung des Landratsamts Regensburg.

Soziale Komponente einer solidarischen Landwirtschaft

Eine weitere SoLaWi konnte in Kareth/Lappersdorf besichtigt werden. Hier gibt es bereits etwa 50 Mitglieder und die SoLaWi wird als Verein geführt. Ein großer Vorteil ist die Stadtnähe zu Regensburg, denn wer keinen Garten hat, kann sich hier mit regionalem Gemüse versorgen und zugleich selbst als Gärtner ausprobieren. Gegründet wurde die SoLaWi hauptsächlich von Studenten und Mitgliedern der Transition-Bewegung. Das Besondere dieses Vereins ist die Heterogenität der Mitglieder. Generationsübergreifend wird hier die Erfahrung im Anbau weitergegeben. Somit nimmt die soziale Komponente einen wichtigen Stellenwert ein. „Mit einer kleinen Solaranlage für einen Wagen und der Beleuchtung der Scheune sowie mit der Anlage eines eigenen Wasserrückhaltebeckens wird Nachhaltigkeit in allen Belangen berücksichtigt“, so Dr. Andre Suck, Klimaschutzmanager des Landkreises Regensburg.

Einblick in die Freilandschweinehaltung

Bei der Führung auf dem Naturlandhof Froschhammer in Thalmassing, welcher bereits 2009 auf Bio umgestellt hat, konnten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer einen lebhaften Einblick in die Freilandschweinehaltung gewinnen. Die 30 Schweine der Rasse „Bunte Bentheimer“ dürfen sich auf rund zwei Hektar austoben. Der Betrieb mit einer Größe von 27 Hektar wird im Nebenerwerb geführt. Neben den Schweinen gibt es im Obstgarten auch eine kleine Herde Kamerun-Schafe. Passend zum Obstgarten wird in der kleinen hofeigenen Brennerei die Ernte daraus veredelt. Am Ende der Führung konnten sich die Interessierten im Hofladen mit den selbst erzeugten Produkten wie Wurst- und Fleischspezialitäten, sowie Gemüse eindecken.

Glückliche Hühner im innovativen Mobilstall mit viel Freilauf

Großen Anklang fand auch der Biohof Riepl im Hemauer Ortsteil Langenkreith. Juniorchef Simon Riepl und dessen Mutter Petra führten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer zu den mobilen Hühnerställen, der Packstation sowie der Hähnchenmast. Auch die Erklärung der Maschine zur Getreideverarbeitung stieß auf großes Interesse. Das Spezielle bei diesem Betrieb ist die Verwendung der Zweinutzungsrasse „Sandy“. Bei dieser Rasse ist zwar die Eierlegeleistung geringer, dafür können die männlichen Küken in der Mast eingesetzt werden. Hier übt der Betrieb eine Vorbildfunktion aus, da das Töten der männlichen Küken unter dem Tierschutzaspekt stark kritisiert wird und frühestens Ende 2021 abgeschafft werden soll.

Hochwertiges Rindfleisch durch Freilandhaltung

Ein Pionier und Vorzeigehof ist auch der Rothviehhof am Jurasteig der Familie Johann und Beate Graml bei Kallmünz. Bereits 2002 mit drei Tieren angefangen, sind die mittlerweile über 50 Tiere auf neun Herden verteilt. Durch die naturnahe und artgerechte Weidehaltung bekommt der Verbraucher am Ende eine hervorragende Fleischqualität angeboten. Mit der Haltung des roten Höhenviehs trägt die Familie auch zur biologischen Vielfalt bei, da die Rasse vom Aussterben bedroht war und sich nun langsam erholt. Neben den Rindern hält Familie Graml auch Thüringer Waldziegen und Coburger Fuchsschafe, welche einen aktiven Beitrag in der Landschaftspflege leisten. „Der enorme Besucherandrang zeigt, dass das Thema extensive Landwirtschaft und deren Produktionsmethoden auf großes Interesse stoßen. Der vertraute Umgang des Landwirts mit den Tieren war für mich besonders beeindruckend“, so Maria Politzka, Sachgebiet Regionalentwicklung des Landkreises Regensburg.

SoLaWi Tegernheim verfolgt viele Ziele

Die SoLaWi Tegernheim ist als genossenschaftlicher Verein organisiert. Roland Greiner, Gründer und Sprecher der Verbrauchergemeinschaft, erläuterte die verschiedenen Ziele: Neben Naturschutz und Selbstversorgung ist auch der Abbau von Abhängigkeiten ein wesentlicher Faktor. Auch der soziale Aspekt spielt eine wichtige Rolle. So wird bereits im ersten Jahr der Gründung des Vereins versucht, den angestellten Gärtnern angemesse Stundenlöhne zu zahlen. Die Wertschätzung spiegelt sich sowohl im Umgang mit den natürlichen Ressourcen wie Boden und Wasser als auch bei den Beschäftigten wider. Der Erfolg spricht für die Initiative: Auf rund einem Hektar wird bereits so viel Gemüse angebaut, dass 80 Anteilsnehmer damit versorgt werden können.


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