25.08.2020, 10:03 Uhr

Ortstermin im Wald Bayernweite Offensive für einen geschwächten Patienten – dienstliches „Waldbaden“

Zahlreiche Erkenntnisse beim dienstlichen „Waldbaden“: WBV-Geschäfsführer Michael Frank erläutert Landtagsabgeordnetem Tobias Gotthardt die Vielfalt des natürlichen Nachwuchses. Foto: Peter ScholzZahlreiche Erkenntnisse beim dienstlichen „Waldbaden“: WBV-Geschäfsführer Michael Frank erläutert Landtagsabgeordnetem Tobias Gotthardt die Vielfalt des natürlichen Nachwuchses. Foto: Peter Scholz

„Einatmen, gehen, innehalten, hören, riechen, fühlen …“ – was viele als neuen Erholungstrend unter dem Begriff des „Waldbadens“ tun, haben der Kallmünzer Landtagsabgeordnete Tobias Gotthardt und Michael Frank, Geschäftsführer der Waldbesitzervereinigung Pielenhofen unter ganz anderen, dienstlichen Vorzeichen getan: Gemeinsam waren die beiden unterwegs in den Wäldern des Naabtals, um sich vor Ort ein Bild vom Zustand des Waldes zu machen und Lösungswege zu diskutieren.

Kallmünz. „Neben den klimatischen Extremen, zunehmendem Schädlingsbefall und den Herausforderungen des Waldumbaus wird der zusammengebrochene Holzmarkt zunehmend eine Belastung für unseren Wald“, so Frank. Auch Gotthardt ist klar: „Wir brauchen eine breit angelegte ‚Holzoffensive Bayern‘, die allen Betroffenen dient – vom Baum bis zum Bauern.“ Zunächst aber taucht Gotthardt, fachlich geführt von Geschäftsführer Frank, ein in die Vielfalt der heimischen Wälder.

Auf einer käferbedingten Kahlfläche erkunden beide den natürlichen Nachwuchs: „Es mangelt in unseren Wäldern nicht an der Vielfalt der Naturverjüngung“, sagt Frank – und zeigt auf wenigen Quadratmetern eine Bandbreite an Baumarten, von Tannen über Birken bis hin zu Buchen und Eichen. Ein Problem sei der Verbiss durch Rehwild: „Wichtige Mischbaumarten kommen einfach nicht hoch – am Ende schafft es vielleicht die Fichte. Und schon bin ich wieder bei der Monokultur. Die Naturverjüngung hat gegenüber der Pflanzung viele Vorteile: zum Beispiel bessere Wurzelentwicklung, genetische Vielfalt, Baumartenvielfalt, und das kostenlos. Aber um das enorme Verjüngungspotential unserer Wälder zu nutzen, muss sich vielerorts etwas ändern. Am wichtigsten ist es, die Abschussempfehlungen des Vegetationsgutachtens konsequent umzusetzen, dazu brauchen wir die Jäger als verlässliche Partner der Waldbesitzer. Dabei muss die Politik unterstützen und auch entsprechende Anpassungen der Jagdgesetze vornehmen.“

Ein Problem, das auch Gotthardt sieht. Sein Ziel: „Wald und Wild. Ein Miteinander von Waldbesitzern, Förstern und der Jagd – gemeinsames Ziel ist der gesunde Lebensraum Wald. Daran müssen wir arbeiten – und nicht alte Scharmützel ausgraben. Dazu ist die Lage zu ernst.“ Intensiv ist auch der Austausch zur staatlichen Förderung des Waldumbaus. „Der Ausbau der Waldförderprogramme und die Stärkung der forstlichen Zusammenschlüsse hat viele gute Ansätze, aber es droht immer bürokratischer und komplizierter zu werden. Das bindet nicht nur unnötig die Zeit von Förstern, sondern verschreckt auch so manchen Waldbesitzer. Dabei ist in dieser Situation schnelle Hilfe gefragt“. Eine Anregung, die Gotthardt mitnimmt nach München. Genauso wie die, auch im Wald künftig auf Flächenprämien nach dem Modell der Landwirtschaft zu setzen: „Wenn ich einen zukunftsorientierten Waldbau möchte, darf ich nicht nur den Ausgleich von Schäden finanzieren, sondern muss auch dort investieren, wo dieser Waldumbau bereits erfolgreich erfolgt ist.“ Auch das nimmt Gotthardt nickend mit in den Landtag.

Einigkeit auch beim Holzabsatz: „Der Markt ist im Grunde komplett zusammengebrochen, die Aufarbeitung von Schadholz ist oft nicht mehr kostendeckend. Das wird dem wertvollen Rohstoff Holz, der über Generationen gewachsen ist, nicht gerecht und bringt manche Waldbesitzer in Existenznöte“, klagt Frank. Dem müsse man auch politisch entgegensteuern, so Gotthardt. Sein Ziel: Eine breit angelegte „Holzoffensive Bayern“. Neben dem Fokus auf den „Patienten Wald“ müsse es dabei um neue Märkte gehen: „Wir brauchen einen Ruck für den Baustoff Holz – alternativ, innovativ, energieeffizient, regional und nachhaltig“. Öffentliche Gebäude sollten viel öfter als bisher in Holzbauweise erstellt werden. „Das ist aktiver Klimaschutz: Im Baustoff Holz wird CO2 dauerhaft gebunden.“

Zudem müsse Deutschland seine Baugesetze durchforsten: „Warum sind in Österreich und anderen Nachbarländern Holzbauprojekte möglich, die bei uns angeblich nicht gehen? Ich glaub, da muss der Amtsschimmel mal durchs eigene Regulierungsdickicht.“ Neu fördern müsse man auch die energetische Verwertung von Schwach- und Schadhölzern: „Kommunale Hackschnitzelkraftwerke haben für mich noch immer Vorbildfunktion – gerade, wenn sie die nachhaltige Versorgung öffentlicher Gebäude und Altbauten garantieren.“ Das „dienstliche Waldbaden“ mit Frank war für Gotthardt nicht das erste – und soll auch nicht das letzte bleiben: „Auch beim Wald gilt für mich: Frag die, die sich vor Ort auskennen – jede Begehung mit Förstern, Jägern und Waldbesitzern bringt neue Erkenntnis für eine Politik, die dem Lebensraum Wald dient“, so Gotthardt.


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