19.09.2018, 15:26 Uhr

Landrat Meyer zum offenen Brief von AfD-Funktionär Robert Adolf Schregle „Erinnert an dunkelste Zeiten deutscher Geschichte“

Landrat Franz Meyer (Foto: Landratsamt Passau)Landrat Franz Meyer (Foto: Landratsamt Passau)

Das Schreiben Schregles wurde an das Polizeipräsidium Niederbayern weitergeleitet.

PASSAU. Absurd und entlarvend, was die wahre Gesinnung mancher AfD-Funktionäre betrifft.“ So urteilt Landrat Franz Meyer über die am Dienstag per offenen Brief an ihn gerichtete Rücktrittsforderung des AfD-Bezirkstagskandidaten (Passau Ost), Robert Adolf Schregle. Auch wenn das in weiten Teilen inhaltlich wirre Schreiben in erster Linie auf öffentliche Aufmerksamkeit abziele, müsse er darauf reagieren, so der Passauer Landrat. Schließlich erinnere Stil, Wortwahl und Inhalt des Schreibens leider an dunkelste Zeiten deutscher Geschichte. Solche öffentlichen Entgleisungen, wie sie auch Meyers Landrats-Kollege in Deggendorf und Landkreistag-Präsident Christian Bernreiter erleben musste, seien ein Skandal und ein Angriff auf Demokratie, Rechtsstaat, Freiheit und Anstand.

Wer, wie es Herr Robert Adolf Schregle in seinem Schreiben tut, von einem Landrat als „Befehlsempfänger der Reichskanzlerin“ spricht, sich allen Ernstes als „politisch Verfolgter im Deutschland des Jahres 2018“ bezeichnet und die gesetzlich geregelte Behandlung minderjähriger unbegleiteter Flüchtlinge als „Untreue“ eines Landrats im Amt wertet, kann entweder hoffen, nicht ernst genommen zu werden oder aber er zeigt ein Maß an politischer Verblendung, die Angst mache, so der Landrat. Er habe in über vier Jahrzehnten politischer Arbeit eine solche verquere Sichtweise und völlige Verkennung der Realität noch nicht erlebt.

Der Landrat warnt davor, das Schreiben Schregles als hilflose Verzweiflungstat im Wahlkampf eines weitgehend unbekannten Kandidaten abzutun. Immerhin bewerbe sich dieser Mann um ein Amt im niederbayerischen Bezirkstag und erhebe damit den Anspruch, für das Grundgesetz einzustehen.

Zur Rücktrittsforderung an sich nimmt der Landrat keine Stellung: „Nicht jeder Unsinn braucht eine Antwort.“ Das Schreiben Schregles wurde an das Polizeipräsidium Niederbayern weitergeleitet.


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