09.05.2018, 16:50 Uhr

Konzert-Absage gefordert Homosexuelle entsetzt über Auftritt von „Bounty Killer“

Regensburg ist eine bunte Stadt, das beweist der jährlich veranstaltete Umzug zum Christopher-Street-Day. Während ein Konzert in Berlin des jamaikanischen Sängers „Bounty Killer“ abgesagt wurde, soll es in Regensburg stattfinden. (Foto: Ursula Hildebrand)Regensburg ist eine bunte Stadt, das beweist der jährlich veranstaltete Umzug zum Christopher-Street-Day. Während ein Konzert in Berlin des jamaikanischen Sängers „Bounty Killer“ abgesagt wurde, soll es in Regensburg stattfinden. (Foto: Ursula Hildebrand)

Der jamaikanische Sänger „Bounty Killer“ habe sich öffentlich nicht von seinen Hass-Texten gegen Homosexuelle distanziert, argumentiert der Verein Resi e.V.. Ausgerechnet einen Tag vor einer Party für Homosexuelle soll er im Mischwerk auftreten. In Berlin indes entschieden sich die Anbieter einer Kulturbühne jetzt für eine Absage.

REGENSBURG Nein, eine Distanzierung sieht anders aus. Am 11. Mai soll der jamaikanische Reggae-Sänger „Bounty Killer“ im Regensburger Mischwerk auftreten (das Wochenblatt berichtete). Proteste von politischer Seite – die Grünen forderten über diverse Abgeordnete, ein 2009 abgelaufenes Einreiseverbot nach Deutschland wieder in Kraft zu setzen – verhallten bislang. Pikant: Am 12. Mai, also einen Tag nach dem Konzert, lädt man zur „Candylicious-Party“, einer Party von und für Homosexuelle und ihre Freunde ins Mischwerk ein. Eine Distanzierung der Plattenfirma von Bounty-Killer ist dem Schwulen- und Lesbenverein Resi e. V., der sich seit vielen Jahren in Regensburg für die Akzeptanz Homosexueller einsetzt, nicht genug.

„Mehrfach bewiesen, dass er Hass schürt“

Wörtlich erklärte die Resi Anfang der Woche: „Die Regensburger Schwulen- und Lesbeninitiative Verein gegen die Diskriminierung von Homosexualität fordert, den für den 11. Mai in der Regensburger Diskothek Mischwerk geplanten Auftritt des jamaikanischen Hass-Sängers Bounty Killer nicht stattfinden zu lassen.“ Der Sänger habe in seinen Texten mehrfach bewiesen, dass er zu Hass und Gewalt gegen Minderheiten aufrief. Als Beispiel zitierte die Resi diesen Text: „Wir entfachen ein Feuer für euch stinkende Schwuchteln und Parasiten. Jamaika wird niemals zulassen, dass ihr unser Paradies beschmutzt.“

Das Mischwerk selbst hatte jede Verantwortung von sich gewiesen, da man vertraglich gebunden sei. Die Plattenfirma erklärte dies: „Es ist zu konstatieren, dass etwaige homophobe Inhalte in früheren Musikstücken von dem Künstler aus diesen herausgestrichen und durch andere, unproblematische Textpassagen ersetzt wurden.“

Eine ähnliche Debatte gab es in Berlin, wo der Sänger einen Tag vorher in einem Kulturzentrum auftreten sollte. Zunächst hatten die Betreiber des Veranstaltungsorts sich mit der Verpflichtung des Sängers zufriedengegeben. Abgesagt wurde das Konzert indes, weil sich der Sänger öffentlich nie von den Texten distanziert hätte – und bis heute mit dem Vertrieb der Songs Geld verdiene. Auch die Resi sieht das so, sie fordert zudem die Stadt Regensburg auf, „einen Auftritt (...) zu verbieten“. Das dürfte allerdings schwierig werden, da der Sänger zugesichert hat, die Texte nicht zu wiederholen.

Update: Mit einer Aktion unter dem Motto #SayNoToHate wollen die Veranstalter der Candyliscious-Party am 12. Mai protestieren. Mehr Infos gibt es hier auf Facebook: Link.