01.11.2018, 08:28 Uhr

Drittes Geschlecht Männlich, weiblich – und erstmals sucht die Stadt auch einen diversen Kulturreferenten

(Foto: Stadt Regensburg)(Foto: Stadt Regensburg)

Mancher rieb sich die Augen, als er die Ausschreibung für den wichtigen Posten des Kulturreferenten der Stadt Regensburg gesehen hat. Gesucht wird nicht nur eine kulturell gut vernetzte und kreative Person, die Regensburg in Sachen Kultur und Welterbe weiter voranbringt. Sondern auch eine, die weder männlich noch weiblich ist, sondern auch „divers“ sein kann.

REGENSBURG Klemens Unger geht kommendes Jahr in Ruhestand, auch wenn der Kulturreferent häufig heftigen politischen Attacken ausgesetzt war, so hat er doch den Welterbetitel für die Domstadt 2006 an Land gezogen und das Museum der Bayerischen Geschichte. Doch erstmals sucht die Stadt nicht nur einen weiblichen oder männlichen Nachfolger für Unger. Im Inserat der Stadt heißt es „m/w/d“ – das „d“ steht für „divers“, also Personen, die weder männlich noch weiblich sind. Die Stelle des Kulturreferenten ist nicht die einzige, die intersexuell ausgeschrieben wird. Auch ein Koch für die Stadt wird nicht nur unter den Männern und Frauen gesucht, sondern auch unter dem Dritten Geschlecht. Doch wie viele Menschen gibt es eigentlich in Regensburg, die im Standesamt das dritte Geschlecht haben eintragen lassen? Stadtsprecherin Juliane von Roenne-Styra kann das nicht genau sagen. „Aktuell ist es noch nicht möglich, sich mit ,divers‘ eintragen zu lassen. Dem Gesetzgeber wurde vom Bundesverfassungsgericht eine Frist bis zum 31. Dezember 2018 gesetzt, um festzulegen, wie eine Neuregelung aussehen kann“, so von Roenne-Styra. Man wisse also nicht, wie viele es sind.

Hintergrund ist die Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts vom Oktober letzten Jahres, das „dritte Geschlecht juristisch anzuerkennen“, so die Sprecherin. Dass man nun mit dem Hinweis „m/w/d“ Stellen wie die des Kulturreferenten ausschreibt, ist auch innerhalb der Stadt Regensburg nicht unumstritten, räumt die Stadtsprecherin ein. Nicht aber deshalb, weil sich beispielsweise transsexuelle Männer ja eben als Frauen verstanden wissen wollen und transsexuelle Frauen eben als Männer, sich die Frage des Dritten Geschlechts also gar nicht stellt. Nein, es geht darum, ob man lieber ein „Gender-Sternchen“ verwenden soll. „Das Sternchen als Platzhalter für Diversität und Intersexualität ist jedoch umstritten. In der Praxis scheint sich das Kürzel ,m/w/d‘ durchzusetzen. Die Stadt hat sich – vorerst – für diese Version entschieden“, so die Sprecherin.

Bürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer steht jedenfalls voll und ganz hinter dem „d“ in den Inseraten. „Die Karlsruher Richter haben entschieden, ein drittes Geschlecht jenseits von Mann und Frau anzuerkennen. Auch wenn damit noch nicht alle Probleme in Sachen Diskriminierung gelöst sind, ist dieses Urteil in meinen Augen ein wichtiges Signal“, so die SPD-Politikerin.

Übrigens hat auch der deutlich konservativer regierte Landkreis Regensburg damit begonnen, mit dem dritten Geschlecht zu inserieren. „Seit Anfang dieses Monats wird bei Stellenausschreibungen des Landkreises das Kürzel m/w/d verwendet“, so der Pressesprecher von Landrätin Tanja Schweiger.