10.10.2019, 14:01 Uhr

Nach dem Anschlag in Halle Oberpfälzer Polizei intensiviert Schutzmaßnahmen für jüdische Einrichtungen

Die neue Synagoge in Regensburg. (Foto: Stadt Regensburg/Effenhauser)Die neue Synagoge in Regensburg. (Foto: Stadt Regensburg/Effenhauser)

Die tödlichen Schüsse, die ein mutmaßlicher Rechtsextremer am Mittwoch, 9. Oktober, in Halle an der Saale abgegeben hat, haben ihre Nachwirkungen auch in der Oberpfalz. Auch hier sorgt man sich nun noch mehr um jüdische Einrichtungen.

REGENSBURG Am Mittwoch hatte ein bewaffneter Mann versucht, in die Synagoge im Paulus-Viertel in Halle einzudringen. Wegen des jüdischen Feiertages Jom Kippur war diese gut besucht. Der Bewaffnete scheiterte an den verschlossenen Türen der Synagoge, woraufhin er eine Passantin erschoss und flüchtete. Wenige hundert Meter weiter schoss er in der Ludwig-Wucherer-Straße in einen Döner-Laden, ein Mann starb. In Wiedersdorf (Stadt Landsberg) schoss der Täter auf einen Taxifahrer und verletzte ihn schwer. Ein Video der Tat streamte der Täter live im Internet. Noch am Mittwochnachmittag hat der Generalbundesanwalt die Ermittlungen übernommen. Unter Verdacht steht der deutsche Staatsangehörige Stephan B., der festgenommen werden konnte.

In einigen Bundesländern wurde der Schutz der jüdischen Einrichtungen, wie zum Beispiel Synagogen, und auch der Schutz für Gedenkstätten intensiviert – so auch in der Oberpfalz. Florian Beck, Pressesprecher am Polizeipräsidium Oberpfalz in Regensburg, berichtet, dass das „Sicherheitspaket“ aus verschiedenen Bausteinen bestehe. Grundsätzlich sei man im direkten Austausch mit den Gemeinden, auf beiden Seiten gebe es feste Ansprechpartner, die sich regelmäßig austauschen. Bei der Eigensicherung der Synagogen berät die Polizei die Gemeinden in baulichen und sicherheitstechnischen Fragen. Anlassbezogen werden Schutzmaßnahmen ergriffen, diese gehen von einer verstärkten Bestreifung der Umgebung rund um eine Synagoge bis hin zu sichtbarer Präsenz in der Nähe der Gebäude. Dies ist auch in Regensburg häufig der Fall. Nach dem Anschlag am Mittwoch habe man sofort damit begonnen, Kontakt zu allen jüdischen Gemeinden in der Oberpfalz aufzunehmen, „bis auf Weiteres“, so Beck, wurden die Schutzmaßnahmen nochmals intensiviert. In der Oberpfalz werden so die Synagogen in Regensburg, Amberg und Weiden betreut. Aber auch die Gedenkstätten in Flossenbürg (Landkreis Neustadt an der Waldnaab) und Neunburg vorm Wald (Landkreis Schwandorf) sowie die Begegnungsstätte in Sulzbach-Rosenberg (Landkreis Amberg-Sulzbach) fallen unter dieses Schutzkonzept.

Ilse Danziger von der jüdischen Gemeinde ein Regensburg berichtet auf Wochenblatt-Anfrage, dass man „in ständigem guten Einvernehmen mit der Polizei“ stehe. „Diese erhält wöchentlich einen Zeitplan über Gottesdienste, Schulunterricht und sämtliche Veranstaltungen, die in unserem Haus stattfinden. Während der genannten Zeiten ist fast immer eine Polizeistreife vor dem Haus“, berichtet die Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde Regensburg. „Zusätzlich haben wir eine Sicherheitsfirma und eigene Sicherheitsleute für unseren Pfortendienst beauftragt. Seit Beginn unseres Neubaus und bis heute haben wir fast ausschließlich eine positive Resonanz erfahren, selbstverständlich macht man sich Gedanken und auch unsere Gemeindemitglieder stellen Fragen zu Sicherheitsvorkehrungen in unserer Gemeinde.“

Zum Fall aus Halle ist angekündigt, dass Bundesjustizministerin Christine Lambrecht und Generalbundesanwalt Dr. Peter Frank am Donnerstagnachmittag über den Sachstand informieren.


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