27.10.2017, 00:31 Uhr

Bereits achtes Treffen Ost-West-Forum der IHK informierte zu den Geschäftschancen in Osteuropa

Netzwerk über Ländergrenzen hinweg (Foto:Hannes)Netzwerk über Ländergrenzen hinweg (Foto:Hannes)

Bayerische Unternehmen haben zwischen Prag und Wladiwostok wieder gute Geschäftschancen. Der Markteintritt und die Marktbearbeitung in Osteuropa fordern jedoch heraus. Das war die Kernbotschaft des 8. Ost-West-Forums Bayern am Mittwoc, 25. Oktober, in der IHK Regensburg für Oberpfalz/Kelheim.

REGENSBURG Wer in Osteuropa gute Geschäfte machen wolle, der brauche viele Kontakte und einen langen Atem, verdeutlichte Michael Harms, Geschäftsführer des Ost-Ausschusses der Deutschen Wirtschaft. Sein Rat: „Suchen Sie sich Markt-Alternativen in den kleineren aber dynamischen Staaten in Mittelost- und Südosteuropa.“ Der Blick geht dabei auf das noch unentdeckte Albanien und nach Bulgarien, aber auch auf Tschechien mit seiner guten Industriestruktur. Harms erläuterte die wirtschaftliche Entwicklung in Mittel- und Osteuropa und wie sich die Beziehungen zu Russland angesichts der erneut verlängerten Sanktionen der EU entwickeln werden.

Rund 100 Unternehmensvertreter nahmen an den Länderpanels zu Tschechien, Russland, Aserbaidschan, Albanien und Bulgarien teil, wo sie von Experten u. a. der Auslandshandelskammern informiert wurden. „Es zeigt sich, in Osteuropa geht wieder was“, resümiert der IHK-Außenhandelschef Dr. Alfred Brunnbauer von der Veranstaltung. Jeder Markt habe unterschiedliche Herausforderungen und biete seine Chancen. Damit der Weg zum Zielmarkt kürzer wird, unterstützt der Freistaat Bayern kleine und mittelständische Unternehmen bei der Geschäftsanbahnung. Die Angebote von Messebeteiligungen bis zur Delegationsreise stellte Martin Großmann, Referatsleiter Osteuropa im bayerischen Wirtschaftsministerium, vor.

Wer kennt Tirana?

Albanien, noch außerhalb der EU, hat in den letzten Jahren eine stabile Konjunktur. Hartmut Jarosch, Leiter der Deutschen Industrie- und Handelsvereinigung in Tirana, weiß: „Das Wirtschaftswachstum ist trotz der anhaltenden Finanzkrise auf dem Balkan durchgehend positiv, im Mittel plus fünf Prozent.“ Die albanische Wirtschaft werde dominiert vom Handels- und Dienstleistungssektor. Weitere Wachstumsmotoren seien die Textil- und Schuhindustrie, die Lohnveredelung vor allem für italienische Firmen, Tourismus, Telekommunikation, Bergbau und Energie.

Baku bietet mehr als Öl

Die aserbaidschanische Volkswirtschaft ist von der Erdöl- und Gasindustrie geprägt. Laut Tobias Baumann, Chef der Deutsch-Aserbaidschanischen IHK in Baku, „ist Deutschland für Aserbaidschan der wichtigste Wirtschaftspartner im Kaukasus“. Das Land liegt derzeit auf Platz fünf der wichtigsten Rohöllieferanten Deutschlands. Die Diversifizierung und Reform der Wirtschaft ist ein erklärtes Ziel der Regierung. Insbesondere die Landwirtschaft und der Einzelhandel haben sich 2016 positiv entwickelt. Ein wichtiger Handelspartner ist die EU, in die 2016 rund 43 Prozent aller Ausfuhren gingen. Die Importe aus der EU machten rund 20 Prozent der Gesamteinfuhr aus.

Endlich Stabilität im Bulgarien

Das EU-Bulgarien mausert sich aktuell zum interessanten Wachstumsmarkt. „Die neue Koalitionsregierung hat durch politischer Stabilität und Vorhersehbarkeit nun die grundlegende Anforderung von Unternehmen und Investoren erfüllt“, freut sich Dr. Mitko Vassilev, Leiter der Deutsch-Bulgarischen IHK in Sofia. „Das Wirtschaftswachstum ist 2017 sehr dynamisch.“ Er erwartet mehr Investitionen in dem Balkanland. Unterstützung kommt von EU-Mitteln der aktuellen Förderperiode. Der Außenhandel profitiert von der konjunkturellen Erholung im In- und Ausland. Die steigenden Inlandsinvestitionen dürften der Importdynamik neue Impulse geben.

Russland-Handel mit 30 Prozent plus

In Russland scheint die negative Wirtschaftsentwicklung der letzten drei Jahre gestoppt. „Fehlende strukturelle Reformen bleiben aber weiterhin ein großer Hemmschuh für Russlands Wirtschaft“, weiß Dr. Robert Breitner, Experte der Deutsch-Russischen Auslandshandelskammer in Moskau. Die seit 2014 verhängten EU- und US-Sanktionen, der Rubelverfall und die Ölpreisschwäche drückten die russische Wirtschaft nach unten. Trotz der Krise sind 5.300 von den ursprünglich über 6.000 Unternehmen mit einer deutschen Kapitalbeteiligung in Russland geblieben. Der bayerische Export nach Russland stieg im ersten Halbjahr 2017 im Vergleich zum Vorjahr schon wieder um 30 Prozent.

Premium-Partner Tschechien

Der Außenhandel Tschechiens hat 2016 mit rund 276 Milliarden Euro einen Rekordwert erreicht. Im gleichen Jahr war auch der Handel mit Deutschland bei einem Volumen von rund 81,6 Milliarden Euro auf einem neuen Höchststand. Bernhard Bauer, Leiter der Deutsch-Tschechischen Handelskammer würdigte das Engagement der hiesigen IHK: „Die besondere Bedeutung Tschechiens gerade für unsere Region hat die IHK Regensburg für Oberpfalz / Kelheim rechtzeitig erkannt und 2008 in Partnerschaft mit uns in Pilsen ein eigenes Projektbüro installiert.“ Das IHK-Regionalbüro in Pilsen unterstützt kleine und mittlere Unternehmen aus Ostbayern bei Ihren Vorhaben im Nachbarland. „Das lohnt sich, denn Tschechien ist für den IHK-Bezirk ein Premium-Partner“, fasste IHK-Mann Brunnbauer zusammen.


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