06.04.2020, 15:41 Uhr

Hundeschulen berichten Hundetraining in Pandemie-Zeiten – „Tatort-Challenge“ für zu Hause, Webinare und Telefonsprechstunden


Die Einschränkungen zur Eindämmung des Coronavirus in Bayern betreffen auch Regensburger Hundeschulen. Einige Betreiber berichten auf Wochenblatt-Anfrage, wie es ihnen damit geht und mit welchen kreativen Ideen sie Hundebesitzer trotz oder gerade in Krisenzeiten begleiten.

Regensburg. Hundetraining gilt nicht als systemrelevant, Hundeschulen mussten deshalb zum 16. März den Betrieb einstellen. „Ich musste alle Termine, Kurse und Hausbesuche absagen“, erzählt Sissy L. Kreid von der „Akademie Hund“ in Regensburg. Es betrifft vor allem Hunde und Besitzer mit Problemthemen: „Eine Trainingspause wirft die intensive Arbeit, die in das Training gesteckt wurde teilweise weit zurück. Besonders betroffen hiervon sind Hunde, die Angstaggression gegenüber anderen Hunden oder auch gegenüber Menschen zeigen. Um Aggressionsverhalten abzutrainieren, ist viel intensive Arbeit nötig. Da dafür mindestens eine zweite Person benötigt wird, muss dieses Training aktuell komplett pausiert werden“, so Sonja Mittermeier von der Hundeschule „Die lernenden Pfoten“. Sie nennt auch ein Beispiel: „Ich trainiere mit einer siebenjährigen Hündin, die ohne jegliche Sozialkontakte (weder zu Menschen noch zu Hunden) aufgewachsen ist. Als diese ihr Training bei uns angefangen hatte, zeigte sie sofort aggressives Verhalten in Anwesenheit von anderen Hunden. Über viel Übung hat sich dies komplett gegeben, sodass wir seit einiger Zeit mit einer gezielten Resozialisierung begonnen haben. So hatte die Hündin kurz vor Corona ihren allerersten direkten Kontakt zu einem Hund. Dies war für die Hündin ein riesen Erfolgserlebnis. Nun hat sie Zwangspause und verliert wieder viel Vertrauen, das sie sich mühsam aufgebaut hat.“

Aber auch Kunden, die zum ersten Mal mit ihren Welpen in der Hundeschule sind, trifft die Ausgangssperre: „Gerade Welpenbesitzer sind oftmals verunsichert und möchten am Anfang keine Fehler machen“, erklärt Fabian Reichel von „Obedient Dog“ in Regensburg. Auch Sonja Mittermeider sorgt sich besonders um die Welpen: „Diese brauchen eine gute Sozialisierung, also Kontakt zu möglichst vielen verschiedenen Menschen und Hunden, ganz besonders in den ersten zwölf Lebenswochen. Diesen Kontakt kann man ihnen momentan gar nicht ermöglichen.“ Bei „Obedient Dog“ gibt es aktuell deshalb einen „speziellen Welpenkurs für spezielle Zeiten“ über Videokonferenz. Und auch viele andere Hundeschulen haben auf Webinare, Videotelefonie-Sprechstunden und andere Online-Angebote umgestellt.

Sonja Mittermeier sieht in Video-Gruppenstunden sogar einen Vorteil: „Die Hunde trainieren dabei in ihrem gewohnten Umfeld – im eigenen Wohnzimmer, im Garten oder ähnliches – frei von jeglicher Ablenkung. So ist die Konzentration bei Mensch und Hund oft deutlich höher als am Hundeplatz.“ Bei ihr wird es deshalb auch nach Corona Online-Angebote geben: „Nach einer anfänglichen sehr ratlosen Phase haben wir festgestellt, dass auch aus dieser Krise wieder viele positive Faktoren heraus entwickelt werden. Zunächst dachten wir, es wäre das finanzielle Ende für die Hundeschule. Aktuell stellen wir jedoch fest, dass wir mit den entstandenen neuen Ideen wie Live-Online-Hundetraining auch nach der Corona-Krise unser Angebot erweitern wollen.“

Die Krise kann für Hundeschulen also auch eine Chance sein. Denn wann wieder „normal“ trainiert werden kann, ist derzeit nicht absehbar – und die Umsatzeinbußen treffen die Schulen bereits jetzt sehr hart. Von circa 80 Prozent Einbußen spricht hier Fabian Reichel von „Obedient Dog“. „Allein die knapp zwei Wochen, in denen ich gar keine persönlichen Termine abhalten konnte, haben bereits große Einbußen eingebracht. Auch wenn ich jetzt die Hundeschule für Einzelstunden öffnen kann, so gibt es natürlich viele Kunden, die vorübergehend auf Hundetraining verzichten“, schildert Sissy Kreid die Lage. „Es bleibt also ungewiss, wie Hundetraining während und nach der Ausgangsbeschränkung gefragt sein wird.“

