05.10.2018, 13:14 Uhr

Stadt knüpft Beziehungen ins Reich der Mitte Landshut soll eine Station an der Seidenstraße werden


Eine im Vorfeld scharf kritisierte Reise einer niederbayerischen Delegation nach China war ein voller Erfolg. Das sagen jedenfalls die Teilnehmer, Vertreter der Wirtschaft und der Politik. Acht Vereinbarungen wurden unterzeichnet, die Beziehungen zu China sollen ausgebaut werden.

LANDSHUT Die Stadt Landshut soll eine Station an der neuen Seidenstraße werden. Was sich zunächst verrückt anhören mag, ist keineswegs abwegig. Bereits jetzt gibt es eine regelmäßige Bahnverbindung von Nürnberg aus ins über 10.000 Kilometer entfernte Reich der Mitte. Landshut liegt an dieser Verkehrsader. Die Möglichkeit, ein kleiner Teil des gigantischen Infrastrukturprojekts Seidenstraße zu werden, das China mit mehreren hundert Milliarden Euro vorangetrieben wird, ist für die niederbayerischen Bezirkshauptstadt nach einer fünftägigen Reise einer 25-köpfigen Delegation ein Stückchen näher gerückt.

Vertreter aus den Bereichen Bildung, Kultur und Wirtschaft, zwei Stadträte sowie Mitglieder der Verwaltung hatten fünf Tage lang mit Oberbürgermeister Alexander Putz (FDP) an der Spitze die chinesische Präfektur Guangyuan in der bayerischen Partnerprovinz Sichuan besucht. Acht Kooperationsvereinbarungen wurden unterzeichnet, unter anderem wird Landshut freundschaftliche Beziehungen zu Guangyuan aufnehmen.

Die Reise war im Vorfeld von Teilen des Stadtrates, vor allem den Grünen, scharf kritisiert worden. Der Grund: Ein Parteifreund des Oberbürgermeisters, Bernd Einmeier, hatte sie eingefädelt. Er ist nicht nur Vorsitzender des Liberalen Mittelstands der FDP, sondern auch Geschäftsführer von „ThinkTank Networks“, ein Expertenteam, das sich auf Marketing und Vertrieb spezialisiert hat – und darauf, internationale Netzwerke zu knüpfen. Von chinesischer Seite war Einmeier gebeten worden, Kontakte zu einer bayerischen Stadt herzustellen.

Er könne „keinen Nutzen für unsere Stadt erkennen“, hatte der Fraktionsvorsitzende der Grünen, Stefan Gruber, in einem offenen Brief scharf das Vorhaben kritisiert, nachdem es bekannt geworden war. Die Teilnehmer der Fahrt, unter anderem die Stadträte Ludwig Zellner (CSU) und Bernd Friedrich (Bürger für Landshut), sehen das allerdings ganz anders. „Es wäre befremdlich gewesen, wenn er nicht Landshut vorgeschlagen hätte“, sagte auch Putz am Freitag auf der Pressekonferenz nach der China-Reise im Rathaus.

Ziel der Vereinbarung, die Putz in China im Namen der Stadt unterzeichnet hat, ist es, Möglichkeiten für eine Zusammenarbeit in den Bereichen Schulen und Wissenschaft, Kultur und Tourismus sowie Industrie und Handel auszuloten. Denkbar wären in Zukunft zum Beispiel gemeinsame Unterrichtsstunden einer chinesischen und einer Landshuter Grundschule per „Videochat“, wie der OB erklärte.

Insgesamt wurden auf Landshuter Seite unter anderem von der Fachoberschule, dem Beruflichen Fortbildungszentrum der Bayerischen Wirtschaft (bfz), von der Brandt Zwieback-Schokoladen GmbH und Co. KG sowie von einem Dreierteam der Landshuter Unternehmen Asis, VX Instruments und dem Technologieentwickler Enders Kooperationsvereinbarungen unterzeichnet.

„In Guangyuan habe ich den Kontakt zu zwei Unternehmen hergestellt, die sich für unser Sortiment interessieren. Wir haben vereinbart, die Möglichkeiten einer künftigen Zusammenarbeit auszuloten“, sagt Christoph Brandt, Geschäftsführer von Brandt-Zwieback-Schokoladen.

Auch Christian Degenhart von VX Instruments, einem in Landshut ansässigen Unternehmen aus dem Bereich der Automationstechnik, wertet die Reise als Erfolg. In Guangyuan habe er die „Kontakte mit einem interessierten Unternehmen aus der Automobilbranche“ geknüpft. Eine Vereinbarung sei geschlossen worden. Auch die Landshuter Maschinenbauschule wird die Kontakte nach China in den nächsten Monaten intensivieren, wie der Schulleiter, Dr. Georg Aigner erklärte.

„Wir hätten eine großartige Chance verpasst, wenn wir nicht mitgefahren wären“, so CSU-Stadtrat Ludwig Zellner. So sieht es auch Hans Graf von der IHK: Man habe keinen schlafenden Riesen erlebt. „Was wir gesehen haben, war ein hellwacher Riese mit unerschöpflichen Humankapital.“

Begleitet worden war die Delegation in China von dem zuständigen Generalkonsul der Bundesrepublik Deutschland, Robert von Rimscha. Für Kritiker, die eine Zusammenarbeit mit China mit Blick auf die Menschenrechtssituation grundsätzlich ablehnen, hat er wenig Verständnis: „Wer empfiehlt, den Dialog mit China rundweg abzulehnen, nimmt uns Zukunftschancen.“ Oder mit den Worten Zellners ausgedrückt: „Da brummt‘s! Da sind wir genau richtig.“


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