28.02.2018, 15:11 Uhr

Wegen Afrikanischer Schweinepest Anti-Baby-Pille für die Wildsau? – Na, wenn das kein Unsinn ist ...


Jäger Ernst Gerauer sieht Verhütung für Schweine skeptisch

RUHSTORF A.D. ROTT 350.000 Schweine gibt es allein im Landkreis Passau. Und so zittern auch die hiesigen Bauern vor der Afrikanischen Schweinepest (ASP), denn noch gibt es keinen Impfstoff. Mit Warnschildern an den 60 Raststätten entlang der A3 wurden bereits entsprechende Sicherheitsvorkehrungen getroffen. Denn die ASP breitet sich vor allem in Osteuropa immer weiter aus. Auch Hausschweine stecken sich immer wieder an. Vor allem Tierrechtler schlagen eine vermeintliche Alternative zur Wildschweinjagd vor: eine Kastration per Impfung.

Der Deutsche Jagdverband (DJV) sieht das zu Recht skeptisch, hält ihn für realitätsfern. Für ihn ist Impfen keine Alternative zur Jagd. Bei Hausschweinen wird das Medikament Improvac bereits als Verhütunsmittel verwendet und soll nach Forderungen von Tierrechtlern nun auch bei Wildschweinen zum Einsatz kommen. Ernst Gerauer vom Jagdschutzverein Passau und Umgebung hält ebenso wie der DJV diesen Vorschlag für realitätsfern und stellt klar:

Improvac ist ein Impfstoff. Das Problem: Er kann nur gespritzt werden. Er regt im Körper die Produktion von Antikörpern an. Diese Stoffe verhindern, dass Sexualhormone im Körper gebildet werden. Ohne diese Hormone schrumpfen die Hoden, die Tiere können sich nicht erfolgreich fortpflanzen. Damit Improvac wirkt, sind sogar zwei Spritzen nötig. Auf Wildschweine übertragen hieße dies, dass jedes männliche Tier zweimal zur Impfung eingefangen werden müsste. Ach ja, nach acht Wochen müsste die Impfung aufgefrischt werden, damit die Tiere unfruchtbar bleiben.

Da wäre dann noch die Verhütung durch Gestagene bei weiblichen Wildschweinen – quasi eine „Anti-Baby-Pille“!

Die Hormone lassen sich als Köder einfacher verabreichen, jedoch stellt dies für den DJV einen unverantwortlichen Eingriff ins Ökosystem dar. Ähnlich wie beim Menschen müssen die Hormone zur Verhütung regelmäßig eingenommen werden. Anders als im Stall sei dies in der Natur nahezu unmöglich, sagt Tierärztin Dr. Susanne Hartmann von der Tierärztlichen Vereinigung für Tierschutz (TVT). Werden Gestagene nicht regelmäßig verabreicht, steige die Fruchtbarkeit sogar. Nicht auszuschließen sei, dass Frischlinge den Köder fressen und verfrüht geschlechtsreif werden, so Hartmann. Andere Säugetiere wären von der Hormonwirkung auch betroffen.

„Hormone zu verfüttern ist unverantwortlich“

„Hormone zu verfüttern finde ich unverantwortlich, denn dass ist unkontrollierbar. Die Wildschweine scheiden die Hormone ja auch wieder aus. Oder wir essen sie mit, wenn mal Wildschweinfleisch oder -Wurst auf den Tisch kommen“, meint Ernst Gerauer. Und er sagt auch, dass er absolut niemanden kennt, der diese Art der Vorsorge für vernünftig hält. Aus seiner Sicht ist das Wildschwein ohnehin mehr Opfer als Täter. Denn in der Slowakei hätte das Virus innerhalb weniger Tage 400 Kilometer zurückgelegt. „Arbeiter, die etwa aus dem Osten zu uns rüberkommen, um zu arbeiten, nehmen Lebensmittel mit, die ihnen in Deutschland zu teuer sind und schmeißen etwa Hartwurst oder Rohwurst weg. Darin sehe ich eher das Problem. Denn ein krankes Schwein wandert nicht mehr – das ist für mich daher nur ein eher kleiner Verbreitungsfaktor.“

Ernst Gerauer und seine Kollegen vom Jagdschutzverein Passau und Umgebung sind zudem nicht bereit, „eine Bache von den Frischlingen wegzuschießen – es gibt moralische Grenzen.“Tatjana Brand


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