28.01.2019, 12:38 Uhr

Verkehrspolitik Regensburg will 25 Prozent des Verkehrs auf das Fahrrad verlagern!

So sieht es derzeit am Regensburger Hauptbahnhof aus. (Foto: mh)So sieht es derzeit am Regensburger Hauptbahnhof aus. (Foto: mh)

Die Regensburger Stadträte wollen 25 Prozent des Verkehrs auf das Fahrrad verlagern. Derzeit sind es 19 Prozent. Doch Beispiele wie etwa Ingolstadt zeigen: Deshalb fahren nicht weniger Autos, sondern die Busse verlieren Kunden.

REGENSBURG Einerseits bekommt Regensburg nicht die besten Noten in Sachen Fahrrad-Freundlichkeit. Mit einer 3,7 – also ausreichend – bewerteten Teilnehmer einer Umfrage des Fahrrad-Verbandes ADFC die Zustände in der Stadt. Andererseits ist Regensburg ohnehin schon eine Radler-Stadt: 19 Prozent des Verkehrs wird mit dem Rad zurückgelegt. Zum Vergleich: In Bayern sind es bislang nur wenig mehr als zehn Prozent.

Dabei gibt es massive Probleme für Radfahrer in Regensburg. Eine Katastrophe ist beispielsweise die Situation am Dachauplatz. Diese Strecke wird aber häufig von Studenten auf dem Rad genutzt, die sich die Straße mit dem Autoverkehr und mit den zahlreichen Bussen teilen müssen. Es ist schlicht ein Wunder, dass noch nicht mehr geschehen ist. In den Fokus nimmt die Koalition auch die Ostengasse, den Stobäusplatz, die Radwege in der Galgenberg- und Landshuter Straße sowie Brücken und Stege nach Sinzing. Zudem sollen neue Abstellanlagen in der Stadt geschaffen werden. Über die Einführung eines Leihradsystems wurde bereits im letzten Jahr abgestimmt. Auch die täglichen Probleme werden angesprochen: „In Straßen ohne Radverkehrsanlagen fühlen sich Radler bei Tempo 50 auf der Fahrbahn unsicher. In der Folge weichen die Radler zum Teil auf die Gehwege aus. Damit entstehen neue Konflikte mit Fußgängern“, heißt es etwa. Regensburg indes will es, wohl auch wegen der Regierungsbeteiligung der Grünen und einiger radfreundlicher SPD-Stadträte, besonders gut machen. So soll der Anteil des Radverkehrs von derzeit 19 auf 25 Prozent gesteigert werden bis ins Jahr 2030.

Doch das Beispiel Ingolstadt zeigt, dass das nicht unbedingt die Straßen vor dem motorisierten Verkehr entlastet. 1999 machte der Radverkehr noch 19 Prozent des gesamten Verkehrs in Ingolstadt aus, das Auto lag bei 54 Prozent, der ÖPNV lag bei neun. Bis 2015 schrumpfte der Anteil des Busses auf sieben, der Radverkehr nahm auf 21 Prozent zu – das Auto blieb bei 53 Prozent Anteil am Verkehr insgesamt. Zu Deutsch: Mehr Radverkehr bedeutet in der Regel weniger Busfahrer. Klar ist aber auch: So weiter wie bisher kann es nicht mehr gehen. Die Stadt platzt aus allen Nähten. Täglich pendeln 75.000 Menschen nach Regensburg, um hier zu arbeiten, allein 40.000 davon sind aus dem Landkreis. Und die werden wohl auch weiterhin nicht mit dem Rad nach Regensburg fahren.