07.02.2018, 08:54 Uhr

Schwarzbauten in Ergolding Bürgermeister fordert Rücktritt von Gemeinderätin


Dicke Luft in Ergolding. Nachdem bekannt wurde, dass Marktgemeinderätin Christine Huber (ödp) und ihre Familie bewusst schwarz gebaut haben (das Wochenblatt berichtete), hat ihr Bürgermeister Andreas Strauß jetzt öffentlich den Rücktritt nahe gelegt. Für die betroffenen Wohnungen wird eine Nutzungsuntersagung ausgesprochen.

ERGOLDING Sie wollten etwas Gutes tun, Wohnungen für Flüchtlinge schaffen. Deshalb hat die Familie von Marktgemeinderätin Christine Huber (ödp) bewusst gegen den Bebauungsplan verstoßen. In fünf Häusern wurden statt der erlaubten zwei Wohneinheiten drei gebaut. Auf der Bauausschuss-Sitzung der Marktgemeinde am Donnerstag kam jetzt heraus: So weit ist es mit dem guten Zweck nicht her. Denn nur in drei der fünf Häuser der „L + C Huber Verwaltungs GmbH“ wohnen laut Bürgermeister Andreas Strauß tatsächlich Flüchtlinge. In den Häusern, die Marktgemeinderätin Christine Huber gehören, sind die schwarz gebauten Wohneinheiten ganz normal vermietet. „Ich bin menschlich enttäuscht“, sagte Strauß am Donnerstagabend in der Bauausschusssitzung der Marktgemeinde, in der die Schwarzbauten behandelt wurden. Gleichzeitig forderte er die Marktgemeinderätin dazu auf, zurückzutreten.

Dass es keine normale Sitzung des Bauausschusses werden würde, war abzusehen. Der Wochenblatt-Bericht vor zwei Wochen hatte massive Reaktionen in der Bevölkerung ausgelöst. Selbst unbeteiligte Marktgemeinderäte wurden beschimpft und dachten an Rücktritt.

Wegen des großen öffentlichen Interesses und der erwarteten zahlreichen Zuschauer war das Gremium am Donnerstag in den großen Sitzungssaal umgezogen. Doch selbst der war innerhalb kürzester Zeit rammelvoll. Sitzplätze gab es keine mehr.

Kurz vor der Sitzung hatten sich Anwohner des Ottfried-Preußler-Rings mit einem Schreiben an das Rathaus gewandt. Zitat aus dem Schreiben: „Eine Gemeinderätin, die Schwarzbau in großem Stil betreibt – das stinkt förmlich zum Himmel.“ Der Bauausschuss solle die nachträglich beantragten Genehmigungen der Schwarzbauten ablehnen.

Genau das passierte dann auch. Alle fünf Anträge, die auf eine Legalisierung der zusätzlichen Wohneinheiten abzielten, wurden einstimmig abgelehnt. Und es gab eine Stellungnahme des Bürgermeisters, die es in sich hatte. Huber hätte ihren Eid als Marktgemeinderätin gebrochen, in dem sie bewusst gegen Gesetze verstoßen habe, so Strauß. „Das macht mich traurig, ich bin menschlich enttäuscht“, sagte er. Hubers Vorgehensweise werfe ein schlechtes Licht auf den Marktgemeinderat, auf den er bisher immer stolz gewesen sei. „Das war ein bewusster Rechtsbruch.“ Es sei für ihn in „keiner Weise akzeptabel“, sich etwas zu nehmen, was einem nicht zustehe. „So geht es nicht“, so Strauß. Er habe sich auch bereits mit Landrat Peter Dreier in Verbindung gesetzt. Der habe ihm versichert, dass das Landratsamt, die Aufsichtsbehörde der Marktgemeinde, die Entscheidung des Bauausschusses im Fall einer Ablehnung der Anträge nicht kritisieren werde. Für Huber bedeutet das: Die Nutzung der insgesamt fünf schwarz gebauten Wohnungen werden untersagt. Auch ältere Bauprojekte sollen nachträglich noch überprüft werden. Die Familie baut derzeit in der Rottenburger Straße ein weiteres Holzhaus mit zehn Wohneinheiten. Dort – so Strauß – könne die Familie ja dann die Mieter der schwarz gebauten Wohnungen unterbringen, die Flüchtlinge zum Beispiel.

Was die Familie Huber dazu sagt und einen Kommentar finden Sie in der aktuellen E-Paper-Ausgabe und ab 12 Uhr in unserem E-Paper.


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