20.09.2019, 13:35 Uhr

Wahnsinnsansturm 5000 Teilnehmer bei Friday for Future-Demo in Passau

(Foto: Reidel)(Foto: Reidel)

Damit hatte wohl keiner gerechnet – SPD-Bezirksrat Winterer fordert, „Fridays for Future“ nicht ins Leere laufen zu lassen

PASSAU. Seit 12 Uhr findet heute, 20. September, in der Innenstadt eine Demonstration Friday for Future statt. Aufgrund des hohen Zustroms und einer Teilnehmerzahl von laut Polizeiangaben ca. 5.000 kommt es in der Innenstadt zu Verkehrsbeeinträchtigungen.

Bezirksrat und SPD-Landratskandidat Andreas Winterer aus Vilshofen fordert in einem offenen Brief an Landrat Franz Meyer, „Fridays for Future“ nicht ins Leere laufen zu lassen. Hier der Wortlaut:

„‘Wir wollen mehr Demokratie wagen‘ hat der ehemalige Bundeskanzler Willy Brandt in seiner Regierungserklärung 1969 gesagt und damit die Mitverantwortung aller gesellschaftlichen Gruppen gemeint, mit denen man ihm zufolge das Gespräch suchen müsse.

Miteinander sprechen kann doch nicht schaden, finde ich! Die gewählten Volksvertreter in der Politik, insbesondere auch die in der Kommunalpolitik, dürfen die Demonstrationen der „Fridays for Future“-Bewegung nicht einfach ins Leere laufen lassen. Wir frustrieren sonst eine ganze Generation, die wirklich etwas bewegen will für unser aller Zukunft. Besser ist es sie mit einzubinden und ihren Elan für die Bewältigung der großen Herausforderungen, die mit dem Klimawandel verbunden sind, zu nutzen. Die Parteien müssen generell lernen, mit Bürgerbewegungen besser zu kommunizieren, sie aufzugreifen und berechtigte Forderungen umzusetzen.

Ich fordere deshalb einen Runden Tisch im Landratsamt, zu dem die Kommunalpolitik die jugendlichen Demonstranten, begleitende Organisationen wie den Bund Naturschutz, aber auch betroffene Firmen mit ihren nachvollziehbaren Interessen einladen sollte. Die emotional aufgeladene Debatte um den Bannwald in Neuburg oder die doch etwas plakative und überzogene Forderung nach sofortiger Ausrufung des Klimanotstands zeigen, dass es Zeit ist, wieder zu einer konstruktiven und sachbezogenen Diskussion zurückzukehren.

Die Naturschützer haben Recht, wenn sie auf den hohen ökologischen Wert des gewachsenen Bannwaldes verweisen. Auf der anderen Seite ist die betroffene Firma ein anerkannter Ausbildungsbetrieb, der es verdient hat, dass die Kommunalpolitik seine wirtschaftliche Entwicklung unterstützt. Neue Lösungen findet man aber nur, wenn man nicht übereinander, sondern miteinander spricht.

Im Sinne von „Global denken – lokal handeln“ sind wir auch vor Ort gefragt, unseren Beitrag für Klima- und Artenschutz sehr ernsthaft zu leisten. Der Landkreis Passau hat über Jahre ein eigenes Klimaschutzkonzept mit vielen guten Ansätzen entwickelt. Darüber könnte man den Demonstranten viel berichten und selbstbewusst aufzeigen, welche großen Anstrengungen auch in unseren Gemeinden bereits unternommen werden, um unser Klima zu schützen und die Biodiversität zu erhöhen. Andererseits stimmt es schon, dass wir unsere Anstrengungen noch weiter erhöhen müssen, denn viel Zeit bleibt nicht mehr, um der Klimaerwärmung samt ihren Folgen gegenzusteuern.

Ich bin überzeugt, dass uns die junge Generation viele wichtige Impulse für die Weiterentwicklung unserer Projekte geben kann. Wie ist es zum Beispiel möglich, den ÖPNV in der Region so attraktiv zu machen, dass Familien in einem ersten Schritt auf das Zweitauto verzichten können? Wie verhelfen wir der E-Mobilität zum Durchbruch? Wie wollen die jungen Menschen in Zukunft nachhaltig wohnen und arbeiten – Stichwort Flächenverbrauch – und was bedeutet für sie überhaupt Lebensqualität? Wir sprechen viel über Rückkehrprogramme aus den Metropolen, aber vielleicht spielen Natur und Umwelt für Absolventen und junge Erwerbstätige eine viel größere Rolle in ihren Überlegungen als wir bisher gedacht haben.

Auf die jungen Leute zuzugehen und sie zu einer (regelmäßigen) Gesprächsrunde einzuladen, wäre ein Zeichen von Stärke! Nur im gleichberechtigten Dialog kann man Lösungen finden, die von allen Seiten getragen werden. Wir sollten meiner Meinung nach mutiger sein und diesen Schritt gehen. Natürlich muss dieser Runde Tisch, an dem auch die Schüler teilnehmen sollen, selbstverständlich nur außerhalb der Unterrichtszeit stattfinden. Die jungen Leute haben aber bewusst auch in den Sommerferien demonstriert und dadurch bewiesen, dass es ihnen um wesentlich mehr geht, nämlich um nichts weniger als ihre Zukunft. Wir haben als Kreistag auch die moralische Pflicht, diese Sorgen um die Zukunft sehr ernst zu nehmen. Ich bitte dich deshalb um die Unterstützung meines Anliegens!“


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