12.01.2020, 10:00 Uhr

Um Mithilfe gebeten Tafel Regensburg sucht händeringend nach neuer Unterkunft

(Foto: jb)(Foto: jb)

„Wenn wir in 104 Tagen noch keine geeignete Unterkunft gefunden haben, dann nehme ich unsere Transporter und mache die Tafel-Ausgabe auf dem Domplatz“, kündigte Christine Gansbühler, erste Vorsitzende der Tafel Regensburg, mit der Entschlossenheit eines Verzeifelnden, am Donnerstag, 9. Januar 2020, an. „Vielleicht tut sich dann endlich etwas!“ Denn der Mietvertrag für die Räumlichkeiten der Tafel läuft im Sommer aus.

REGENSBURG Zu einem „Runden Tisch“ hatte Peter Aumer, Bundestagsabgeordneter und selbst Mitglied der Tafel Regensburg, am Donnerstag, 9. Januar 2020, Vertreter aus Politik, anderen gemeinnützigen Vereinen und im Anschluss auch Journalisten geladen, um auf die prekäre Raumsituation der Tafel aufmerksam zu machen. „In 204 Tagen wird es uns hier nicht mehr geben“, kündigte die Vorsitzende der Tafel an, denn dann läuft der Mietvertrag in der Liebigstraße in Regensburg aus. Ein neuer Standort konnte noch nicht gefunden werden und die Zeit drängt langsam, denn es wird kein leichter Umzug werden. Der Ab- und Aufbau der Lagerstätten dauert und kostet auch eine Stange Geld, sodass natürlich nach einer langfristigen bis dauerhaften Lösung gesucht wird.

„Gemeinsam mit den Verantwortlichen der Tafel und Vertretern aus Politik, Kirche, Stadt und Landkreis möchte ich nach Möglichkeiten suchen, die Arbeit der Tafel für hilfsbedürftige Menschen auch in Zukunft zu sichern. Wir dürfen die Ehrenamtlichen nicht im Stich lassen“, so Peter Aumer, der sich positiv nach den ersten Gesprächen zeigte. „Wir benötigen rund 700 Quadratmeter Fläche und unbedingt eine gute Anbindung zu den öffentlichen Verkehrsmitteln, damit die Menschen zu uns kommen können. Auch Parkmöglichkeiten in der unmittelbaren Umgebung wären wünschenswert und ausreichend Platz, damit unsere Transportfahrzeuge rangieren können“, wünscht sich Gansbühler. Ideal wäre eine Halle, die zwar gut erreichbar, jedoch nicht unmittelbar in einem Wohngebiet liegt, denn die Mitarbeiter der Tafel wissen aus trauriger Erfahrung: Armut möchte niemand in seiner Nachbarschaft haben. „Die Tafel ist oft nicht erwünscht“, berichtet Gansbühler traurig. Denn der Verkehr und die Masse der täglich ankommenden Menschen, die trotz genau vorausgeplanter Zeitfenster oft auch Stunden vor ihrem persönlichen Zutritt zur Tafel kommen, um mit Bekannten zu plaudern, werden nicht gerne gesehen – auch wenn von Riesenschlangen nie die Rede sein kann.

Insgesamt 2.500 Menschen aus Stadt und Landkreis werden derzeit von der Regensburger Tafel wöchentlich versorgt, Tendenz steigend – besonders bei den Rentnern. „Wir sind kein Supermarkt, man kann nicht mit einer klaren Einkaufsliste zu uns kommen. Wir sind dazu da, den Menschen durch unsere Ausgabe Spielräume für andere Dinge zu schenken. Denn wenn man sich für Lebensmittel etwas sparen kann, dann ist vielleicht auch einmal der Besuch im Kino drin“, erklärte Peter Zilles, Vorsitzender der Tafel Bayern. Er machte auch noch auf ein viel weitreichenderes Problem aufmerksam: Die Tafel in Regensburg ist zugleich nämlich auch eine Logistikverteilstelle – eine von nur fünf in Bayern. Hier werden palettenweise Waren von Großkunden angeliefert, die kleinere Tafel im Umkreis aus Platzmangel gar nicht aufnehmen könnten. In Regensburg werden die Paletten dann gelagert und auf die kleineren Tafeln der Region aufgeteilt. So können sich diese wieder über ein größeres Angebot freuen, ohne die Kosten für riesige Lagerräume aufbringen zu müssen und müssen sich zudem nie über Engpässe Gedanken machen, da aus Regensburg immer wieder Nachschub bestellt werden kann. „Wenn das Logistikzentrum schließen muss, dann schaut die Region rund um Regensburg in die Röhre, was interessante Großspenden anbelangt“, sind sich die Verantwortlichen sicher. 28 kleinere Tafeln, unter anderem in Kelheim, Abensberg oder auch Weiden wären betroffen.

Wer eine geeignete Immobilie kennt oder gar selbst besitzt und sich eine Kooperation mit der Tafel Regensburg vorstellen könnte, der wird herzlich gebeten, sich mit der Vorsitzenden Christine Gansbühler unter der Telefonnummer 0941 / 7884 9715 oder per Mail an info@tafel-regensburg.de in Verbindung zu setzen. Näheres erfahren Interessierte auch im Internet unter www.tafel-regensburg.de.


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