09.10.2019, 16:48 Uhr

Nach fast 48 Jahren Norbert Hartl tritt aus der SPD aus, aber nicht in die „Brücke“ ein

Ein Bild aus Zeiten, als man noch Scherze machte bei der SPD – hier drehte sich das Gespräch um die Frage nach dem Biber im Aubach in Burgweinting. (Foto: ce)Ein Bild aus Zeiten, als man noch Scherze machte bei der SPD – hier drehte sich das Gespräch um die Frage nach dem Biber im Aubach in Burgweinting. (Foto: ce)

„Ich möchte hiermit meinen Austritt aus der SPD erklären“, so beginnt das Schreiben eines Regensburger Stadtrates an den Vorsitzenden des SPD-Unterbezirkes Regensburg, Sebastian Koch, das am Montag, 7. Oktober, abgeschickt worden ist. Er habe lange mit sich gerungen, berichtet der Verfasser des Schreibens – Norbert Hartl – dem Wochenblatt. Doch nach reiflicher Überlegung sah er keine andere Möglichkeit mehr. Zudem leitete er das Schreiben auch an den Stadtverbandsvorsitzenden der SPD; Juba Akili, an die Vorsitzende des SPD-Ortsvereines Burgweinting-Harting-Irl, Dagmar Kick, an die Vorsitzende der Bayern-SPD, Natascha Kohnen, und an den Parteivorstand, namentlich an Generalsekretär Lars Klingbeil, weiter.

REGENSBURG Hartl ist enttäuscht – enttäuscht von den eigenen Genossinnen und Genossen, die selbst nach dem Freispruch vor dem Landgericht Regensburg den Weg zurück zu ihm nicht finden wollten. „Leider kann ich die Vorverurteilung durch Teile der SPD vor Ort und im Verband der Bayerischen Bezirke sowie die Ausgrenzung meiner Person in Fraktion und Partei nicht überwinden. Auch nach meinem Freispruch hat sich die Situation nicht geändert. Die Unschuldsvermutung für den Oberbürgermeister und für mich galt leider nicht“, schreibt er an Koch. Die SPD sei nicht bereit gewesen, „für mich die Unschuldsvermutung gelten zu lassen und das Urteil durch das Gericht abzuwarten“. Mit der fehlenden Solidarität seiner Person gegenüber tut sich Hartl schwer: „In den schwierigsten drei Jahren meines Lebens hat genau meine Partei, in die ich unter anderem wegen Gerechtigkeit, Solidarität und sozialem Gewissen 1972 eingetreten bin, mich in Stich gelassen, obwohl sie hätten wissen müssen, dass ich niemals zu irgendwelchen unrechtmäßigen Handlungen Beihilfe geleistet hätte. Sie hätten wissen müssen, dass es mir in Sachen Nibelungenkaserne ausschließlich um preisgünstigen Wohnraum ging, was auch in hervorragender Weise gelungen ist.“

Dass er nun zur „Brücke“, dem neuen Verein, dem Joachim Wolbergs vorsteht, wechselt, stehe momentan nicht zur Debatte. Hartl sei lediglich eine Fraktionsgemeinschaft mit den „Brücke“-Stadträten eingegangen. Aktuell ziehe es ihn „nirgends hin“, so Hartl im Wochenblatt-Gespräch. Wo es ihn letztlich auch nicht mehr hinzieht, ist „sein“ Ortsverein Burgweinting-Harting-Irl, hier war er 35 Jahre Vorsitzender, heute ist er Ehrenvorsitzender. Diesen Titel hat er zurückgegeben, letztlich habe er mit seinem Schreiben an Koch seinen Austritt erklärt. Das sei ihm sehr schwer gefallen, berichtet Hartl, er sei ein „Sozi durch und durch“. Aber: Er müsse sich schützen. Nach fast 48 Jahren endet damit die Mitgliedschaft Hartls in der SPD. 42 dieser Jahre hat er – bis heute – als Stadtrat in Regensburg gearbeitet, das werde er auch bis zu den Wahlen 2020 weiter tun. Hartl vertrat zudem 36 Jahre lang die Region im Bezirkstag der Oberpfalz.


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