28.12.2019, 00:04 Uhr

Kurs auf Lampedusa Notruf am zweiten Weihnachtsabend – Crew der „Alan Kurdi“ rettet 32 Menschenleben

(Foto: Karsten Jäger/Sea-Eye)(Foto: Karsten Jäger/Sea-Eye)

Am zweiten Weihnachtsabend empfing die Crew der „Alan Kurdi“ einen Notruf. Das deutsche Rettungsschiff hatte die libysche Such- und Rettungszone erst wenige Stunden zuvor erreicht. Der Notruf wurde um 22.31 Uhr von der Hilfsorganisation „AlarmPhone“ an die libysche Rettungsleitstelle und an die Rettungsschiffe „Alan Kurdi“ und „Ocean Viking“ weitergeleitet.

REGENSBURG Das Schiff der Regensburger Seenotretter benötigte rund zwei Stunden zur übermittelten Koordinate, die sich nur etwa 17 Seemeilen von der libysche Küste entfernt befand. Die libyschen Behörden reagierten dennoch überhaupt nicht auf den weitergeleiteten Notruf. Auf dem überfüllten Kunststoffboot befanden sich insgesamt 32 Personen, darunter zehn Kinder und fünf Frauen. Eine Frau ist schwanger. Das jüngste Kind ist gerade einmal drei Monate alt. Alle Überlebenden geben an libysche Staatsbürger zu sein. „Wie sicher kann Libyen schon sein, wenn sich die Libyer selbst mit ihren Familien auf dem Meer in Lebensgefahr begeben, um das Land zu zügig zu verlassen?“, sagt Gorden Isler , Vorsitzender von „Sea-Eye“.

Bis zum Freitagvormittag erklärte keine Rettungsleitstelle seine Zuständigkeit. Die „Alan Kurdi“ hat inzwischen Kurs auf die italienische Insel Lampedusa gesetzt, denn der nächste Sturm zieht auf. „Die Flucht ist zu dieser Jahreszeit besonders gefährlich, weil sich das Wetter ständig ändert“, sagt Julian Pahlke, Sprecher von „Sea-Eye“. „Hätten wir die Menschen nicht gefunden, wären sie spätestens morgen in einen Sturm geraten. Ihre Überlebenschancen wären dadurch drastisch gesunken“, sagt Pahlke weiter.


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