21.06.2018, 19:41 Uhr

Sea-Eye Niederlande entzieht Seefuchs seerechtlichen Status – Italien prüft Ermittlungen

Die „Seefuchs“ auf dem Mittelmeer im Einsatz. (Foto:  Sea-Eye e.V.)Die „Seefuchs“ auf dem Mittelmeer im Einsatz. (Foto: Sea-Eye e.V.)

Die Niederlande haben der Seefuchs, dem Schiff der Hilfsorganisation Sea-Eye, den seerechtlichen Status entzogen. Gleichzeitig prüft die italienische Justiz ein Ermittlungsverfahren. Die Mannschaft der Seefuchs entschied, die Küste vor Libyen wieder zu verlassen, ohne Migranten auf das Boot genommen zu haben.

REGENSBURG/VALETTA Dramatische Lage auf dem Rettungsschiff Seefuchs der Hilfsorganisation Sea-Eye: Nachdem Sea-Eye seit 2016 im Mittelmeer mehr als 14.000 Menschen aus Seenot rettete, hat gestern das niederländische Verkehrsministerium per Mail dem Rettungsschiff Seefuchs den seerechtlichen Schutzstatus entzogen. Die Seefuchs befand sich zu diesem Zeitpunkt in den internationalen Gewässern vor der libyschen Küste, um in Seenot geratene Flüchtlinge zu retten. Die Crew – ausschließlich Freiwillige – hatte aufgrund dieser neuen Situation keine andere Wahl, als die Rettungsmission abzubrechen und die Rückfahrt nach Valletta anzutreten.

Nahezu zeitgleich wies der Verkehrsminister der neuen italienischen Regierung die italienische Küstenwache an, den seerechtlichen Status der Seefuchs zu überprüfen und gegebenenfalls ein Ermittlungsverfahren zu eröffnen. „Wir haben ausschließlich aus sozialen Netzwerken davon erfahren, dass der italienische Verkehrsminister Danilo Toninelli am Flaggenstatus der Seefuchs zweifelt. Daher nahmen wir selbst am Montag Kontakt mit unserem Flaggenstaat den Niederlanden auf, um schließlich am Mittwoch per Email zu erfahren, dass man sich dort tatsächlich nicht mehr für uns verantwortlich fühlt. Nach mehr als zwei Jahren intensiver Zusammenarbeit mit den italienischen und niederländischen Behörden ist diese Vorgehensweise absolut unverständlich. „, erklärt Gorden Isler von Sea-Eye e.V.. „Wir müssen nun in erster Linie an die Sicherheit unserer Crew denken und konnten die dringliche Mission nicht mehr weiterführen und empfahlen dem Kapitän ausdrücklich Kurs auf Valletta zu nehmen. Dabei wurden gerade heuteüber 450 Menschen auf drei Schlauchbooten gesichtet.“

Die Seefuchs hält jetzt Kurs auf Malta, wo sie am Freitagmorgen in den Hafen einlaufen wird. Der ehrenamtliche Vorstand von Sea-Eye bemüht sich nun um eine Klärung der neuen Situation. Der Vorsitzende des Vereins Prof. Dr. Tilman Mischkowsky erklärt weiter: „Wenn die zivilen Rettungsorganisationen, die auch in diesem Jahr schon viele Flüchtlinge vor dem Ertrinken gerettet haben durch politische Ränke an weiterem Einsatz gehindert werden, bedeutet das den sicheren Tod vieler unschuldiger Menschen. Die Vergangenheit lehrt uns unmissverständlich, dass die staatlichen Organisationen, die nach internationalem Recht zur Rettung verpflichtet sind offensichtlich nicht in der Lage sind, die Rettungseinsätze so zu organisieren, dass möglichst wenige Menschen sterben müssen. Das gilt insbesondere und nachweisbar für die sogenannte Libysche Küstenwache.“