09.07.2018, 12:22 Uhr

Professor Rehbein im Gespräch mit Roos „Künstliche Intelligenz sollte man nicht unterschätzen“

Professor Rehbein und MdL Roos im Digitalisierungs-Labor des Lehrstuhls. (Foto: Bürgerbüro Bernhard Roos MdL)Professor Rehbein und MdL Roos im Digitalisierungs-Labor des Lehrstuhls. (Foto: Bürgerbüro Bernhard Roos MdL)

Professor Malte Rehbein begrüßte MdL Roos an seinem Lehrstuhl im Hans-Kapfinger-Gebäude in der Passauer Innenstadt und stellte sein wissenschaftliches Forschungsgebiet vor: „Ich kombiniere in meiner Arbeit Geisteswissenschaften und Informatik.“

PASSAU Rehbein interessierte sich schon früh für Informatik, studierte aber Geschichtswissenschaften und Mathematik erstmal separat, da die Kombination damals noch in den Kinderschuhen steckte. Als wissenschaftliche Hilfskraft am Max-Planck-Institut für Geschichte in Göttingen beschäftigte er sich mit historischer Fachinformatik, was schlussendlich zu seiner Profession wurde. Das Ziel der „Digital Humanities“ liegt in der Frage, inwiefern Technik die Geisteswissenschaften unterstützen kann.

Dabei spielt bei der Geschichtswissenschaft die Digitalisierung historischer Schriften und Artefakte eine große Rolle. Dafür ist am Lehrstuhl ein eigenes Labor eingerichtet, in welchem neueste Technik von Studenten und Wissenschaftlern zur digitalen Erschließung genutzt wird. Der Professor führte den Abgeordneten durch das Labor und erläuterte einige aktuelle Projekte.

So läuft seit den 1950er Jahren ein Großprojekt der bayerischen Akademie der Wissenschaften, durch welches eine neue deutsche Nationalbiographie entstehen soll. Eine erste Sammlung von Biographien historischer deutscher Persönlichkeiten, die die Geschichte prägten, entstand bereits Ende des 19. Jahrhunderts. Die andauernde Entstehung der Neuauflage wird unter Leitung von Rehbein digitalisiert, um sie barrierefrei einem breiten Publikum zugänglich zu machen und neue Forschungsperspektiven zu eröffnen. Dabei umfasst die Neue Deutsche Biographie (NDB) bisher rund 40 000 Personen. MdL Roos interessierte sich für die Darstellung der historischen Personen, so würden diese in ihrer Zeit oder auch nach ihrer Zeit oft „schöngefärbt“ von Chronisten.

Roos wies darauf hin, dass der Leser im Zweifelsfall nicht erkennt, wann etwas beschönigt wird. Rehbein erläuterte dazu, dass das Projekt nach streng wissenschaftlichen Kriterien arbeite und Wert darauf lege, dem Leser den Kontext der Darstellung zu vermitteln. Das gelte aber für viele andere Informationen aus dem Internet nicht. Dort seien Wahrheitsgehalt, Subjektivität oder etwa politische Färbung in der Tat oft nur schwer zu erkennen. „Das blinde Verlassen auf Technik und das kritiklose Übernehmen von Informationen aus dem Internet ist ein zeitgenössisches Problem“, so Rehbein. „Dem kann und muss die Wissenschaft entgegen wirken.“

Man sollte sich nicht aus Bequemlichkeit auf die ersten zwei Treffer einer Suchmaschine verlassen, sondern immer nach der Seriosität und Kompetenz auswählen, welche Informationen man aufruft und speichert. Viele Nutzer könnten die Algorithmen, die ihnen Ergebnisse liefern und ihr persönliches Surf-Verhalten im Internet prägen, nicht nachvollziehen. „Der Mensch muss die Technik beherrschen und nicht die Technik den Menschen“ betonte Rehbein.

MdL Roos ergänzte dazu, dass die auch die Lernprozesse der Algorithmen im Ungefähren blieben und vom Mensch nicht kontrolliert werden können.

Einig waren sich Rehbein und Roos darin, dass die Gefahr, die insbesondere von künstlicher Intelligenz (KI) ausgeht, nicht unterschätzt werden sollte. Um dem zu entgegen brauche es mehr „Computer literacy“, also einen kompetenten und kritischen Umgang des Menschen mit Daten und Technik. Diese wird am Lehrstuhl bereits mit entsprechenden Kursen für Studenten der geisteswissenschaftlichen Studiengänge vermittelt.


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