10.01.2020, 19:40 Uhr

Im Zeichen des Wahljahres Schaulaufen und schier endloses Händeschütteln beim Neujahrsempfang der Stadt Regensburg


Das „Who is Who“ einer Stadtgesellschaft findet traditionell zu Jahresbeginn zu einem Neujahrsempfang zusammen. Wer eine Einladung bekommt, „gehört dazu“, wer keine bekommt, fühlt sich ausgestoßen. Und während dann die einen den Small-Talk pflegen und auf Musik und Rede warten, hat das Stadtoberhaupt und seine Vertreter den härtesten Job des Tages: Hände schütteln, viele Hände.

REGENSBURG „Ich weiß wie das ist ...“, sagte also Regensburg Alt-Oberbürgermeister Hand Schaidinger am Freitagmittag, 10. Januar 2020. Bürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer nickte vielsagen und lachte. An dem Punkt hatte sie wahrscheinlich schon aufgehört zu zählen, wie viele Hände sie schon geschüttelt hatte. Über zwei Stunden standen sie und Bürgermeister Jürgen Huber im Historischen Reichssaal – die Reihen zogen vorbei. Politik und Wirtschaft, Sport und Kultur, Ehrenamt und Medien – aus allen Bereichen der Stadtgesellschaft waren die Gäste gekommen, um der Bürgermeisterin und dem Bürgermeister ein gutes neues Jahr zu wünschen. In einem Wahljahr ist es auch selbstverständlich, dass sich die OB-Kandidatinnen und OB-Kandidaten der einzelnen Parteien sehen lassen. Dr. Astrid Freudenstein (CSU) war ebenso in den Reichssaal gekommen, wie Stefan Christoph (Grüne) und Horst Meierhofer von der FDP. Christian Janele (CSB) und Ludwig Artinger (Freie Wähler) waren ebenso dabei wie Benedikt Suttner (ÖDP). Sie alle schüttelten der OB-Kandidatin der SPD, Gertrud Maltz-Schwarzfischer, die Hand. Jakob Friedl (Ribisl-Partie) war nicht zum Empfang geladen, er erfreute die ankommenden Gäste vor dem Eingang zum Reichssaal mit seinen Vorstellungen für die Stadt Regensburg. Ebenfalls nicht eingeladen war der vorläufig suspendierte Oberbürgermeister der Stadt Regensburg, Joachim Wolbergs, der für die „Brücke“ als OB-Kandidat antritt.

Nach gut zwei Stunden Händeschütteln stimmte das „Ensemble Yankee Meier“ mit „I can see clearly now“ von Johnny Nash die Gäste auf die Neujahrsrede der Bürgermeisterin ein. Maltz-Schwarzfischer hielt sich kurz, angesichts des langen Defilees genau die richtige Entscheidung. Die Bürgermeisterin stellte in ihrer Rede den Begriff „Wandel“ in den Mittelpunkt. Der Neujahrsempfang sei zwar eine Konstante im Jahreskalender der Stadt, doch schon Charles Darwin war der Meinung, dass in der Geschichte nichtsbeständiger sei als eben der Wandel. Heutzutage sei der Wandel allerdings kein allmählicher Prozess der Evolution. Der Wandel von heute sei „vom Menschen gemacht“, so Maltz-Schwarzfischer. „Er greift schon heute in unser aller Leben ein – und das auch noch mit zunehmendem Tempo!“ Zum Klimawandel forderte Maltz-Schwarzfischer alle auf, nicht tatenlos zuzusehen, „wie alltäglich irrwitzige Mengen an klimaschädlichen Gasen unseren Planeten in eine Heißzeit treiben“. Ein weiterer Wandel sei ebenfalls erkennbar: die Digitalisierung, die die Welt immer mehr bestimme. Ebenso habe die globale Vernetzung Auswirkungen. „Beispielsweise waren der von großen Wirtschaftsnationen angezettelte Streit über Importzölle wie auch der Brexit und seine immer noch nicht absehbaren Folgen machen sich in einer ganzen Reihe von Branchen unangenehm bemerkbar.“ In Regensburg sei es also nun die Frage, wie man mit diesem Wandel umgehen wolle. Für Maltz-Schwarzfischer ist die Sache klar. Man müsse in dem noch besser werden, was „Regensburg bisher schon auszeichnet“. Veränderungen als Chance begreifen, Innovationskraft, Vernetzung von Wirtschaft und Wissenschaft – das seien die Punkte, die Regensburg stark machen.

Wie Regensburg aber im Jahr 2030 aussehen wird, das wisse auch sie nicht, „weder in meinem Büro noch sonst irgendwo in der Stadtverwaltung steht eine Glaskugel, die uns bis ins Detail verraten könnte, wie Regensburg im Jahre 2030 aussehen wird“, so Maltz-Schwarzfischer. Im Gegensatz zu Alt-Kanzler Helmut Schmidt, den sie sehr geschätzt habe, setzt die Regensburger Bürgermeisterin auf Visionen für die Zukunft. „Wer heute in Politik oder Verwaltung die Verantwortung für eine Stadt trägt, muss immer darüber nachdenken, was morgen und übermorgen nötig ist, damit es dieser Stadt und ihren Bürgerinnen und Bürgern weiterhin gut geht.“ So manche Vision aus vergangenen Jahren sei heute schon Wirklichkeit – Maltz-Schwarzfischer erinnerte hier an den Begriff „Smart City“. Hier gebe es schon viele Dinge, die heute nutzbar sind. „Wir wollen uns aber nicht von den technischen Möglichkeiten, die nahezu jede Woche mehr werden, überollen lassen. Wir müssen selber herausfinden und entscheiden, was im Rahmen unseres Smart-City-Projektes sinnvoll und finanzierbar ist. Dabei geht Gründlichkeit vor Eile“, so Maltz-Schwarzfischer – sie nannte es „Smart City mit Herz“.

Die Bürgermeisterin dankte allen, die sich an den Entscheidungsprozessen in der Stadt beteiligen, sie dankte allen Ehrenamtlichen, allen die sich für die Stadt und ihre Fortentwicklung einsetzen. Mit dem Zitat „Was die Zukunft betrifft, geht es nicht darum, sie vorauszusehen, sondern sie möglich zu machen.“ von Antoine de Saint-Exupéry schloss Maltz-Schwarzfischer ihre Rede.


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