24.08.2018, 08:31 Uhr

Keine Bänke erwünscht Anwohner machen mobil gegen die Party-Altstadt Regensburg

Anwohner in der Wahlenstraße wollen gegen das Sanierungskonzept der Stadt protestieren. Foto: ceAnwohner in der Wahlenstraße wollen gegen das Sanierungskonzept der Stadt protestieren. Foto: ce

Nicht jedem passt das Sanierungskonzept für die Wahlenstraße: Vor allem die Sitzbänke sind vielen Anwohnern ein Dorn im Auge.

REGENSBURG Die Domstadt ist ein Juwel, daran gibt es keinen Zweifel. Doch offenbar wissen das zwischenzeitlich schon sehr, sehr viele Menschen: Die Belastung mit Touristen, Party-Volk und Gästen aus nah und fern ist mit der Zeit für Anwohner in der Altstadt zur Belastung geworden.

Das ist wohl auch der Grund, warum Anwohner in der Wahlenstraße nun mobil machen – und zwar ausgerechnet dagegen, dass ihre Straße im Auftrag der Stadt Regensburg attraktiver gemacht wird. Im Internet starteten sie eine Online-Petition, die dem Stadtrat nahelegen soll: Bitte macht die Straße nicht zu schön!

„Die Wahlenstraße ist eine der schönsten und historisch bedeutsamsten Straßen in Regensburg“, heißt es darin. „Der Regensburger Stadtrat hat am 26.07.2018 eine Beschlussvorlage zur Neugestaltung der Wahlenstraße genehmigt, die das Errichten von zwei mehrere Meter langen Längsstufen und sechs großen Natursteinbänken vorsieht“, so die Anwohner weiter. „Das halten wir für unverantwortlich!“ Begründung: Der Lärm nachts, aber auch tagsüber nehme so noch mehr zu! „Sitzgelegenheiten an attraktiven Plätzen werden erfahrungsgemäß auch zu Belästigungsquellen. Durch die geplanten Stufen und Bänke ist mit Picknickgruppen tagsüber und Partyvolk nachts, also mit noch mehr Müll und noch mehr Lärm zu rechnen“, so die Anwohner.

Lautstarke Gröhler ziehen durch die Wahlenstraße

In einem Video demonstrieren sie, wie es nachts in der Wahlen-straße zugeht. Und dabei sind es nicht nur die Betrunkenen, die einfach einen über den Durst getrunken haben und schreiend durch die Gassen ziehen. Auch das ganz normale Gespräch vor dem Degginger etwa, das die Stadt betreibt, wird zur Lärmplage, wenn 20 Leute davor stehen. Doch wird das schlimmer?

Bei der Stadt Regensburg weist man die Vorwürfe der Anwohner, insbesondere, sie nicht beteiligt zu haben, vehement zurück: So habe es laut Sprecherin Juliane von Roenne-Styra bereits im Mai 2017 und später im Juli Diskussionen mit Anwohnern und einer Debatte mit dem Pro und Contra gegeben, wie die Entwürfe zu bewerten seien. „Die Petition richtet sich vorwiegend gegen die Abstufung im Straßenraum sowie deren Kenntlichmachung durch Sitzblöcke“, sagt die Sprecherin.

Zudem sei es bei der Neugestaltung der Straße auch darum gegangen, behinderten und blinden Menschen nach dem Wegfall des Bordsteins die Abgrenzung der Straße zu signalisieren, dies geschehe mit Hindernissen, die man eben auch gleich als Sitzmöglichkeiten nutzen kann. Damit sollen „ältere Menschen auch mal rasten können“, so die Sprecherin.

KOMMENTAR

Das Welterbe verroht

Städte wie Dubrovnik, Tallinn, Bratislava, Salzburg und Venedig sollten Mahnmale sein für Regensburg: In ihrem historischen Kern weht zwar das Welterbe-Fähnchen, wohnen will da aber keiner mehr. Die Städte sind zu Freilichtmuseen geworden, die Millionen von Touristen anziehen. Dazu kommt eine rot-grüne Stadtpolitik, die kein anderes Ziel hat, als Fußgänger und Radfahrer dem bösen Autofahrer zu bevorzugen. Kann man machen, aber auf diese Weise zerstört man eine bislang noch intakte Infrastruktur in der Altstadt: Die alteingesessene Bevölkerung wird herausgedrängt, teure Altstadtsanierungen führen zu immensen Preisen, die sich nur noch Reiche leisten können – die sich in den Hinterhof zurückziehen, wenn es vorne zu laut ist. Regensburg in 20 Jahren? Salzburg lässt grüßen!