11.06.2018, 09:25 Uhr

Naturschutztag im Europareservat SPD-Kreistagsfraktion informiert sich über Liegenschaft der BN-Kreisgruppe

Das Europareservat Unterer Inn ist gut für Mensch und Natur. (Foto: SPD-Kreistagsfraktion Passau-Land)Das Europareservat Unterer Inn ist gut für Mensch und Natur. (Foto: SPD-Kreistagsfraktion Passau-Land)

Einen Naturschutztag im Europareservat Unterer Inn hat die SPD-Kreistagsfraktion zusammen mit Landtagsabgeordneten Bernhard Roos, Landtagskandidatin Sabine Mayerhofer und interessierten Bürgern unternommen.

BAD FÜSSING Der Vorsitzende der Kreisgruppe des Bund Naturschutz, Karl Haberzettl, zeigte und erläuterte der Gruppe nicht ohne Stolz die größte Liegenschaft des BN im Landkreis Passau. Es handelt sich um eine 28 ha große Flutwiese mit angrenzendem Auwäldchen in Eglfing am Inn, das von der Inhaberin Verbund Austria gepachtet ist. „Der Bund Naturschutz bewirtschaftet ehrenamtlich diese Fläche in Zusammenarbeit mit Landwirten, seit 26 Jahren ohne Chemie oder Gülle. Das einzige Ziel auf den Bund Naturschutz eigenen Flächen ist der Erhalt der Artenvielfalt“, so Haberzettl.

MdL Bernhard Roos würdigte den Erhalt einer artenreichen und blütenreichen Mähwiese in guter Abstimmung mit dem Verbund Austria als vorbildliches Projekt und der Bad Füssinger Bürgermeister Alois Brundobler unterstrich, wie positiv und harmonisch sich hier Naturschutz und Landwirtschaft ergänzen. Kreisrat Georg Greil, der den Tag organisiert hatte, erklärte, dass ohne die Bewirtschaftung aus der Überflutungswiese relativ schnell Auwald entstehen würde.

76 verschieden Pflanzenarten beherberge die Wiese, informierte Haberzettl und dankte auch dem 3. Bürgermeister von Bad Füssing, Martin Neun, der sich sehr um das Projekt annehme. Aktuell wird der Damm aus Sicherheitsgründen vom Strauch - Baumbestand befreit. Die Planung des Landschaftspflegeverbandes Passau in Zusammenarbeit mit der BN Kreisgruppe sieht deshalb vor, Samen der artenreichen Magerwiese zu gewinnen und auf dem Damm auszubringen.

Haberzettl sieht noch mehr Bedarf an solchen artenreichen Freilandflächen. Nachdem es in den letzten Jahrzehnten gelungen sei, Hecken und Auwäldern wieder mehr Raum zu geben, werden extensiv genutzte Offenlandflächen zur Mangelware und das sei vor dem Hintergrund des Insektensterbens verheerend. In Bayern sind seit den 1970er Jahren insgesamt 500.000 ha Grünland verloren gegangen, sodass heute nur noch circa 1,1 Millionen Hektar dieser wertvollen Kulturlandschaft existieren. Und dieser Trend hat auch vor dem Landkreis Passau nicht Halt gemacht. Ärgerlich findet Haberzettl auch, dass es im Landkreis selbst in Wasserschutzgebieten Maisanbau gebe.

Die Studie „Starkregen, Bodenerosion, Sturzfluten“ der TU München, der Landesanstalt für Landwirtschaft und dem Deutschen Wetterdienst belege eindeutig einen starken Zusammenhang zwischen Maisanbau und Hochwasser.

Die niederbayerische Landwirtschaft sollte im eigenen Interesse umdenken und die Politik müsse hier attraktive Anreize setzen, forderte SPD-Fraktionssprecher Andreas Winterer. Er verwies auch darauf, dass der bauliche Hochwasserschutz den Gemeinden finanziell immer mehr abverlange und bei Extremwetterlagen trotzdem an seine Grenzen komme. Deshalb seien mehr natürliche Überschwemmungsflächen unabdingbar für einen präventiven Hochwasserschutz.

Die Neuhauser Gemeinderätin und Landtagsdirektkandidatin im Stimmkreis Passau-West, Sabine Mayerhofer zeigte sich vom Engagement des Bund Naturschutz sehr beeindruckt, denn 46 ha Liegenschaften in den Gemeinden Bad Füssing und Malching seien beachtliche Areale an Wiesen, Auwald, Hecken und Altwasser, die hier gepflegt und als intaktes Ökosystem bewahrt würden, so Mayerhofer. Eine artenreiche und natürliche Landschaft stehe einem Kurort wie Bad Füssing, der vom Tourismus lebe, auch gut zu Gesicht. Der Freistaat Bayern sollte solche Initiativen und Projekte mehr als bisher unterstützen, forderte sie.

In Anspielung auf Landrat Meyer meinte Kreisrat Andreas Winterer: „Passau wird nur dann der schönste Landkreis Bayerns bleiben, wenn unser Boden den Schutz bekommt, den er verdient, und unsere abwechslungsreiche Natur- und Kulturlandschaft im niederbayerischen Hügelland nicht einer völligen ‚Vermaisung‘ weichen muss. Wir wünschen uns wieder mehr blühende Wiesen im Landkreis Passau, denn das ist gut für die Artenvielfalt, den Hochwasserschutz, den Tourismus und eine nachhaltige Landwirtschaft – kurzum eine Win-Win-Situation für Mensch und Natur.“

Weitere Stationen der Fraktion waren an diesem Tag die Besichtigung einer Vogelbrutkolonie in Obernberg mit informativer Anleitung von Frau Dr. Reichholf-Riem sowie ein Besuch im Informationszentrums Ering.

Auf dem Foto sind zu sehen (von links): der Vorsitzende der BN-Kreisgruppe Karl Haberzettl, Bezirkstagsvizepräsident Max Brandl, Dr. Helgard Reichholf-Riem, der Pockinger Stadrat Christian Plach, 1. Bgm. Alois Brundobler, Kreisrat Georg Greil, stv. Landrat Klaus Jeggle, SPD-Landtagsdirektkandidatin Sabine Mayerhofer, SPD-Ortsvorsitzender Josef Steidele, Kreisrat Georg Steinhofer, Landtagslistenkandidat Peter Kaltenhauser, Kreisrat Max Draxinger, MdL Bernhard Roos und Fraktionssprecher Andreas Winterer
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