30.08.2018, 09:19 Uhr

Trotz zweifelhafter NS-Vergangenheit Die Rommel-Straße am Braunberg bleibt

Adolf Hitler mit dem Nazi-OB Otto Schottenheim in Regensburg: Bis heute gibt es Straßen, die an Generäle des 1. Weltkrieges erinnern, aber auch die „Danziger Freiheit“, die an einen perfiden Spruch der Nazis erinnert. Foto: Stadt Regensburg/Bilddokumentation (Foto: Stadt Regensburg)Adolf Hitler mit dem Nazi-OB Otto Schottenheim in Regensburg: Bis heute gibt es Straßen, die an Generäle des 1. Weltkrieges erinnern, aber auch die „Danziger Freiheit“, die an einen perfiden Spruch der Nazis erinnert. Foto: Stadt Regensburg/Bilddokumentation (Foto: Stadt Regensburg)

Immer wieder geraten Straßennamen ins Visier, wenn sie historisch vorbelastet sind. Jetzt lehnte ein Oberpfälzer Gemeinderat die Umbenennung einer Erwin-Rommel-Straße ab – ausgerechnet am Braunberg in Bruck heißt eine Straße nach wie vor nach dem Generalfeldmarschall der Wehrmacht. Doch das ist kein Einzelfall.

BRUCK IN DER OBERPFALZ/REGENSBURG Das Rad der Geschichte lässt sich nicht zurückdrehen, heißt eine Redensart. Doch eine gewisse Hygiene in historischen Angelegenheiten gehört oft zum guten politischen Ton. In der Oberpfalz nimmt man das aber offenbar nicht so genau – und hat sich jetzt, ziemlich politisch unkorrekt, gegen die Umbenennung eines Straßennamens gewandt.

Ein Bürger hatte sich an den Marktgemeinderat von Bruck in der Oberpfalz gewandt, um eine Straße zu entfernen, deren Namen durchaus einen fahlen Beigeschmack hat. Es geht um die Erwin-Rommel-Straße – und die liegt ausgerechnet in der Siedlung Braunberg.

Dabei wurde der Name 1976 für eine Neubau-Siedlung gewählt. Damals hätte man sich einfach keine Gedanken gemacht, „man wollte sicher keine NS-Vergangenheit herbei beschwören“, sagte dann auch der Landtagsabgeordnete der Freien Wähler, Joachim Hanisch, der in Bruck im Gemeinderat sitzt. Und dieser Rat lehnte die Umbenennung mehrheitlich ab. Begründung: Die Anwohner seien gegen eine Umbenennung.

Nun ist der Namensgeber der Straße nicht eindeutig eine Nazi-Größe gewesen. Erwin Rommel, im Dritten Reich bekannt unter seinem Spitznamen „Der Wüstenfuchs“, musste sich auf Weisung des Diktators Adolf Hitler das Leben nehmen. Für manche ist er ein Held, für andere verkörpert er die Wehrmacht, die so viel Leid über Europa brachte.

In ganz Deutschland gibt es indes Straßen, deren Namen denkwürdig sind und an eine blutige Vergangenheit erinnern. In Regensburg gab es jahrelang einen Streit um die Florian-Seidl-Straße, ein Dichter, der vor allem in der NS-Zeit Erfolge feierte. Nach langer Debatte wurde sie schließlich umbenannt. Als die Justizvollzugsanstalt erweitert wurde, benannte man ein Stück der Ladehofstraße um, denn die JVA wollte im Briefkopf nicht mit dem Straßennamen zeichnen – er erinnere zu sehr an die dunkle Vergangenheit des Bahnhofs, an dem auch Deportationen in der NS-Zeit stattfanden. Eine Graf-von-Spee-Straße gibt es dort noch heute – der Graf spielte eine Rolle in der Kolonialzeit des Kaiserreichs, die Nazis benannten das Panzerschiff „Admiral Graf Spee“ nach ihm. Zudem gibt es eine Admiral-Scheer-Straße und eine Admiral-Hipper-Straße, beides Militärs im Ersten Weltkrieg. Und überhaupt ist die Danziger Freiheit benannt nach einer Parole der Nazis, die Danzig wieder „heim ins Reich“ holen wollten, wie eine weitere perfide Parole damals lautete.

Oft sind die Namen der Straßenpatrone aus einer längst vergangenen Zeit und kaum mehr jemand kennt ihre Bedeutung. So kann es sein, dass noch viele Generäle aus der Kolonialzeit, die blutige Massaker in Auftrag gaben, noch heute Straßenschilder und Briefköpfe zieren. Zumindest das ist anders bei Erwin Rommel: Den kennen die meisten noch aus den Geschichtsbüchern.