Auch Roland Sandomeer berichtet von Umsatzeinbrüchen: „Allein im März haben wir Einbußen von geschätzten 30 bis 40 Prozent. In den weiteren Monaten wird sich das durchaus auf 80 bis 90 Prozent steigern. Fast täglich bekommen wir Stornierungen, auch schon für die Sommerferien und Neubuchungen bleiben aus.“ Sandomeer ist Inhaber des Hundehotels, der Hundeschule sowie des Hundeladens „Duftmarke“ in Regensburg. Er musste Kurzarbeit für Tierpfleger und Hundetrainer anmelden, denn „da niemand mehr in Urlaub fahren kann, wird natürlich auch keine Betreuung für die Hunde benötigt. Das gleiche gilt für die Menschen, die momentan von der Arbeit daheimbleiben müssen oder Home Office haben. Eine Hundebetreuung ist in den meisten Fällen nicht erforderlich. Deshalb haben wir momentan nur noch einige wenige Hunde von Ärzten, Pflegepersonal und anderen, die noch arbeiten müssen/können zur Tagesbetreuung.“

Tipps für Hundebesitzerinnen und -besitzer

Damit den Hundehaltern nicht langweilig wird, hat die Hundeschule „Die lernenden Pfoten“ eine Challenge für alle Kundenhunde gestartet. Im Foto sieht man das Beispiel der „Tatort-Challenge“, bei der die Hundeführer den Umriss ihres Hundes mit Leckerlis kennzeichnen sollen, die der Hund natürlich nicht auffressen sollte. „Hunde haben aktuell eingeschränkte Sozialkontakte zu anderen Menschen und Hunden. Diese Lücke sollte ersetzt werden. Entsprechend mehr und intensiv brauchen die Hunde den Kontakt zu ihren Menschen. Ich empfehle deshalb dringend, sich momentan besonders intensiv Zeit für die Hunde zu nehmen, mit ihnen Suchspiele, Tricks oder ähnliches zu veranstalten, um den fehlenden Spaß mit anderen Hunden auszugleichen“, erklärt Sonja Mittermeier.

Sissy Kreid empfiehlt für den Fall der Fälle, sich bereits jetzt um eine Patin/einen Paten zu kümmern, der/die sich im Falle einer Quarantäne um den Hund kümmert: „Jetzt ist ein guter Zeitpunkt, mit dieser Person Kontakt aufzunehmen und diese Möglichkeit abzusprechen. Im besten Falle kennt und mag der Hund diese Person bereits und hat Vertrauen zu ihr. So kann man guten Gewissens den Hund zum Spazierengehen schicken, auch wenn man selbst die Wohnung nicht verlassen kann.“

Fabian Reichel hat einen Tipp für alle Welpenbesitzer: „Welpen kann man zum Beispiel durch verschiedene Haushaltsgeräte (Mixer, Staubsauger, auf den Boden fallende Kochtopfdeckel und so weiter) an verschiedene Geräusche gewöhnen. Auch über Youtube kann ich meinen Hund zum Beispiel jetzt schon an das Geräusch von einem Feuerwerk gewöhnen. Auch Regenschirme und sonstige ungewöhnliche Gegenstände kann ich meinen Hund in Ruhe zeigen.“

Nichtsdestotrotz sollte man Hunden und Welpen auch Zeiten der Ruhe gönnen und sie vor einer „Überbeschäftigung“ bewahren. Roland Sandomeer erklärt, dass diese zum Problem werden kann: „Nämlich dann, wenn das normale Leben wieder beginnen soll. Der Hund ist momentan gewöhnt, im Extremfall 24 Stunden mit Herrchen/Frauchen zusammen zu sein. Dann kommt der Zeitpunkt, an dem Herrchen/Frauchen wieder in die Arbeit gehen und der Hund stundenweise allein daheimbleiben soll.“ Deshalb ist seine Empfehlung: „Versuchen Sie frühzeitig, den ,Vor-Corona-Alltag‘ wieder nach und nach zu etablieren. Gehen Sie mal ohne Hund spazieren, auch wenn es langweilig ist. Bringen Sie Ihren Liebling in ein anderes Zimmer und schließen die Tür in der Zeit, in der Sie normalerweise in der Arbeit wären. Lassen Sie Ihren Hund öfter mal links liegen, auch wenn es bei dem herzzerreißenden Hundeblick schwer ist. Sie werden sehen, dass es für Ihren Hund dann wesentlich leichter ist in den alten Alltag zurück zu finden.“


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