05.04.2018, 14:20 Uhr

Umweltverschmutzung Die Luft wird seit Jahren besser – trotz Messung dicht an der Straße!


Die EU schreibt einen Abstand von mindestens zehn Metern bei Meßstationen vor, es sollten sogar 25 sein. In Regensburg ist sie angeblich sechs Meter vom Straßenrand entfernt. Wer da mal hinschaut, stellt fest: Das sind niemals sechs Meter!

REGENSBURG Es gibt Dinge, die will jeder haben. Weltfrieden beispielsweise. Und natürlich auch saubere Luft. Dabei fragt man sich manchmal, wie das gehen soll: Bis zum Juni 2017 waren in Regensburg mehr als 91.000 Autos zugelassen. Im Jahr 2000 waren es noch 10.000 weniger. Und trotzdem wollen alle saubere Luft – nun, in homöopathischen Mitteln wird dafür auch etwas getan: Die Umweltzone soll es richten. Wie das Wochenblatt berichtete, verteilt die Stadt derzeit bereits kräftig Knöllchen. Doch jetzt kommen Zweifel auf an der Art und Weise, wie das Landesumweltamt auch in Regensburg die Luftqualität misst. Der Verdacht gärt schon lange: Angeblich ist die Messstation zu nahe an der Straße.

In Regensburg steht diese nämlich ausgerechnet an der D.-Martin-Luther-Straße, faktisch die am meisten befahrene Straße innerhalb der Regensburger Altstadt. Wörtlich heißt es in der Fortschreibung des Luftreinhalteplans der Regierung der Oberpfalz über die Messstation: „Der Messcontainer steht etwa sechs Meter von der Fahrbahn entfernt.“

Sechs Meter – aber halt: Ist das ein Abstand, der präzise Daten über die Luftverschmutzung an dieser Stelle bietet?

Nun, zumindest gibt es daran Zweifel. Und wieder scheint es so zu sein, dass die Deutschen es doppelt genau nehmen – egal, wie sinnvoll das wissenschaftlich ist. Denn eigentlich sieht die entsprechende EU-Richtlinie vor, dass die Messstationen einen Abstand von 25 Metern zum fließenden Verkehr haben sollen, damit sie verlässliche Werte liefern. Doch in Regensburg ist diese Station, siehe vorne, lediglich sechs Meter entfernt. Jetzt argumentieren Umweltschützer, es würde sich bei den 25 Metern um einen Höchstabstand handeln, die zulässige Entfernung zum Verkehr liege zwischen 25 und zehn Metern. Das kann sein – damit wäre die Regensburger Messstation aber immer noch um vier Meter zu nah am fließenden Verkehr. Derweil ist ein Streit darüber entbrannt, ob die Ergebnisse des Bayerischen Landesamts für Umwelt überhaupt verlässlich sind. Dessen Präsident sagt, ja: „Wir garantieren für die Werte, die wir an unseren Luftmessstationen messen“, sagt Claus Kumutat. Doch ein Wissenschaftler der LMU München widerspricht: „Es ist schon ein Unterschied, wie nah man an der Straße misst. Da machen ein paar Meter etwas aus“, so der Wissenschaftler Mark Wenig.

In Regensburg zeitigen die Abgaswerte seit Jahren einen Trend: nach unten. Seit 1992 hat die Schadstoffbelastung massiv abgenommen.

Wer sich übrigens die Messstation vor Ort ansieht, hat Zweifel, dass es tatsächlich sechs Meter bis zur Straße sind ...