25.03.2020, 10:00 Uhr

Corona im Ausland Sorgen um meine französische Freundin – wann sehen wir uns wieder?

In Valence gibt es momentan ein „couvre-feu“: Zwischen 21 und 6 Uhr darf man nur raus, wenn man zur Arbeit oder zum Arzt muss. Foto: privatIn Valence gibt es momentan ein „couvre-feu“: Zwischen 21 und 6 Uhr darf man nur raus, wenn man zur Arbeit oder zum Arzt muss. Foto: privat

Viele Menschen in Regensburg machen sich derzeit nicht nur Sorgen um die eigene Zukunft, um Familie und Nachbarn, sondern auch um Freunde im Ausland.

Regensburg/Valence. Auch ich führe viele internationale Freundschaften. Seit über zehn Jahren, seit einem Schüleraustausch mit Frankreich, bin ich mit meiner damaligen Austauschpartnerin Oriane (heute 24 Jahre alt) nun schon befreundet. Oft haben wir uns gegenseitig in Bayern und in Südfrankreich besucht. Was für uns bisher immer ganz selbstverständlich war, ist nun plötzlich ganz ungewiss. Das Coronavirus steht jetzt zwischen uns und wir wissen nicht, wie sich die Lage in Europa entwickelt und wann wir uns wiedersehen werden.

Oriane lebt mit ihrem Freund in Valence im französischen Département Drôme. Eigentlich arbeitet sie für eine Kosmetikfirma und kontrolliert dort die Produkte, doch wegen der Corona-Krise ist sie jetzt in Kurzarbeit. Sie erzählt von der aktuellen Entwicklung in Frankreich: „Also am 12. März haben sie angekündigt, die Schulen ab dem 16. März zu schließen. Am 14. März haben sie dann alle Bars, Restaurants und Geschäfte geschlossen. Seit 17. März gilt die Ausgangssperre: Wir dürfen ohne Erlaubnis nicht außer Haus gehen. Das ist so ein Zettel, den man ausfüllen muss und auf dem man angeben muss, warum man rausgehen muss. Erlaubt ist: Einkaufen, Sport (aber nur alleine, nicht lange und neben deiner Wohnung), Gassigehen, dringende Arztbesuche und arbeiten. Wenn man diesen Zettel nicht dabei hat, droht eine Strafe von 135 Euro. Also würden viele Menschen anfangen, spazieren zu gehen und Sport zu machen. Doch das ist seit Montag, 23. März, nur noch eine Stunde am Tag und nur im Umkreis von einem Kilometer des Wohnortes erlaubt. Vor allem in Großstädten würden nicht alle die Regeln respektieren. Also habe man in vielen Städten ein sogenanntes „couvre-feu“ (in Valence zwischen 21 Uhr abends und 6 Uhr morgens) eingeführt, da dürfe dann niemand mehr rausgehen, außer wenn man zur Arbeit oder zum Arzt müsse, erklärt Oriane. Gassigehen oder Joggen ist dann nicht erlaubt.

Orianes Eltern sind Lehrer, sie versuchen momentan, den Kindern im Internet Aufgaben zu geben. Doch alle Eltern, die die Möglichkeit haben, arbeiten derzeit im Home Office. Wer dann noch seinen Kindern mit Hausaufgaben helfen muss, sie versorgen und beschäftigen muss, hat es nicht leicht. Wer nicht im Home Office arbeiten kann, darf trotzdem zur Arbeit, wenn der Arbeitgeber sicherstellt, dass ein gewisser Schutz vorhanden ist, beispielsweise ein Mindestabstand von einem Meter. Beschäftigte in der Gastronomie und im Einzelhandel sind jetzt in Kurzarbeit: Sie bekommen 70 Prozent ihres Bruttogehalts – wie Oriane, doch sie ist hoffnungsvoll: „Die Regierung hat viele wirtschaftliche Maßnahmen umgesetzt, sodass das Leben danach weitergehen kann.“

Sie sei jetzt in Kurzarbeit, erzählt Oriane, „weil das Unternehmen, für das ich arbeite, seie Produkte hauptsächlich an Kosmetikerinnen und Kosmetiker verkauft, aber die haben jetzt alle geschlossen, also haben wir nicht genug Kunden. Außerdem kommen alle Kosmetika aus Mailand, wo sie seit Februar nicht mehr wirklich arbeiten“. Oriane versucht, Kleinigkeiten im Home Office zu erledigen, aber nicht zu viel, wegen der Kurzarbeit. „Das war schon ein Schock, als ich letzte Woche am Montag in die Arbeit kam und man uns mitteilte, dass wir nach Hause gehen sollen, da wir ab sofort in Kurzarbeit sind“, berichtet Oriane. Am Anfang seien noch alle in die Geschäfte gerannt, aber seit der Ausgangssperre sitzen sie nun daheim. „Wir haben uns mittlerweile daran gewöhnt, es wird besser“, so Oriane.

Sie beschäftigt sich jetzt mit Dingen wie Aufräumen, Kuchen backen, Sport ... „Viele haben angefangen, Sims zu spielen“, schmunzelt Oriane. „Zum Glück ist es hier schon so warm, dass man die Fenster die ganze Zeit offen lassen kann.“ Im Moment versucht Oriane, sich noch nicht zu viele Sorgen zu machen, aber sie hofft, dass ihre Familie sich nicht infiziert. „Und wir schauen nach Italien und dann bekommen wir schon Angst“, erzählt Oriane abschließend. Vor ein paar Wochen haben wir noch davon geträumt, uns bald wieder zu besuchen, denn kurz vor Corona hat Oriane zusammen mit ihrem Freund, angefangen, Häuser zu besichtigen. „Wenn wir ein Haus gekauft haben, dann kannst du uns wieder besuchen kommen“, schrieb mir meine Freundin noch vor ein paar Wochen. Jetzt ist das plötzlich alles in der Schwebe. Doch die Hoffnung stirbt zuletzt!


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