09.03.2019, 16:01 Uhr

Wahl kommendes Jahr Grüne setzen zum Höhenflug an – und könnten 2020 erstmals Regensburgs Oberbürgermeister stellen

Grünen-Abgeordneter Jürgen Mistol mit Bürgermeisterin Maltz-Schwarzfischer: Für Kandidatur abgewunken. Foto: ce  (Foto: Christian Eckl)Grünen-Abgeordneter Jürgen Mistol mit Bürgermeisterin Maltz-Schwarzfischer: Für Kandidatur abgewunken. Foto: ce (Foto: Christian Eckl)

Die Mitgliederzahl steigt, 2020 ist vieles möglich – doch wer will bei den Grünen überhaupt antreten? Jürgen Mistol, der bei der Landtagswahl der CSU fast das Direktmandat weggeschnappt hätte, hat bereits abgewunken.

REGENSBURG Die Grünen in Bayern sind auf einem Höhenflug. Diese Entwicklung macht auch vor Regensburg nicht halt. Bei der letzten Landtagswahl lehrte der grüne Direkt-Kandidat Jürgen Mistol der CSU das Fürchten: Der CSU-Kandidat und Kreisvorsitzende Franz Rieger kam auf 28,24 Prozent der Stimmen, Mistol auf fast 25 Prozent. Die drei zum Wahlkreis Regensburg-Stadt gehörenden Landkreis-Gemeinden haben den Abstand noch ein wenig vergrößert. Man braucht nicht viel Phantasie, um zu erkennen: Politisch ist angesichts der derzeitigen Lage in Regensburg bei der Wahl zum Oberbürgermeister 2020 alles möglich. Doch wie sieht es eigentlich aus bei den Grünen? Tritt Jürgen Mistol an? Das Wochenblatt hat ihn gefragt. Und Mistol, ein sachlicher, ruhiger und durchaus bescheidener Politiker, macht klar: „Ich strebe nicht ständig nach Neuem. Ich mache erst einmal die Aufgabe, die vor mir liegt.“ Es gebe Politiker, „die in kürzeren Zeitabständen immer etwas neues brauchen, ich hingegen habe mich vor Jahren für den Landtag entschieden.“ Er winkt ab.

Gleichwohl macht Mistol deutlich, was derzeit bei den Grünen möglich ist: Letztes Jahr begrüßten die Grünen das 10.000te Mitglied in Bayern, kürzlich wurde Mitglied Nummer 12.000 gefeiert. Stefan Christoph, Vorsitzender der Grünen in Regensburg, bestätigt diesen Trend: Derzeit hat die Partei in Regensburg 242 Mitglieder, letztes Jahr waren es noch 193 im Januar.

Derzeit arbeiten die Grünen bereits am Wahlprogramm, am 12. Juni wollen die Grünen eine Kandidatin oder einen Kandidaten aufstellen. Das Rennen ist völlig offen. Die Grünen sind berüchtigt dafür, die eigenen Mandatsträger heftig zu kritisieren. Und auch in Regensburg ist mit einer Zäsur zu rechnen.

Zäsuren könnte es aber in der gesamten Parteienlandschaft in Regensburg geben. Derzeit wird auch in der CSU versucht, die Weichen zu stellen. Der JU-Kreisvorsitzende Michael Lehner will CSU-Kreischef Franz Rieger im Frühjahr beerben. Derzeit laufen die Ortsverbandswahlen. Die Delegierten der Ortsverbände wählen dann den Kreischef. Für kurze Irritation hatte ein Wortwechsel zwischen Astrid Freudenstein und Oberpfalz-Chef Albert Füracker gesorgt, doch Freudenstein winkt ab: Sie will nicht CSU-Chefin werden.

Mit wem die CSU dann in den Wahlkampf zieht, ist völlig offen. Erklärt hatte sich Freudenstein, doch nur unter der Bedingung einer völligen Neuausrichtung inhaltlich und personell ihrer Partei, sowie Dagmar Schmidl und Jürgen Eberwein.

Bei der SPD ist wohl alles noch völlig offen

Völlig offen ist auch, wie die SPD sich aufstellt. Abhängig ist das vor allem von dem Urteil des Landgerichts gegen Oberbürgermeister Joachim Wolbergs. Der hat bereits erklärt, mit einer unabhängigen Liste anzutreten. In der SPD gilt zwar Gertrud Maltz-Schwarzfischer als gesetzt. Doch neben der Möglichkeit eines Freispruchs für Wolbergs, der ihn bei der SPD völlig rehabilitieren müsste, gibt es auch noch Thomas Burger. Der gilt vielen als wählbar, wenngleich er innerhalb der SPD keine Mehrheit hat.

Bei den Freien Wählern dürfte Ludwig Artinger wieder ins Feld ziehen, der Amtsgerichtsdirektor ist intern der Kleister, der die Rathaus-Koalition zusammenhält.

Dennoch dürfte das politische Parkett bei der Kommunalwahl komplett durcheinander geraten. Zwar ist der anfängliche Höhenflug der AfD bei der Landtagswahl bereits erheblich niedriger ausgefallen, als viele befürchteten. Doch mit Ergebnissen wie die 20 Prozent im Wahllokal in der „Schule für Toleranz und Vielfalt“ dürfte ihr Einzug in den Stadtrat zumindest möglich sein.

Den kommenden Oberbürgermeister oder die Oberbürgermeisterin erwartet also mit Sicherheit eine noch zerklüftetere Parteienlandschaft. Angenehmer wird das Regieren sicher nicht, zumal sich auch noch die Wirtschaft deutlich eingetrübt hat.