26.10.2018, 09:59 Uhr

Über 20000 Fahrgäste Ein Jahr autonom fahrender Bus in Bad Birnbach – eine Bilanz

Der erste autonom fahrende Bus im öffentlichen Nahverkehr feiert seinen 1. Geburtstag. (Foto: Holger Becker)Der erste autonom fahrende Bus im öffentlichen Nahverkehr feiert seinen 1. Geburtstag. (Foto: Holger Becker)

Bad Birnbach schreibt seit einem Jahr Verkehrsgeschichte mit dem ersten autonom fahrenden Bus auf öffentlichen Straßen.

BAD BIRNBACH Lautlos kommt er daher, der kleine Bus, der keinen Fahrer mehr hat – nur ein Fahrbegleiter ist noch an Bord. Der elektrisch betriebene Kleinbus trägt die Aufschrift „ioki“ – das steht für „Input Output künstliche Intelligenz“ – und gehört im Straßenbild Bad Birnbachs längst dazu. Mit ihrem Tochterunternehmen ioki bringt die Deutsche Bahn On-Demand-Mobilität und autonomes Fahren in den öffentlichen Verkehr. Dabei bietet ioki alle Services aus einer Hand, um etwa Städte oder kommunale Aufgabenträger in die Lage zu versetzen, unter eigenem Namen On-Demand-Mobilitätsangebote im öffentlichen Verkehr zu betreiben.

Genau seit 365 Tagen ist der erste autonom im öffentlichen Bereich fahrende Bus nun in Betrieb. Mehr als 20.000 Fahrgäste hat er in dieser Zeit befördert und dabei über 10.000 Kilometer autonom zurückgelegt. Kurt Vallèe, stellvertretender Landrat, sah von dem Projekt eine besondere Wirkung ausgehen. „Dass der autonome Bus hier im Landkreis, im ländlichen niederbayerischen Raum verkehrt, sendet auch ein deutliches Signal für die Zukunft der Mobilität im ländlichen Raum aus. Gerade hier bei uns sind Menschen in hohem Maße auf das Auto angewiesen“, erklärte er.

Dieses Projekt betone den Anspruch, Traditionen zu pflegen und gleichzeitig Innovationen gegenüber offen zu sein, Heimatverbundenheit mit Weltoffenheit zu verbinden. Beispiele hierfür gibt es viele, der Wettbewerb Zukunftsstadt, die geplante Entstehung eines digitalen Gründerzentrums im Landkreis, „aber eben vor allem auch dieses einzigartige Projekt „autonomer Bus“, das einen echten Leuchtturmcharakter hat“, so Vallèe.

In die gleiche Kerbe schlug Bad Birnbachs Bürgermeister Josef Hasenberger. „Bad Birnbach und der Landkreis Rottal-Inn haben mit dem ersten autonom im öffentlichen Bereich fahrenden Kleinbus ein Stück bundesdeutsche Verkehrsgeschichte geschrieben“, sagte er im Rahmen der Pressekonferenz. Er dankte allen Partnern im Projekt, Deutsche Bahn AG mit ioki, Landkreis Rottal-Inn, Hersteller EasyMile, TÜV Süd und der Regionalbus Ostbayern GmbH, die für einen reibungslosen Tagesbetrieb gesorgt habe. Die Fahrbegleiter hätten sich zur wichtigen Informationsquelle über den autonomen Bus, aber auch zum Werbeträger für den Rottaler Kurort entwickelt.

Warum man sich gerade hier im Rottal so intensiv mit dem Thema befasst, erklärte Josef Hasenberger auch. Im streusiedlungsreichsten Landkreis Deutschlands gebe es mehr Haltestellen, als die Stadt München aufweisen kann – nur eben entsprechend weniger Fahrgäste. Alleine der Markt Bad Birnbach hat dem Rathauschef zufolge eine Fläche von 70 Quadratkilometern. Hier leben rund 5.700 Menschen, allerdings verteilt auf 85 Ortsteile. „Ich denke, alleine daraus lässt sich ableiten, welche Potentiale wir hier für die Zukunft noch sehen“, blickte er voraus. 

Gute Nachrichten hatte auch Chris Büttner, Projektleiter Autonomes Fahren von ioki, im Gepäck: „Schon bald werden Fahrzeuge der zweiten Generation in Bad Birnbach eintreffen. Dann werden wir mit einer neuen Haltestelle den rund zwei Kilometer vom Ortskern entfernten Bahnhof näher an den Ortskern heran bringen. Durch die Verlängerung der Strecke deckt der Kleinbus dann die sogenannte letzte Meile ab und stellt die Anschlussmobilität sicher, sodass die Anreise bis ins Ortszentrum durch öffentliche Verkehrsmittel nahtlos abgedeckt wird. Dies erhöht den Komfort für Touristen und Einheimische erheblich.“


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