25.02.2019, 15:42 Uhr

Wolbergs-Prozess Sparkassen-Klage gegen die Staatsanwaltschaft? „Liegt bei der Rechtsabteilung“

Sparkassen-Vorstand Markus Witt (rechts, mit seinem Rechtsbeistand) vor dem Regensburger Landgericht. Foto: EcklSparkassen-Vorstand Markus Witt (rechts, mit seinem Rechtsbeistand) vor dem Regensburger Landgericht. Foto: Eckl

Am Montag sagte einer der drei Sparkassen-Vorstände Regensburgs im Wolbergs-Prozess aus. Auf die Frage hin, ob man wegen der Anklage Schadensersatzforderungen prüfte, sagte Markus Witt: „Das liegt bei der Rechtsabteilung.“

REGENSBURG Keinen Zweifel ließ am Montag vor dem Landgericht der Vorstand der Sparkasse, Markus Witt: „Herr Tretzel stand bei uns ganz oben auf der Liste für die Kundenakquise“, so Witt, einer von drei Sparkassen-Vorständen. Derzeit wird ja der letzte Komplex im Zusammenhang mit der sogenannten Spendenaffäre verhandelt, der am 6. März mit der Zeugenvernahme des Chefermittlers bei der Kripo in der Sache, Bernhard B., endet. Und auch Witts Zeugeneinvernahme ließ nur eine einzige Frage offen: Wie konnte ein solcher Kredit wie der überhaupt jemals in einer Anklage landen?

„Ich habe in meiner ganzen Geschäftstätigkeit noch nie so eine Bonität wie die von Herrn Tretzel gesehen“, sagte Witt wörtlich. Volker Tretzel, neben Wolbergs einer der vier Angeklagten in dem Verfahren, hatte „Bundesbank-Bonität“. Als er Anfang 2016 einen Kredit von der Sparkasse in Anspruch nimmt, liegen im Keller des Kreditinstitutes 130 Kilogramm Gold. Er wollte das Gold aus seinem Geschäfts- in das Privatvermögen übertragen – dazu brauchte er eine Zwischenfinanzierung. Weil die Sparkasse einen Eilbeschluss bei Wolbergs und bei der Regensburger Landrätin Tanja Schweiger dafür einholte, wirde der Kredit angeklagt. Lange wurde in örtlichen Medien spekuliert, dass 1,17 Prozent Zinsen und Gebühren für 4,5 Millionen Euro Kredit ohne Sicherheiten zu günstig seien. Witt entgegnete: „Rechnet man 0,4 Prozent Strafzins dazu, die für liquide Mittel bei der Zentralbank zu bezahlen gewesen wären, war das Geschäft sogar noch besser.“ Witt hatte selbst Besuch von der Staatsanwaltschaft bekommen, man hatte dem Sparkassen-Vorstand eröffnet, er werde der Untreue verdächtigt. Auf die Frage von Wolbergs Verteidiger Peter Witting, wie er das fand, sagte Witt wörtlich im Zeugenstand: „Ich fand das unfassbar.“ Am Ende wurde ohnehin nie ein Ermittlungsverfahren gegen Witt eröffnet. Doch die Staatsanwaltschaft hatte damals, während Wolbergs in Untersuchungshaft saß, durchaus Druck auf Personen wie Witt ausgeübt, indem sie strafrechtliche Ermittlungen androhte.

Wolbergs erklärte am Montag erneut, er fordere die Sparkasse auf, gegen die Staatsanwaltschaft und den Freistaat Bayern wegen Geschäftsschädigung zu klagen. Witting fragte Witt, ob das erwogen wird. Der Sparkassen-Chef antwortete wörtlich: „Diese Frage liegt derzeit bei der Rechtsabteilung.“ Ein fahles Licht warf Witts Aussage auch auf Christian Schlegl, früherer Kontrahent um den OB-Posten Wolbergs‘. Der hatte den Ermittlern damals interne Unterlagen der Sparkasse übermittelt, „um meinen Mandanten anzuzünden“, so Witting. Ob Witt etwas zu den Papieren sagen könnte, die Schlegl überreicht hatte? „Das ist selbstverständlich ein internes Papier“, sagte Witt daraufhin. Wolbergs legte nach: „Dann muss die Staatsanwaltschaft doch auch hier ermitteln!“